Neuburg

Innenstadt-Serie: „Der Versandhandel ist der größte Feind“

AUF EINEN RATSCH MIT: Bernhard Gmehling, Oberbürgermeister der Stadt Neuburg

13.08.2022 | Stand 13.08.2022, 15:23 Uhr

Kurz nach der Aufnahme von Oberbürgermeister Bernhard Gmehling auf dem Ratschbankerl war der Gehsteig unter der Bank schon weg. Bei der Baustelle in der Schmidstraße geht es momentan rasch voran. Foto: Stark

Von Thorsten Stark

Neuburg – In der vergangenen Woche ist Bernhard Gmehling jeden Abend im Biergarten gewesen – und hat es sehr genossen. Der Neuburger Oberbürgermeister liebt es auch, draußen im Café zu sitzen. „Aber so gerne ich das tue: Nur mit Außengastronomie und Eisdielen wird die Innenstadt nicht überleben“, sagt Gmehling. Es brauche unbedingt den Einzelhandel.



Doch um den attraktiv zu halten, brauche es auch die richtigen Rahmenbedingungen. „Und ich glaube, dass wir mit unserem Konzept den richtigen Weg eingeschlagen haben“, sagt der 62-Jährige.

Mit dem Konzept meint er die Entscheidung zur Umgestaltung von Schmidstraße, Färberstraße und Rosenstraße hin zu einer Fläche, in der Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer gleichberechtigt sind, auf der es Platz zum Verweilen und nach wie vor Parkplätze gibt, die aber auch durch eingebaute versenkbare Poller in eine Fußgängerzone auf Zeit verwandelt werden kann. Für Veranstaltungen wie die lange Einkaufsnacht „Neuburg leuchtet“, die in diesem Jahr am 16. September stattfindet und bis 22 Uhr geht, könne man die Poller hochfahren, sagt Gmehling. Danach sollten sie aus seiner Sicht aber wieder runter. „Die Einzelhändler sind darauf angewiesen, dass die Kunden in die Innenstadt können.“ Und er meint: mit dem Auto.

Er selbst fahre oft mit dem Fahrrad von seinem Wohnort im Ortsteil Laisacker in die Innenstadt, doch den Wocheneinkauf am Samstag – Getränkemarkt, Supermarkt, Metzger, Bäcker und Wochenmarkt – erledige er mit dem Auto. „Hier habe ich die Möglichkeit, alle Geschäfte schnell anzufahren. Denn bei mir spielt der Faktor Zeit eine große Rolle – der Einkauf muss in eineinhalb Stunden erledigt sein.“ Schließlich hat ein Oberbürgermeister auch am Wochenende einige Termine.

Wenn er mit dem Auto nicht mehr in unmittelbarer Nähe der drei Innenstadtstraßen parken könnte, wüsste er nicht, ob er dann jedes Mal zum Familieneinkauf herfahren würde, sagt Gmehling. Und so gehe es einigen. Doch so, wie es ist, gefällt ihm die Innenstadt. „Kauf in deiner Stadt, die alles hat“, so laute nicht ohne Grund das Motto des Stadtmarketings, sagt der Oberbürgermeister. Doch dieses Angebot sieht er massiv gefährdet. „Der Versandhandel ist der größte Feind des Einzelhandels in der Innenstadt. Der zerstört all unsere kleinteiligen Strukturen“, sagt Gmehling. Ökonomisch und ökologisch sei diese Entwicklung fatal – größtenteils hervorgerufen durch die Bequemlichkeit der Menschen, findet Gmehling.

Er selbst habe bisher nur einmal etwas im Internet bestellt – einen Taucheranzug für das Donauschwimmen, den er bei Ebay ergattert hat. „Das war vor 18 Jahren. Den gab es nirgendwo in Neuburg, also hat mir ein Nachbar geholfen, den auf Ebay zu bestellen“, erzählt der OB. 110 Euro habe er damals gezahlt – und der Anzug hält immer noch. „Seit zwei Jahren liegt er allerdings ungenutzt auf dem Speicher“, sagt Gmehling bedauernd. Wegen Corona musste die weit über die Grenzen Neuburgs hinaus bekannte Großveranstaltung Ende Januar abgesagt werden. Im Herbst entscheidet sich, wie es im kommenden Januar aussieht. „Wenn das Hallenbad nicht geöffnet ist, wird es auch kein Donauschwimmen geben“, sagt Gmehling. Denn dort ziehen sich die Schwimmer immer um. Am 20. September wird der Werkausschuss des Stadtrats in einer Sondersitzung über das Thema Hallenbadschließung diskutieren.

Doch auch ohne Donauschwimmen ist Neuburg für den gebürtigen Beilngrieser, der als Zehnjähriger nach Neuburg kam, sehr attraktiv. „Wir haben hier eine sensationell hohe Lebensqualität, extrem kurze Wege, eine ganze Reihe hervorragender Metzger und Bäcker, den Wochenmarkt und jede Menge Freizeitmöglichkeiten. Hier lebt man gern, hier wohnt man gern und hier arbeitet man gern.“

DK