Thüringen-Rundfahrt

Beste Deutsche

Eichstätter Rennradfahrerin Ricarda Bauernfeind beendet Thüringen-Rundfahrt auf Gesamtplatz fünf<?ZE?>

03.06.2022 | Stand 03.06.2022, 5:00 Uhr

Nach einer Corona-Erkrankung sitzt Ricarda Bauernfeind (vorne) aus Eichstätt nun wieder auf dem Sattel. Bei der Thüringer Rundfahrt belegte die 22-Jährige nicht nur einen Gesamtplatz fünf, sondern durfte sich auch das Trikot für die beste deutsche Fahrerin überstreifen. Foto: Mill

Von Timo Schoch

Altenburg – Die Thüringen-Rundfahrt ist eine der bedeutendsten Radsportveranstaltungen für Frauen in Deutschland. Auch für die Eichstätterin Ricarda Bauernfeind stellte das sechstägige Rennen einen Saisonhöhepunkt dar – obwohl es nach einer erst kurzfristig überstandenen Corona-Erkrankung erhebliche Zweifel gab, ob die 22-Jährige die Rundfahrt überhaupt beenden könnte. Doch dann überraschte sie erneut alle – auch sich selbst.

Bauernfeind (Team Canyon/Sram-Generation) hatte ein überragendes Frühjahr in ihrem ersten Profi-Jahr gefeiert, mit Podiumsplatzierungen bei mehreren Rennen, wie beispielsweise der Vuelta Ciclista Andalusia und dem Grand Prix Feminin de Chambery. Dann allerdings bremste eine Corona-Erkrankung die 22-Jährige aus – kurz vor dem ersten Saisonhöhepunkt, der Thüringen-Rundfahrt. „Vor dem Start saß ich keine zehn Tage wieder auf dem Rad und hatte mit dem Training erst nur langsam begonnen“, sagte sie. „Deshalb war es fraglich, ob ich alle Etappen überhaupt zu Ende fahren kann. Somit war die Thüringen-Rundfahrt gefühlt für mich plötzlich doch kein Highlight mehr.“

Die ersten beiden Etappen liefen wie befürchtet. „Ich hatte am Berg Probleme. Das kannte ich gar nicht von mir“, erzählte Bauernfeind. Der Eichstätterin kam allerdings entgegen, dass die beiden Etappen in Hof und Gera lediglich ein welliges Profil aufwiesen und somit im Sprint entschieden wurden. „Für mich ging es dabei nur darum, keine Zeit zu verlieren“, sagte sie. „Ich wusste, dass es nur besser werden kann, dass die Beine und die Form irgendwann wieder kommen würden.“

Das passierte in der dritten Etappe. „Vor drei Jahren bin ich schon einmal bei der Thüringen-Rundfahrt gestartet und kannte die Strecke“, sagte die Rennradfahrerin. „Auf diese Etappe hatte ich mich gefreut, weil sie mir lag, durch den kleinen Zielanstieg von gut einem Kilometer.“ Selbst ein harmloser Sturz in der dritten von fünf Runden konnte die Eichstätterin nicht ausbremsen. Das Feld vor ihr fuhr relativ ruhig und so schloss die 22-Jährige nach einem Radwechsel schnell wieder auf. In der finalen Phase positionierte sie sich dann ideal und beendete die Etappe nach 129 zurückgelegten Kilometern auf dem vierten Rang, mit vier Sekunden Rückstand auf die australische Siegerin Alexandra Manly.

Somit war für Bauernfeind klar: Die Form stimmte wieder. Und das stellte sie auf der vierten Etappe in Schleiz erneut unter Beweis. Die harten, kilometerlangen Anstiege lagen ihr perfekt. Obwohl es zum Ziel leicht bergab ging, sprintete sie nach 127 Kilometern auf den zweiten Platz, hinter Manly.

Die fünfte Etappe mit Start und Ziel in Gotha führte auf den Inselsberg, den höchsten Punkt der Rundfahrt. Am Anstieg teilte sich das Feld rasch. Anschließend ging es wellig weiter. Der Wind erschwerte das Rennen. „Somit war der zweite Teil fast anstrengender als der Bergteil“, sagte Bauernfeind. Da ihre Teamkolleginnen aufgrund des doch recht starken Leistungsgefälles die Eichstätterin erneut nicht unterstützen konnten, war sie wieder auf sich allein gestellt. So belegte sie am Ende den achten Rang und rückte in der Gesamtwertung auf Platz fünf vor.

Bei der finalen Etappe in Altenburg ging es für Bauernfeind darum, ihren Platz in der Gesamtwertung zu verteidigen. Die Etappe selbst war flach und wurde im Sprint entschieden. Dabei belegte sie den 13. Platz. Dieser bedeutete in der Gesamtwertung Platz fünf, 62 Sekunden Rückstand auf Siegerin Alexandra Manly. Gleichzeitig durfte sie das Trikot für die beste deutsche Fahrerin dieser Rundfahrt überstreifen.

„Bei der dritten Etappe hatte ich auf einen Platz unter den besten zehn Fahrerinnen spekuliert. Das klappte dann. Alles andere war reine Zugabe“, erzählte Bauernfeind und freute sich über eine schöne und gelungene Woche. „Mit solchen Ergebnissen habe ich definitiv nicht gerechnet. Ich dachte auch nicht, dass ich nach Corona so schnell wieder den Einstieg finden würde.“

Nun bereitet sich die Eichstätterin auf die Deutschen Meisterschaften vor, die am 24. und 26. Juni stattfinden.

EK