Neuburg

Berlin Comedian Harmonists mit „Atemlos“ vor vollem Haus im Stadttheater

25.01.2023 | Stand 25.01.2023, 17:23 Uhr

Damit Nikolai Orloff nicht immer so allein ist, gesellen sich die fünf Sänger der Berlin Comedian Harmonists auch mal um das Piano. V.l.: Holger Orff (1. Tenor), Nikolai Orloff (Klavier), Olaf Druscke (1. Bariton), Norbert Kohler (2. Tenor), Ulrich Bildstein (2. Bariton), Wolfgang Höltzel (Bass). Foto: Budke

Von Heidrun Budke

Charmant, frech witzig, romantisch, verträumt und auch mal etwas melancholisch – so präsentierten sich die Berlin Comedian Harmonists mit ihrem abwechslungsreichen Programm am Dienstagabend im ausverkauften Neuburger Stadttheater. Der lang anhaltende Applaus der begeisterten Zuschauer motivierte die fünf Sänger und den Pianisten zu mehreren Zugaben.

Sie fackeln nicht lange, die Berlin Comedian Harmonists und starten ihren Auftritt gleich mit einem der wohl bekanntesten Liedern ihrer großen Vorbilder: „Veronika, der Lenz ist da“ singen sie in fröhlich frecher Marnier und haben damit das Publikum von den ersten Tönen an ganz auf ihrer Seite. Mit „Schatz, bist du aus Spanien“, folgt der nächste Hit und die Sänger zeigen, was sie allein mit ihren Stimmen und der passenden, Harmonists-typischen Mimik ausdrücken können.

So könnte es weitergehen, den ganzen Abend lang, doch der Tenor Holger Off verkündet: „Die Original Comedian Harmonists verabschiedeten das Publikum immer mit dem Lied „Auf Wiedersehen“ – diese Tradition möchten wir fortführen, liebes Publikum in Neuburg.“ Tatsächlich singen sie dann jenes Stück und in den Zuschauer-Reihen sind manch fragende Blicke zu sehen – klar, das kann es nicht gewesen sein. Aber spannend ist es nun doch, wie es weitergehen wird, als die sechs Musiker die Bühne verlassen und das Licht ausgeht.

Neue App misst die Stimmung

Als es ein paar Augenblicke später wieder hell wird, sind die Zuschauer Zeugen einer Szene in der Garderobe der Harmonists: Sie reden über das Publikum und über ihren soeben absolvierten Auftritt. Als dabei Uneinigkeit aufkommt, präsentiert Pianist Nikolai Orloff seine neueste App: Das „Modometer“ misst die Stimmung und weil es jetzt rot leuchtet, muss diese gehoben werden. Wie machen das Sänger am besten? Natürlich in dem sie ein Lied singen. „Mein kleiner grüner Kaktus“ bringt das gewünschte Ergebnis, auch beim ohnehin gutgelaunten Publikum.

Pianist Orloff beendet die gesellige Runde: „Ich muss mich noch in Schale werfen – ich habe noch ein Interview mit dem Donaukurier“, teilt er seinen Kollegen mit, die über diese „Extrawurst“ nicht wirklich begeistert sind. Auch einen Titel für den Artikel sieht Orloff schon vor Augen: „Der einsame Mann am Klavier“. Zwar findet das Interview nicht statt, dafür entdecken die sechs Berlin Comedian Harmonists einen Blumenstrauß samt Karte auf der Bühne. Dies gibt dem Programm den roten Faden: Jeder der sechs Musiker hat eine eigene Idee, von wem der Strauß stammen könnte und jeder fasst diese in eine eigene Komposition.

So entsteht ein Abend voller abwechslungsreicher Lieder: Mal geht es um die aus den Augen verlorenen Liebe, dann um die reiche Erbtante oder um den Hamster Pete, der nach Amsterdam will. Ein bisschen feiern die Berlin Comedian Harmonists sich mit ihrem aktuellen Programm selbst, denn immerhin stehen sie seit mehr als 20 Jahren – wenn auch inzwischen nicht mehr in der Erstbesetzung – gemeinsam auf den Bühnen „.von der Südsee bis Spitzbergen – es ist Familie geworden.“

Haben sie in der ersten Programmhälfte die Comedian Harmonists und damit den Zeitgeist der 20er Jahre auferstehen lassen, wollen sie nach der Pause erstmal ein Eis. Tatsächlich wissen sie, dass man in Neuburg im Sommer am Brandlbad Schlange steht – die kleinen Assoziationen zu lokalen Gegebenheiten machen dem Publikum Spaß. Es geht modern weiter, „Love, love, love“ von den Beatles kommt beim Publikum sehr gut an und die „Atemlos“-Adaption, die dem aktuellen Programm ihren Namen gibt, bringt das Publikum zum Schmunzeln.

Richtig ausgelassen werden die Berlin Comedian Harmonists bei ihrer Version von „Hotel California“ – bei dem wie im Original echt langen Intro rätseln manche Zuhörer noch, um welchen Song es sich handelt, doch dann wird alles klar. Die Harmonists-spezielle Übersetzung auf Deutsch ist einfach toll und bei ihrer Luftgitarren-Performance sind die Sänger kaum zu bremsen.

Nicht nur die Zuschauer haben Spaß

Das macht den ganzen Abend überhaupt so gelungen: Nicht nur die Zuschauer haben Spaß, sondern die Berlin Comedian Harmonists bringen nach so vielen Bühnenjahren noch immer die Begeisterung für diese besondere Art der Musik auf die Bühne. Dass sie beeindruckende Sänger sind und ihr Pianist ein zentraler Faktor beim Gelingen ihres Auftritts ist, das braucht man nicht betonen. Was die Zuschauer mitreißt, das ist wohl auch die Freude, die das Ensemble ausstrahlt und die Leichtigkeit, mit der sie in die Welt ihrer Musik entführen. So ist es verständlich, dass das Publikum die Berlin Comedian Harmonists kaum gehen lassen möchte und so lang klatscht, wie es nur geht.

DK