Wolnzach
Junge Nachfolgerin für „Zirkus-Pensionär“

Auf Max Niedermeier folgt im Tonelli-Elferrat nun Franziska Amper

14.11.2022 | Stand 19.09.2023, 22:07 Uhr |
Wolfgang Kollmeyer

Für den aus dem Elferrat ausgeschiedenen Max Niedermeier (Mitte) wurde von den Tonelli-Mitgliedern nun Franziska Amper (Vierte von rechts) neu ins Gremium gewählt. Foto: Kollmeyer

Von Wolfgang Kollmeyer

Wolnzach – Beinahe ein wenig Zirkusluft meinte man schnuppern zu können, als der Wolnzacher Zirkus Tonelli kürzlich zur Generalversammlung zusammengekommen ist – auch wenn es in den Gewölberäumen im Gasthaus Berger kein Zelt und keine Manege gab. Über 80 Mitglieder des umtriebigen Vereins hatten sich zusammengefunden, um ihren Elferrat neu zu wählen und – wie angekündigt – Max Niedermeier als langjähriges und besonders verdientes Mitglied aus diesem Gremium zu verabschieden. Und da Tonelli bekanntlich kein gewöhnlicher Verein ist, verlief auch das in besonderer Manier.

Vorsitzender und Zirkusdirektor Georg Hölzl freute sich sichtlich, nach zwei Jahren wieder so viele Mitglieder begrüßen zu können. Spontan wurde das Tonelli-Lied angestimmt, bevor Hölzl an die in den letzten beiden Jahren verstorbenen Mitglieder erinnerte. Mit dem gebührenden Respekt und trotzdem launig ging er auf deren Engagement im Zirkus ein. Schriftführer Christian Andreas berichtet über die Entwicklung der Mitgliederzahlen und ließ die Aktivitäten der vergangenen Jahre Revue passieren, darunter unter anderem ein Besuch im Zirkus Roncalli, die Sommerfeste, aber natürlich auch der bis dato letzte Zirkus und Ball im Februar 2020. „Die Wolnzacher sind Tonelli-begeistert“, stellte er fest.

Kassier Mathias Braun präsentierte den Kassenbericht, der zwar im letzten Jahr mit einem Minus abschloss, da keine Einnahmen aus Veranstaltungen eingegangen sind, doch insgesamt stehe der Verein finanziell recht gut da. Das konnte Julia Ertlmeier für die Revisorinnen bestätigen, die die gute Kassenführung lobten. Für die Wahl des Elferrates – so wird bei Tonelli der Vorstand genannt – übernahm Ferdinand Schmidpeter die Sitzungsleitung. Bei der Wahl per Akklamation gab es nur eine einzige Veränderung: Für „Ausscheider“ Max Niedermeier nach verdienstvollen Jahren als Artist, Zirkusdirektor und Elferratsmitglied wurde Franziska Amper als Nachfolgerin in den Elferrat gewählt. Dieser setzt sich somit zusammen aus Zirkusdirektor Georg Hölzl, Stellvertreter Christian Hohenleitner, Kassier Mathias Braun, Schriftführer Christian Andreas und den Beisitzern Max Ziegler, Rudi Pfab, Michaela Wallisch, Nina Waldinger, Gertrud Waldinger, Stefan Schmidpeter und Franziska Amper.

Danach galt das Augenmerk der eigentlichen Hauptperson des Abends: Max Niedermeier wurde gebührend aus dem Amt verabschiedet. Hölzl ging auf das langjährige Engagement des Tonelli-Urgesteins ein. Er lobte vor allem dessen „Elefantengehirn“, in dem zahlreiche Details aus vielen Jahrzehnten abgespeichert seien. Scherzhaft spielte er auch auf Niedermeiers – übrigens von ihm selbst so bezeichneten – „Spatzen-Wadln“ an, die ihn aber immer überall hingetragen hätten, sogar bis zum Karneval in Rio de Janeiro. Niedermeier sei bei jedem Auftritt perfekt vorbereitet gewesen, in welcher Rolle auch immer – als Artist, als Schriftführer, als Elferratsmitglied, als zweiter Vorsitzender und natürlich als Direktor.

Hölzl dankte Niedermeier auch ganz persönlich. Er habe 20 Jahre mit ihm zusammenarbeiten dürfen und dabei viel vom ihm gelernt. Sie seien zwar nicht immer einer Meinung gewesen, doch hätten sie immer das gleiche Ziel gehabt. Dem frisch gebackenen „Zirkus-Pensionär“ war die Rührung angesichts dieser Laudatio zwar anzumerken, sein Humor kam ihm deshalb aber nicht abhanden: „Ich habe Gott sei Dank die Gabe, Lob und Anerkennung zu ertragen“, sagte Niedermeier schlagfertig. Eine große symbolische Geste durfte nicht fehlen: Niedermeier half seiner Nachfolgerin Franziska Amper galant in die Elferrats-Uniformjacke, die er zuvor abgelegt hatte.

Seinem Zirkus wird Niedermeier aber weiterhin als „treue und quirlige Seele“ erhalten bleiben, wie er selbst versprochen hat. Auch sonst braucht sich der Verein personell wohl keine Sorgen machen: Tonelli hat aktuell 361 Mitglieder, wobei das jüngste vor einem dreiviertel Jahr aufgenommen wurde – gleich nach der Geburt.

WZ