Bisheriger Mühlrieder Fußballchef hört auf seinen Körper
Heiko Krupa: „Ich habe noch eine dritte Chance bekommen“

01.06.2023 | Stand 16.09.2023, 6:32 Uhr |

Heiko Krupa, wie man ihn beim SC Mühlried kennt: als stetiger Mutmacher für seine Spieler. Foto: M. Schalk

Heiko Krupa wird fehlen. Nicht nur seinem SC Mühlried, sondern der gesamten Fußballszene im Altlandkreis Schrobenhausen. Aber die Gesundheit geht natürlich vor, und so endete mit der Saison 2022/23 nun auch die Tätigkeit des 34-Jährigen als Abteilungsleiter der Blauweißen.

Jegliche Aufregung dringend zu vermeiden

Über fünf Jahre, seit dem Frühling 2018, hatte er dieses Amt innegehabt – eine lange Zeit, verbunden mit vielen Höhen wie den Aufstieg in die Kreisliga Ostschwaben im Mai 2019 (kleines Foto) und auch einigen Tiefen. „Aber Spaß gemacht hat es mir immer“, so Krupa: „Umso schwerer fällt es mir jetzt, aufzuhören. Ich mache das schweren Herzens – und definitiv nicht mit nur einem weinenden Auge.“

Er wirkt nachdenklich bei diesen Worten, atmet tief durch – um nur wenige Augenblicke später doch wieder sein bekannt sympathisches Lächeln im Gesicht zu haben. Trübsal blasen, schlechte Laune verbreiten? Alles überhaupt nicht sein Ding. Dabei hätte Krupa eine Menge Grund, mit dem Schicksal zu hadern. Zunächst ein fleischfressender Keim im linken Bein, der ihn in Lebensgefahr brachte und über 20 Operationen nach sich zog – dann, Ende Dezember 2022, ein Herzinfarkt im Alter von nur 34 Jahren: Das muss man erst einmal verkraften können. „Selbstverständlich denke ich seitdem anders“, bestätigt er: „Ich habe nun noch eine dritte Chance bekommen. Andererseits ist mir von Seiten der Ärzte unmissverständlich dargelegt worden, dass ich ab sofort jegliche Aufregung dringend vermeiden müsse, ansonsten könnte das böse Folgen haben.“

„Ich hätte mir ein schöneres Ende gewünscht“

Aber als verantwortlicher Abteilungsleiter ruhig ein SCM-Spiel anschauen – wie bitte schön soll das funktionieren? Spätestens, als er sich zur Reha in Bischofsgrün befand, schoss Krupa diese Frage immer wieder durch den Kopf. Wie kann’s für ihn als Mühlrieder Fußballchef weitergehen? Kann es überhaupt weitergehen? Der 34-Jährige dachte in den vier Wochen in Oberfranken intensiv darüber nach – um letztlich zum für ihn so bitteren Entschluss zu kommen, „einen Cut machen zu müssen“, wie er es ausdrückt.

Dies sofort im Winter zu tun, das brachte Krupa allerdings nichts übers Herz. „Sein“ SCM steckte da schließlich noch tief im Abstiegskampf der Kreisliga Ostschwaben: „Ich konnte ihn da doch nicht einfach im Stich lassen“, so der 34-Jährige. Also weihte er zunächst nur seinen Kollegen Stefan Stohl aus der Abteilungsführung von seinem Rücktritt Ende Mai ein – und schwieg ansonsten zunächst. Ja, keine Unruhe ins Team bringen: so sein festes Ziel.

Dass es für die Mühlrieder jetzt trotzdem in die Kreisklasse hinuntergeht, dass sie sich im Schlussklassement sogar auf dem letzten Platz wiederfinden: All dies tut Krupa mächtig weh. „Ich hätte mir ein schöneres Ende gewünscht“, bestätigt er: „Aber alles Schlechte hat immer auch sein Gutes.“

Optimistisch wirken, auch wenn’s bescheiden läuft: Krupa praktiziert das immer wieder vorbildlich. „Angst habe ich mittlerweile vor gar nichts mehr“, sagt er. Als auch nicht vor einem Komplettabsturz seines SCM, wie mancherorts bereits prophezeit wird. „Dazu wird es nicht kommen“, ist sich der 34-Jährige sicher: „Mit Marco Rechenauer, Lukas Koppold und Patrick Großhauser werden uns zwar drei eminent wichtige Leistungsträger in der Sommerpause verlassen – aber ansonsten bleibt unser Team, trotz aller anders lautenden Gerüchte, zusammen. Deshalb bin ich fest davon überzeugt, dass wir in der neuen Saison einen weiteren Abstieg vermeiden können – auch wenn die Situation zugegebenermaßen nicht ganz ungefährlich ist.“

„Ab sofort der größte Fan des SC Mühlried“

Ja, Krupa spricht weiterhin von „uns“, „wir“ und „unser Team“. „Ich bin zwar ab sofort nicht mehr in verantwortlicher Position tätig – aber dafür bin ich ab sofort der größte Fan des SCM“, erklärt er lächelnd: „Jetzt muss ich es nur noch schaffen, hundertprozentig mitzufiebern, ohne mich hierbei zu sehr aufzuregen.“

Also Krupa doch weiterhin jeden Sonntag auf dem Sportplatz? „Na ja, ganz so weit wird es nicht kommen“, räumt der 34-Jährige ein: „Ich muss ruhiger werden, ich möchte ruhiger werden. Und ich freue mich auch wirklich darauf, das eine oder andere Wochenende einfach mal was mit meiner Freundin zu unternehmen – komplett ohne SCM, komplett ohne Fußball.“

Lieber Amateurspiele als Partien bei den Profis

Und wenn doch Fußball – „ganz ohne wird es für mich nie gehen“ – müsse das nicht mehr nur Mühlried sein. Kumpel Rechenauer arbeitet ja in der neuen Saison als Co-Spielertrainer beim TSV Burgheim, Kumpel Koppold tut dies beim TSV Weilach: „ Da bietet es sich in der Tat an, dass ich mich auch dort hin und wieder mal sehen lasse“, nickt Krupa zustimmend. Seine Liebe zum FC Bayern München sowie zum Profifußball im Allgemeinen ist hingegen ein bisschen erkaltet:„Dort wird mittlerweile viel zu viel Geld hineingeschossen, während die echten Typen auf dem Platz immer weniger werden. Da schaue ich mir inzwischen doch deutlich lieber irgendwelche Amateurspiele an – und das nun mehr denn je ohne jegliche Aufregung.“

SZ