Laufsport

Karla Hiss ist Deutsche Team-Meisterin

Pfaffenhofenerin gewinnt Gold mit der Mannschaft bei den Zehn-Kilometer-Titelkämpfen – Platz vier im Einzel

21.09.2022 | Stand 21.09.2022, 17:15 Uhr

Saarbrücken/Pfaffenhofen – Am Sonntag suchte der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) in Saarbrücken die Schnellsten des Jahres 2022 im Zehn-Kilometer-Straßenlauf. Eine davon ist die Pfaffenhofenerin Karla Hiss (Foto). Die 16-Jährige kam mit U18-Team-Gold zurück, das sie mit ihren Vereinskameradinnen Franziska Drexler und Hanna Müller für LG Telis Finanz Regensburg errungen hat.

Team-Titel werden aus der Addition der Einzelzeiten ermittelt. Hiss wesentlicher Anteil: Sie wurde Vierte der U18-Wertung in 38:25 Minuten. Drexler war die Schnellste in 34:41 – sie gilt als eines der größten deutschen Lauftalente. Müller traf als 18. nach 43:44 ein. Die U18-Läuferinnen waren übrigens nicht alleine unterwegs, sondern im großen Pulk aller Teilnehmerinnen von U19 bis W45.

So weit die reinen Zahlen. Die Geschichte dahinter ist mindestens ebenso interessant. Denn Hiss ist auf der Bahn zu Hause, sie ist eine Mittelstrecklerin, ihre Leidenschaft gehört den 800, den 1500 und auch den 3000 Metern. Im vergangenen Jahr bestritt sie in Regensburg auch mal einen Straßenlauf über fünf Kilometer, in guten 18:10 Minuten. Aber auf der klassischen Straßendistanz über zehn Kilometer hatte sich die Juniorin bis dato nicht versucht. Ihre Regensburger Trainer hatten Hiss einen Kilometerschnitt von vier Minuten für das Rennen vorgegeben, also eine Endzeit von rund 40 Minuten. Doch schon nach dem ersten Kilometer fand sie sich in einer Gruppe von Frauen wieder, die einen Schnitt von 3:50 Minuten angeschlagen hatten. Zehn Sekunden auf einen Kilometer klingt für Laien nicht nach viel, einhundert Sekunden auf zehn Kilometer auch nicht – für Aktive liegt aber eine Welt dazwischen. Erst recht für eine Straßenlauf-Novizin.

Zudem war die Streckenführung in Saarbrücken ausgesprochen ungewöhnlich: Es handelte sich um einen 2,5 Kilometer langen Wendepunktkurs auf einer vierspurigen Allee im Herzen der saarländischen Hauptstadt. Wendepunkte bedeuten: Abbremsen, sich im Pulk um eine enge Kurve drängeln, wieder Tempo aufnehmen. Kollisionen sind vorprogrammiert. Bestzeiten sind auf einem derartigen Kurs nicht zu erreichen. Auch Hiss und ihre Teamkameradinnen waren anfangs skeptisch. Hinterher meinte die Debütantin: „Das war gar nicht schlecht, auf diese Weise hatte man nach vorne und hinten die Konkurrenz im Blick.“

Die Hälfte der Distanz hatte die 16-Jährige schon nach 19:18 Minuten hinter sich gebracht – sie war also sehr konstant und lag überraschenderweise auf Rang vier. Wie bei allen Langdistanzen stellt sich die Herausforderung jedoch erst in der zweiten Streckenhälfte. Bei zehn Kilometer oft auf dem sechsten, siebten oder achten Kilometer, wenn die Müdigkeit einsetzt. Hiss kam gut über diesen kritischen Punkt. Mehr noch: Langsam verkürzte sie den Abstand auf die Drittplatzierte Bianca Böhnke (VfL Waiblingen), die zur Halbzeit noch 13 Sekunden Vorsprung gehabt hatte. Doch vor dem entscheidenden Antritt schreckte die junge Mittelstrecklerin dann doch zurück – sie fürchtete einen Einbruch auf dem Schlusskilometer, der dem Team möglicherweise geschadet hätte. Im Ziel fehlten Hiss nach 38:25 nur fünf Sekunden zu DM-Bronze. Silber holte sich Emily Junginger (TSG Nürtingen) in starken 37:34 . Der Meistertitel ging an Karlas überragende Teamkollegin, an Drexler in 34:41.

Hiss scheint übrigens auf den Straßenlauf-Geschmack gekommen zu sein. Es sei durchaus möglich, dass Karla am Pfaffenhofener Straßenlauf am 16. Oktober teilnehme, deutet Karlas Mutter Katrin Hiss an. Mit einer Zeit im 38-Minuten-Bereich würde das frühere MTV-Talent mutmaßlich auf dem Podest stehen. Vielleicht sogar ganz oben.

htk