83 Aussteller

Ausbildungsmesse in Geisenfeld übertrifft alle Erwartungen

Tausende Besucher in zwei Hallen– Zusatzanreize locken angehende Azubis

25.09.2022 | Stand 26.09.2022, 6:17 Uhr

Viel Fingerspitzengefühl bewies der Zweite Landrat Karl Huber – unter den kritischen Augen von KUS-Vorstand Johannes Hofner – beim „Verarzten“ einer verletzten Banane am Stand der Ilmtalklinik auf der Ausbildungsmesse. Fotos: Zurek

Die zweite Auflage der landkreisweiten Ausbildungsmesse in der Geisenfelder Anton-Wolf-Halle hat am Samstag alle Erwartungen getoppt. Die Zahl der Aussteller wuchs im Vergleich zur Premiere von 50 auf 83 – und entsprechend groß war das Interesse. V.



Vorab hatten nahezu 1000 Besucher ein Ticket gebucht und 119 Schüler einen Gesprächstermin vereinbart. Viele kamen aber auch einfach spontan vorbei. „Wir wollen im Landkreis die bestmögliche Vernetzung zwischen Ausbildungsbetrieben und potenziellen Nachwuchskräften erreichen“, erklärte Vorstand Johannes Hofner vom ausrichtenden KUS. Ziel der Messe sei auch, den „Mehrwert einer beruflichen Ausbildung als Grundstein für jeglichen weiteren Bildungsweg“ zu vermitteln – und die Vielfalt der Berufsbilder greifbar zu machen.

Firmen wollen Berührungsängste der Jugendlichen abbauen



Dass dies gelungen ist, zeigen die Kommentare. Sandra Hirner von Regens Wagner freute sich über eine „sehr professionell gemachte Messe“, die im Vorjahr für ihr Unternehmen relativ zügig Ausbildungsbewerbungen nach sich gezogen habe: ein Effekt, auf den sie auch heuer hoffe. Notfallsanitäter Thomas Schwarzmeier wollte Interesse für die von der Verwaltung über die Pflege bis zum Koch breitgefächerten Ausbildungsmöglichkeiten im BRK wecken und mit seinem Team „Berührungsängste abbauen“, wie er sagte. Als „sehr organisiert, übersichtlich und ansprechend“ lobt Marina Huth von der Bundesagentur für Arbeit die Messe, deren Charme in der einheitlichen Platzvergabe unabhängig von der Firmengröße liege. Die Berufsberaterin nutzte selber die Gelegenheit, sich über neuere Berufsbilder zu informieren. Bewährt haben sich aus Sicht vieler Betriebe, wie etwa der Möbelmanufaktur Mayr, die von Schülern buchbaren Slots für eine ausführliche, individuelle Beratung.

Im Buhlen um Fachkräfte in spé entwickelten die Aussteller viel Kreativität: hier als Eyecatcher ein Skelett, dort ein Versuchsaufbau und jede Menge Gimmicks als Dreingabe zu Broschüren. Wer junge Menschen erreichen wolle, müsse sich modern präsentieren, sagte Dominik Rist von der Firma Thimm, die zu einem virtuellen Rundgang durch ihr Unternehmen per VR-Brille einlud. Lilli Sophie Krämer fand diese Option jedenfalls interessant, vermittle sie doch einen anschaulichen Einblick über Räumlichkeiten und Abläufe. Was für die Wahl des Ausbildungsplatzes entscheidend sein könne.

Wie die Pflegeeinrichtung „Schönes Leben“ aus Reichertshausen warben einige Aussteller mit Zusatzanreizen: übertarifliche Bezahlung, Arbeitszeiten, die dem Wunsch nach Work-Life-Balance und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf Rechnung tragen. Rektor Dietmar Weichinger von der Irlanda-Riedl-Schule fand es gut, dass sich die Organisatoren mit den Schulen gut abgesprochen hätten.

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Und was sagen die Schüler, meist Neuntklässler? Sie hoffe auf der Suche nach einer Praktikumsstelle in einem Büro fündig zu werden, meinte Julia Kellermann aus Geisenfeld. Matteo Probst aus Pfaffenhofen schwankt zwischen einer Zukunft im Gartenbau, der IT-Branche oder als Mechatroniker. Daher fand er an den Ständen das Gespräch mit Azubis besonders interessant. Für Jasmin Volckmar aus Rohrbach war die „Ilmtalklinik als Arbeitgeber ganz vorn dran“, möchte sie doch Medizinische Fachangestellte werden. Ihre Mutter fand es gut, „dass die Aussteller direkt auf die Jugendlichen zugehen und ihnen die Angst nehmen“. Und in einem Punkt waren sich alle einig: Dass sich der Besuch gelohnt hat.

„Hervorragende Plattform zur Berufswahl“



Die Messe ergänzt den seit 2018 im Landkreis Pfaffenhofen als Katalog herausgegebenen Ausbildungskompass. Ein Blick auf die Statistik spiegelt den Erfolg der Veranstaltung wider – und ebenso den Aufwand, der hinter dem Event steckt: 83 Aussteller, Tausende Besucher, 2200 Quadratmeter Ausstellungsfläche in der Anton-Wolf-Halle, der Grundschulturnhalle und im Pausenhof. Dazu 470 Meter Messewände und 112 vorgestellte Ausbildungsberufe. Die Vorbereitung nimmt 88 Arbeitstage, 250 Helfer und 370 Standbetreuer in Anspruch.

Diese Zahlen waren Grund genug für KUS-Vorstand Johannes Hofner anlässlich der Eröffnung Danke zu sagen: seinem Team, den Veranstaltungspartnern von IHK, Handwerkskammer, Kreishandwerkerschaft, der Agentur für Arbeit und dem Ausbildungskompass sowie allen Unterstützern. Begleitet von Hofner suchten die Ehrengäste bei einem Rundgang durch die Hallen das Gespräch mit Ausstellern und Besuchern.

Die geballte Kraft anwesender Unternehmer und das riesige Interesse spiegle die Bedeutung der Messe als „hervorragende Plattform zur Berufswahl“, sagte der Zweite Landrat Karl Huber (Bürgerliste), dem es wichtig war, das Sprichwort vom Goldenem Boden des Handwerks auf das gesamte Duale Bildungssystem auszuweiten. Der gastgebende Bürgermeister Paul Weber (Unabhängige Soziale Bürger) betonte in Erinnerung an seine eigene Schulzeit, wie elementar Orientierungshilfen bei der Suche nach dem richtigen Beruf seien. Und Weber erklärte, dass Geisenfeld nächstes Jahr die Messe gerne wieder bei sich willkommen heiße.

PK