Radsport

Platz eins und zwei

Radsport: Bei der deutschen Meisterschaft steht Ricarda Bauernfeind zweimal auf dem Podium

28.06.2022 | Stand 28.06.2022, 17:27 Uhr

Schneller als alle Elite-Frauen war die Eichstätterin Ricarda Bauernfeind beim Einzelzeitfahren der U23 im Sauerland. Foto: Stiehl

Von Timo Schoch

Eichstätt – Die Eichstätter Profi-Radfahrerin Ricarda Bauernfeind (Team Canyon-Sram-Generation) ist bei den deutschen Meisterschaften im Sauerland gleich zweimal aufs Podium gefahren. Beim Einzelzeitfahren der U23 gewann die 22-Jährige den Titel, beim Straßenrennen toppte die Eichstätterin sogar ihren Sensationserfolg aus dem vergangenen Jahr, als sie völlig überraschend Dritte wurde.

Die Erwartungshaltung hat sich verändert. Kein Wunder, wenn man sieht, was bei Bauernfeind in einem Jahr alles passiert ist: Ende Juni 2021 stand die Eichstätterin bei der deutschen Meisterschaft an der Startlinie in Stuttgart. Bauernfeind war Einzelstarterin. Lehramtsstudentin, die nur noch aus Spaß Rennen fährt. Die 22-Jährige hatte zu jener Zeit niemand auf dem Zettel. Dann überraschte sie alle, sprintete auf Platz drei und verwies zahlreiche Profifahrerinnen auf die Plätze. Es war der Startschuss für einen kometenhaften Aufstieg.

26. Juni 2022. Ein Jahr später. Wieder stehen die deutschen Meisterschaften an. Doch die Vorzeichen haben sich geändert. Bauernfeind fährt inzwischen für das Profiteam „Canyon-Sram-Generation“. Ihr Frühjahr war überragend, mit zahlreichen Podiumsplätzen bei UCI-Rennen und dem fünften Gesamtrang bei der wohl bedeutendsten deutschen Rundfahrt für Frauen, der Thüringen-Rundfahrt.

Und dann, zwei Tage vor dem Straßenrennen, gewann die junge Athletin das Zeitfahren der U23. Alleine das ist schon eine Überraschung, doch die Sensation ist eine andere: Die Eichstätterin war sogar schneller als alle Elite-Frauen und hätte dort selbst Olympiasiegerin Lisa Brennauer mit 19 Sekunden geschlagen. „Eigentlich bin ich keine Zeitfahrerin. Deshalb hatte ich im Vorfeld mit einem Podiumsplatz bei den U23 geliebäugelt“, sagt sie. „Dass ich dann sogar schneller war als die Elite-Fahrerinnen – damit hätte ich niemals gerechnet. Daran habe ich nicht eine Sekunde gedacht.“ Das Zeitfahren war allerdings wie gemalt für Bauernfeind. 27 Kilometer, gespickt mit über 450 Höhenmetern. Vom Start weg ging es bergauf. Der 1,5 Kilometer lange Anstieg war bis zu 18 Prozent steil. „Nach 900 Metern hatte ich schon die Fahrerin aufgeholt, die eine Minute vor mir gestartet war“, erzählt sie. Das Tempo hielt sie bis ins Ziel hoch. Am Ende hatte die 22-Jährige einen Vorsprung von über zwei Minuten auf die Zweitplatzierte Linda Riedmann. Das bedeutete mit einer Zeit von 42.04 Minuten den Titel.

Auch beim Straßenrennen wurde Bauernfeind ihrer Favoritenrolle gerecht. Nach über 120 schweren Kilometern mit rund 2300 Höhenmetern überquerte die Eichstätterin als Zweite die Ziellinie. „Mein Ziel waren die Top fünf“, sagt sie.

Beim Straßenrennen fuhren die 75 Fahrerinnen zuerst siebenmal einen 13 Kilometer langen Rundkurs, bevor sie zum Schlussanstieg abbogen. „Die Runde war deutlich schwerer als der Schlussanstieg mit seinen rund vier Prozent Steigung im Schnitt“, sagt Bauernfeind. Somit war klar, dass sich das Feld schnell sortieren würde. Nach vier Runden hatten sich fünf Fahrerinnen abgesetzt – unter ihnen die Eichstätterin, und die zweite große Favoritin auf den Sieg, Liane Lippert. „Ich habe mich deshalb an Liane orientiert“, sagt Bauernfeind. „Sie hat einen richtig guten Punch und war somit die größte Gefahr.“ Am Ende war die Friedrichshafenerin dann einen Tick zu stark für Bauernfeind. „Ich konnte nicht mehr machen, deshalb freue ich mich sehr über diese Platzierung“, sagt sie.

Die Erwartungen an sie auf Top-Ergebnisse werden also weiter steigen. „Den Druck sehe ich inzwischen mehr als Kompliment für meine Leistungen“, sagt die 22-Jährige. Das dürfte auch am kommenden Sonntag nicht anders sein: Denn da steht Bauernfeind am Start beim Straßenrennen zur deutschen Meisterschaft der U23. Nach dem zweiten Platz im Sauerland gilt sie in Thüringen als Top-Favoritin. Anschließend folgt die U23-EM in Portugal – auch da rückt Bauernfeind durch ihre Leistungen immer mehr in das Blickfeld aussichtsreicher Kandidatinnen für eine vordere Platzierung.

EK