Neuburg

Letzter Akt bei der Felsnase

25.11.2022 | Stand 25.11.2022, 10:20 Uhr

Mehr als 40 Anker werden derzeit in die Reste der Felsnase am Neuburger Arco-Schlösschen getrieben. Sie sollen das finale Fangnetz halten. Foto: Tamm

Neuburg – Wer den Felsen unterhalb des Arco-Schlösschens meint, der spricht in Neuburg gerne von der „Felsnase“. Rainer Bierwagen steht am Donnerstagmorgen eben dort an der Donau. Ob der Chef der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft (GeWo) auch gerne von der Felsnase spricht, lässt sich nicht sagen. Sicher ist, dass ihm diese Formation seit mehr als drei Jahren Kopfzerbrechen bereitet – und schon jede Menge Geld verschlungen hat.

Aber er sieht Licht am Ende des Tunnels. Denn derzeit laufen die finalen Arbeiten, mit denen dieses Gebilde endgültig gesichert werden soll. Und diese Arbeiten haben es in sich: Der teils auch als „Mausoleum“ titulierte Bereich wurde weitgehend abgetragen. Und nun soll – wie früher schon einmal – ein Fangnetz angebracht werden, welches vielleicht doch noch herabfallende Steine auffangen und dem Ganzen weitere Stabilität geben soll.

„Insgesamt werden es dann 43 Nägel sein, die das neue Netz halten“, erklärt Bierwagen, im strömenden Regen stehend, während er auf die blau markierten Bohrpunkte überall an der Felswand deutet. Ungefähr noch zwei Wochen werde es dauern, so Bierwagen, bis das Netz angebracht werden kann. Wenn alles fertig ist, muss das Ganze noch von einem Geologen freigegeben werden. „Und wenn hoffentlich alles passt, können wir den Weg vielleicht noch vor Weihnachten wieder freigeben.“

Das wäre dann das Ende einer seit Herbst 2019 andauernden Episode, auf die Bierwagen und die GeWo als die Eigentümerin des Schlösschens sowie der darunter liegenden Grotte sicher hätten verzichten können. Damals wurde aufgrund einzelner Abbrüche vermutet, dass irgendwas nicht stimmen könnte. Und tatsächlich: Ein geologisches Gutachten wurde bemüht. Und dieses schloss die Gefahr eines Steinschlags oder gar eines teilweisen Abbruchs der Felsnase nicht aus. Für die Gesellschaft und die Stadt natürlich ein Risiko. Also begannen die Arbeiten. Erst wurde alles sicherheitshalber abgesperrt, später abgesichert. Das erste Fangnetz wurde installiert, um die Felsnase für Fußgänger ungefährlich zu machen. Die gingen hier freilich dennoch gerne spazieren. Schließlich wurde die Felsnase gesprengt – natürlich samt des ersten Netzes. Um die Stadt juristisch abzusichern, tauchten plötzlich Warnschilder auf – ein Steinschlagsymbol, untertitelt mit „Betreten und Befahren auf eigene Gefahr“.

Nun also weiterer Abtrag sowie ein neues, dann endgültiges Netz zur Absicherung. Die GeWo hat das alles nicht nur Nerven, sondern auch Geld gekostet, das man laut Bierwagen besser hätte einsetzen können. Er zählt auf: Das erste Netz und die Sprengung gut 50000 Euro. Neues Netz rund 40000 Euro. Abbrucharbeiten knapp 30000 Euro. Dazu kommen noch weitere Nebenkosten, etwa für die eingeholte Expertise eines Fledermausexperten. Zudem stehen noch Folgearbeiten an. So soll aus Geröll eine Aufschüttung an der Donau entstehen, in der sich allerhand „Kleingetier“ wohlfühlen soll.

Und wie geht es generell weiter mit dem Areal? Schließlich ist es einer der exponiertesten Plätze der Kreisstadt. Der Blick die Donau hinauf auf das Neuburger Schloss fasziniert die Menschen seit Jahrzehnten. „Wir wollen diese Ruhestätte auf jeden Fall erhalten und wieder herrichten“, sagt Bernhard Mahler an Ort und Stelle. Der Sprecher der Stadt betont, man sei dazu auch in Abstimmung mit den Fischergasslern und dem Historischen Verein Neuburg, „ehrwürdige Vereine“.

Das in den kommenden Wochen angebrachte neue Netz werde den Ort indes nicht lange Stören, ist sich Mahler sicher. Der Efeu, der sich um den Felsen rankt, werde es sicher bald verdecken.

DK