Fussball, Regionalliga Bayern

FC Pipinsried kann’s doch noch

Kollektives Aufatmen bei den Gelbblauen nach dem 3:0-Heimerfolg am Dienstagabend gegen die SpVgg Hankofen/Hailing

02.08.2022 | Stand 02.08.2022, 22:41 Uhr

Erleichterung pur: Die Spieler des FC Pipinsried durften am Dienstagabend endlich ihren ersten Saisonsieg bejubeln. Foto: M. Schalk

Von Roland Kaufmann

Pipinsried – Der FC Pipinsried hat es geschafft, mit einem verdienten 3:0 (0:0) gegen die SpVgg Hankofen/Hailing fuhr er am Dienstagabend endlich seinen ersten Saisonsieg in der Fußball-Regionalliga Bayern ein. Nach zuvor drei Niederlagen in Folge war dieses Erfolgserlebnis gegen den Neuling aus Niederbayern fast schon Pflicht gewesen, um den Kontakt zum Tabellenmittelfeld nicht bereits frühzeitig zu verlieren.

Wie die junge Mannschaft mit dieser Drucksituation umging, das machte auf jeden Fall Mut für die restliche Saison. „Unsere Jungs ließen regelrecht ihre Seele auf dem Platz, kämpften mit bedingungslosem Willen für den Sieg – und das war entscheidend“, sagt Co-Spielertrainer Pablo Pigl mit einer Riesenportion Stolz.

Aber rein mit einer vorbildlichen Einstellung war es vor den offiziell 312 Zuschauern in der Hazrolli-Arena natürlich nicht getan. Da musste von Pipinsrieder Seite schon noch etwas anderes her, um die Dinge in die richtigen Bahnen zu lenken – womit wir wieder sehr schnell bei Pigl wären: Der FCP-Toptorjäger der vergangenen Jahre stellte sich an diesem Dienstagabend komplett in den Dienst der Mannschaft – und agierte auf der für ihn komplett ungewohnten Sechserposition. Die Idee dahinter: Durch den 30-Jährigen sollten die Gelbblauen endlich wieder einen echten Führungsspieler in ihrem Mittelfeld besitzen, der von hinten heraus die Aktionen nach vorne ankurbeln kann.

Pigl nahm diese Rolle vom Anpfiff weg vorbildlich an, kämpfte, rackerte, legte große Räume zurück – und wies seiner jungen Mannschaft auch verbal immer wieder den Weg. Ja, an diesem Dienstagabend war endlich Leben drin in der Pipinsrieder Elf. Es wurde sich gegenseitig angefeuert, es wurde sich gegenseitig geholfen.

Und trotzdem hätte das Match für die Gelbblauen erneut einen ganz dummen Verlauf nehmen können – nämlich dann, wenn sie in der in der 38. Minute durch den völlig freistehenden Vincent Ketzer in Rückstand geraten wären. Aber Keeper Felix Thiel reagierte in dieser Szene sensationell und partierte den verdeckten 14-Meter-Schuss des 20-jährigen Hankofeners. Auf der anderen Seite hatte Marvin Jike noch vor dem Pausenpfiff das 1:0 auf dem Fuß – um nach tollem Solo doch mutterseelenallein am Gästetorwart Sebastian Maier zu scheitern (41.).

Egal, denn sechs fünf Minuten nach dem Seitenwechsel machte es der 22-Jährige erheblich besser – indem er die Kugel aus rund 18 Metern Torentfernung unhaltbar in die Maschen drosch. Die Führung also für den FCP, was für eine Erleichterung! Nachdem Halit Yilmaz dann auch noch einen 20-Meter-Freistoß im Stile eines Cristiano Ronaldo über die Abwehrmauer hinweg ins gegnerische Gehäuse gezirkelt hatte, nahm der Pipinsrieder Heimsieg endgültig Gestalt an (62.). Den Schlusspunkt zum 3:0 setzte schließlich Munkyu Seo – und kaum war sein 16-Meter-Schlenzer unten im linken Eck eingeschlagen (87.), stürzte sich fast das komplette Team jubelnd auf den Südkoreaner, der an diesem Dienstagabend sein Debüt im FCP-Trikot feierte. Ja, gerade ihm gönnte wirklich jeder diesen sehenswerten Treffer, denn der 22-Jährige hatte zuvor lange Wochen auf seine Spielgenehmigung für die Gelbblauen warten müssen.

„Er bringt technisch unglaublich viel mit und wird uns noch sehr weiterhelfen“, lobt Pigl den Südkoreaner. Aber nur einen Augenblick später verfinstert sich der Blick des Co-Spielertrainers doch ein bisschen – was an der Atmosphäre zuvor in der Hazrolli-Arena lag: „Man kommt sich in unserem Stadion immer wieder vor wie bei einem Totentanz. Von außen kommt nur etwas auf den Platz, wenn es nicht läuft“, kritisiert der 30-Jährige. Chef-Spielertrainer Nikola Jelisic sieht es ähnlich: „Deshalb wäre mein Appell an unsere Zuschauer, dass sie bitte nicht nur deshalb ins Stadion gehen, um unsere Jungs zu kritisieren, sondern auch, um sie zu supporten. Diese haben es auf jeden Fall verdient.“ Erst recht, wenn sie so gut kicken wie an diesem Dienstagabend gegen die SpVgg Hankofen/Hailing.

SZ