Eichstätt

„Wir sind noch eine Volkskirche“

Erzbischof Bonaventure Nahimana aus der Partnerdiözese in Burundi besucht Eichstätt

22.09.2022 | Stand 22.09.2022, 12:00 Uhr

Beim Friedensgebet auf dem Eichstätter Residenzplatz, das wieder regelmäßig am Mittwochabend stattfindet (von links): Jean Marie Kazitonda, Pfarrer in Hepberg und Übersetzer, Dompfarrer Josef Blomenhofer, Erzbischof Bonaventure Nahimana, Oberbürgermeister Josef Grienberger, Martin Schuler von der evangelischen Pfarrei und Gerhard Rott, Leiter des Referats Weltkirche. Foto: Pfaller-Rott

Von Angela Wermter

Eichstätt – Bonaventure Nahimana fühlt sich im Bistum Eichstätt fast wie zuhause, so sagt er zumindest. Der Erzbischof von Gitega in Burundi ist auf „Antrittsbesuch“ in der Partnerdiözese Eichstätt. Er war erst im April in das Amt des Erzbischofs in der Hauptstadt des ostafrikanischen Binnenstaates eingeführt worden. Nach Gesprächen mit Bischof Gregor Maria Hanke und mehreren persönlichen Treffen in einigen Pfarreien und Einrichtungen ist er positiv überrascht über den durchweg aufgeschlossenen, freundschaftlichen Empfang: „Erstaunlich viele Menschen hier wissen von der engen Partnerschaft mit Gitega. Und mit vielen gibt es auch gute Kontakte.“ Etwa mit der Realschule Maria Ward in Rebdorf, die Partner einer Gehörlosenschule in Burundi ist.

Dem Erzbischof liegt sehr daran, die seit 1975 bestehende Partnerschaft weiter zu vertiefen. Konkrete Projekte verfolgt er derzeit nicht. Das bisherige Engagement der Eichstätter konzentriert sich auf die Förderung verschiedener Baumaßnahmen, etwa von Kirchen, Gemeindezentren und Bildungseinrichtungen. Dazu gehört auch ein Sozial- und Pastoralzentrum in Bugendana. Nicht zu unterschätzen ist auch der Wert der Stipendien, mit denen Eichstätt burundische Studenten unterstützt.

Dem 62-Jährigen schwebt jetzt aber ein präziseres, umfassenderes Vertragswerk über die Basis der Zusammenarbeit in der Partnerschaft vor. Keine leichte Aufgabe, die aber von Arbeitsgruppen in Angriff genommen werden soll. Wenngleich, wie Gerhard Rott, Leiter des Weltkirchenreferats des Bistums Eichstätt, betont, „sehr wohl für die Einzelprojekte vertragliche Regelungen und konkrete Vereinbarungen bestehen“. Rott selbst war bereits mehrfach in Gitega und kennt Situation und Programme in der Partnerdiözese. Mit Blick auf das bald 50-jährige Bestehen der Partnerschaft gebe es aber durchaus eine Gelegenheit, die Strukturen durchzusehen.

Zuversichtlich beurteilt Nahimana indes die politische Zukunft seiner Heimat – nach bitteren Jahren eines ethnisch belasteten Bürgerkriegs. „Das Arusha-Abkommen der Bürgerkriegsparteien, das im Jahr 2000 unterzeichnet wurde, war schließlich ausschlaggebend für den Frieden“, sagt der Erzbischof. Nach Wahlen gebe es jetzt politische Stabilität, trotz der konfliktbeladenen Geschichte des Landes. Allerdings: „Jahrelange UN-Sanktionen haben den Burundern schwer zugesetzt.“ Er spricht von „dramatischer Verarmung“, von der natürlich auch die Katholiken in der Erzdiözese betroffen seien.

Was nun die Entwicklung der katholischen Kirche in seinen Pfarreien angeht, darf der Erzbischof durchaus Optimismus zeigen. „Es gibt heute einen viel stärkeren Bezug zur Kirche als noch vor 50 Jahren“, stellt er fest.

Es habe sich eine starke Gemeinschaft entwickelt. Kirchenaustritte wie in Deutschland, in Europa spielten in Burundi keine Rolle. „Ganz im Gegenteil.“ Seinen Angaben zufolge sind die Pfarreien feste, verlässliche Einrichtungen in den Gemeinden. Der Kirche kommt eine starke soziale Rolle zu. Gerade auch bei der schulischen Ausbildung und im Gesundheitswesen. Das gesellschaftliche Gewicht ist nicht zu übersehen. „Die Nachfrage nach einem Platz an Schulen in katholischer Trägerschaft ist anhaltend hoch. Egal welcher Konfession die Familie angehört. Auch Muslime gehören zu den Bewerbern“, betont Nahimana. „Die Ausbildung an katholischen Schulen punktet mit Qualität.“ Von Ressentiments gegenüber Christen oder Verfolgung kann keine Rede sein.

Und kirchliche Nachwuchssorgen sind Nahimana auch fremd. Er erzählt vielmehr von engagierten Jugendlichen und einem erfolgreichen Jugendtag, zu dem Besucher aus dem ganzen Land kamen. „Wir sind noch eine Volkskirche“, hält der Erzbischof aus Burundi fest.

EK