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Vom Kriegsversehrten- zum Sportverein

Ingolstadt
erstellt am 08.09.2017 um 23:12 Uhr
aktualisiert am 25.09.2017 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (koi) Der BVSV Ingolstadt bietet verschiedene Sportarten für Menschen mit Handicap an, darunter Schwimmen und Wassergymnastik, Tischtennis, Wintersport und Kegeln. Seit Kurzem im Programm sind auch Selbstverteidigungskurse für Jugendliche mit Behinderung. "Menschen, die beispielsweise im Rollstuhl sitzen, sind für Gewaltsuchende oft ein leichtes Opfer", sagt der 1. Vorstand des Vereins, Gerhard Gmeiner.
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Gmeiners heute 29-jähriger Sohn Andreas kam mit einer angeborenen Querschnittslähmung auf die Welt. "Er wollte dennoch Sport treiben, und ich wollte ihn natürlich unterstützen", erinnert er sich. Anfang der 90er-Jahre wurde er schließlich auf den BVSV aufmerksam, weil dieser Schwimmkurse für körperbehinderte Menschen anbot. Seitdem engagiert sich Gmeiner im Verein, mittlerweile steht er seit 16 Jahren an der Spitze.

Aktuell hat der BVSV etwa 200 Mitglieder. Aushängeschild des Vereins ist die Rollstuhlbasketball-Mannschaft. Seit 1989 bietet der BVSV die Sportart an, zwischenzeitlich stieg das Team bis in die Regionalliga auf, die dritthöchste deutsche Spielklasse. 2010 musste der Liga-Betrieb aufgrund mangelnden Personals eingestellt werden, seit der Saison 2014/15 sind die "Westpark Wheelys" aber wieder am Ball - und wollen in der kommenden Saison in der Landesliga um die Spitzenplätze mitspielen.

Gegründet wurde der BVSV im Juli 1957. "Nach dem Kriegsende war Sport für Menschen mit einer Behinderung, damals vorwiegend durch Kriegsverletzungen verursacht, in einem ,normalen? Sportverein undenkbar", berichtet Gmeiner. "Aber auch diese Kriegsversehrten wollten mehr als nur gemeinsame Treffen. So entstand die Idee, sich ebenfalls im Sport zu messen."

Im Laufe der Jahre verzeichneten einige Athleten des Vereins beachtenswerte Erfolge. So gewann beispielsweise Schwimmer Peter Wiedemann 1984 bei den Paralympischen Spielen im britischen Stoke Mandeville Gold. Tischtennisspieler Erwin König holte vier Jahre später im koreanischen Seoul den Olympiasieg mit der Mannschaft. Hannelore Schmidt gewann 1997 und 1999 den deutschen Meistertitel im Kegeln.

An diesem Wochenende feiert der BVSV, der auch für Menschen ohne Behinderung offen ist, sein 60-jähriges Bestehen. Am Samstag finden in den Sporthallen der BSA Süd-West ab 9.30 Uhr ein Rollstuhlbasketballturnier sowie ab 10 Uhr ein Tischtennisturnier statt. Am Sonntag gibt es unter anderem eine Selbstverteidigungsvorführung um 12 Uhr. Das Programm und aktuelle Informationen gibt es im Internet unter www.bvsv-ingolstadt.de.

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