Eichstätt

Gemeinsam in die Klimaneutralität

Die Kommunen im Landkreis sind am Zug: Energienutzungsplan im Umweltausschuss vorgestellt

09.06.2022 | Stand 09.06.2022, 19:03 Uhr

Der Wind dreht sich: Unter anderem mit Windrädern, wie hier bei Mantlach, möchte sich der Landkreis mit Energie versorgen. Foto: Bader

Von Angela Wermter

Eichstätt – „Gemeinsam“ – auf diese Maxime setzt Landrat Alexander Anetsberger, nachdem Markus Brautsch, Professor am Institut für Energietechnik (IfE) an der Technischen Hochschule Amberg-Weiden, die Ergebnisse des digitalen Energienutzungsplans für den Landkreis Eichstätt auf der Sitzung des Ausschusses für Natur und Umwelt vorgestellt hat. Die Thematik ist komplex, und das Ziel, das im Landratsamt ausgegeben ist, ist konsequent an Energieeinsparung und Steigerung der erneuerbaren Energien im Landkreis ausgerichtet. „Wir haben den Ehrgeiz, zu 100 Prozent eine Versorgung mit regenerativer Energie zu erreichen“, sagt Anetsberger und weist auch darauf hin, dass diese Vorgabe bereits bei seinem Vorgänger im Amt auf der Prioritätenliste stand.

Der Brautsch-Energiennutzungsplan sollte nun den Ist-Stand im Landkreis spiegeln. „Wir wollen wissen, wo wir stehen.“ Wobei für Anetsberger für die weitere Planung nicht so sehr der Zeitpunkt im Fokus steht – das EEG (Gesetz zur Förderung und Marktintegration von Strom aus erneuerbaren Energien) sieht etwa für 2040 einen Anteil von 65 Prozent vor – „Hauptsache ist, dass wir die Klimaneutralität früher oder später erreichen“.

Der detailgenaue digitale Energienutzungsplan, den Brautsch vorstellt – der Abschlussbericht soll bis Mitte Juli fertig sein – , geht ausführlich auf den Ist-Zustand ein und führt zu Schwerpunktprojekten für die Zukunft. Auch Brautsch betont den hohen Stellenwert der Zusammenarbeit jeder der 30 Gemeinden. „Auf diese Weise konnten wir für jede Kommune einen individuellen ,Steckbrief‘ erarbeiten und auf einer sehr guten Datengrundlage aufbauen.“

Hilfreiche Bilanz für die Kommunen

Ermittelt wurde eine kommunale Gesamtenergiebilanz auf der Basis von Wärme, Strom und erneuerbaren Energien – aufgelistet nach privaten Haushalten, kommunalen Liegenschaften und Wirtschaft. Die Raffinerie Gunvor wurde nicht erfasst, weil dieser große Einzelverbraucher das Gesamtergebnis stark verzerrt hätte.

So errechnet die Studie einen Gesamtstromverbrauch ohne Heizstrom – die Daten beziehen sich auf das Jahr 2019 – von 648,3 Millionen kWh/a. Davon flossen 23 Prozent in private Haushalte, 2 Prozent in kommunale Einrichtungen und 75 Prozent in Gewerbe und Industrie. Dem gegenüber steht die Stromerzeugung, die mit 556,1 Millionen kWh/a angegeben wird. 187,9 Millionen kWh/a speisten sich aus Photovoltaik und 220,1 Millionen kW/a aus Windkraft. Der bilanzielle Deckungsgrad, Stand 2019 (ohne Heizstrom), liegt den Angaben zufolge bei 86 Prozent. Wobei, so Brautsch, anzunehmen ist, dass bei der elektrischen Energieversorgung durch erneuerbare Energien der Satz im Jahr 2022 vermutlich bei 100 Prozent liegt. „Der Landkreis Eichstätt steht exzellent da“, so Brautsch. Bei Windkraft und Photovoltaik sei der Landkreis auf einem guten Weg. In der Energiebilanz, basierend auf Energieträgern für Wärme und Strom, ist allerdings festzuhalten, dass Heizöl und Erdgas – also fossile Brennstoffe – die Hauptrolle spielen, stark nachgefragt ist auch Holz.

Hoher Privatverbrauch bei thermischer Energie

Für den thermischen Energieverbrauch, also den Brennstoffverbrauch einer Heizungsanlage, ergibt sich ein Wert von 2,07 Milliarden kWh/a. 51 Prozent brauchten private Haushalte, Gewerbe und Industrie liegen bei 48 Prozent, kommunale Liegenschaften bei 1 Prozent. Der hohe Anteil der privaten Verbraucher beim Wärmeverbrauch lässt Rückschlüsse auf den Sanierungsbedarf zu. „Etwa zwei Prozent der Privathäuser müssten für eine gelingende Klimaneutralität saniert werden“, schätzt Anne Fröhlich, die Koordinatorin für Klimaschutz und Nachhaltigkeit in Landkreis. Sie empfiehlt Hausbesitzern auch, sich von Handwerkern oder Energiefachleuten beraten zu lassen.

Generell wären mehr Wärmepumpen und Solardächer da ein sinnvoller Weg zur besseren Klimabilanz. Auch wenn dadurch der ohnehin zunehmende Stromverbrauch steigt: In Sachen Stromerzeugung stehe der Landkreis ja bestens da.

Dass der Straßenverkehr bei der Klimabilanz ein weiteres Sorgenkind ist, versteht sich von selbst. Gerade in einem weitflächigen Gebiet wie dem Landkreis ist die Mobilität häufig mit individueller Fortbewegung verbunden. Brautsch setzt dabei auf die Autohersteller. Er geht davon aus, dass bis 2040 etwa 88 Prozent über E-Mobilität oder Wasserstoffantrieb die CO2-Emissionen nachhaltig gesenkt werden können.

Wichtig auf dem Weg in die Klimaneutralität ist für den Wissenschaftler ein Mix aus erneuerbaren Energien: „Mehr Aufbau-Photovoltaik und Solarthermie, mehr Freiflächen-Photovoltaik, mehr Windkraft, mehr Biogas-Nutzung, mehr Wasserkraft, mehr Umweltwärme und mehr Nutzung von Biomasse“, schlägt Brautsch vor.

VerändertesLandschaftsbild

Dass der Transformationsprozess zugunsten des Klimas auch die gewohnte Optik von Natur und Gemeinden ändern wird, steht fest. Denn um erneuerbare Energien tatsächlich auch entsprechend nutzen zu können, braucht es laut Brautsch auch eine andere Infrastruktur. Heißt: mehr Ladesäulen, mehr Umspannwerke und den Ausbau der Verteilernetze.

Kommunikationswege

Der umfassende digitale Energienutzungsplan des IfE wird nun Thema in den einzelnen Landkreisgemeinden. Punktgenau hat IfE-Leiter Markus Brautsch die Energiebilanz für jede einzelne Kommune analysiert. „Diese Tools werden den Gemeinden zur Verfügung gestellt“, sagt Anne Fröhlich, die Nachhaltigkeitsbeauftragte des Landratsamtes. „Anhand der IfE-Berechnungen kann jetzt ganz individuell über den weiteren Weg in Sachen Klimaneutralität entschieden werden.“

Sie empfiehlt, ein Klimaschutznetzwerk zu bilden. Der Austausch der Gemeinden untereinander und eine breit angelegte Kommunikation über die Themen seien sinnvoll. Informationen über mögliche staatliche Fördermaßnahmen kämen dann allen zugute.

Eine weitere Gelegenheit für Gespräche bieten auch die „Bürgermeisterbesprechungen“, bei der die verantwortlichen Politiker sich über die Situation in ihren Gemeinden austauschen können.

EK