Für den FC Ingolstadt dürfte es somit immer schwerer werden, sich gegen das Image eines Werksklubs zu wehren. Im Gespräch mit unserem Redakteur Norbert Roth nimmt Jackwerth zu den Beweggründen für den Verkauf seiner Anteile Stellung und äußert sich auch zur jüngsten sportlichen Entwicklung.

Herr Jackwerth, hinter den Kulissen hat es zuletzt Veränderungen gegeben. So ist der angekündigte Verkauf der Stadionbetreiber GmbH an Audi inzwischen komplett vollzogen. Weshalb haben Sie sich dazu entschieden?

Jackwerth: Im Grunde war da nichts zu verkaufen. Zu meiner Zeit hatte die GmbH durch den Stadionbau 25 Millionen Euro Schulden. Durch den Verkauf haben wir jetzt unsere Unkosten wieder reinbekommen, mehr nicht. Der Vorteil für den Verein besteht nun aber darin, dass Audi das Darlehen der Stadt abgelöst hat und der Klub somit geringere Zinsen zahlen muss. Außerdem wären die Erweiterungen – allein das neue Funktionsgebäude kostet wohl um die sieben Millionen Euro – für uns nicht mehr zu stemmen gewesen.

Darüber hinaus haben Sie auch Ihren 19-prozentigen Anteil an der Fußball GmbH für geschätzte 500 000 Euro ebenfalls an Audi, genauer an die quattro GmbH verkauft.

Jackwerth: Das stimmt so nicht.

Das Handelsregister weist die Firma in Neckarsulm aber als neuen Gesellschafter aus.

Jackwerth: Ja. Aber der Kaufpreis lag – ganz genau weiß ich es gar nicht mehr – bei etwa 50 000 Euro.

Warum haben Sie verkauft?

Jackwerth: Auf diese Art bindet man einen Hauptsponsor an den Verein, schließlich streben wir mit Audi eine längerfristige Partnerschaft an. Ich habe die Anteile nie gehabt, um damit Geld zu verdienen, weshalb ich diese letztendlich auch für einen Apfel und ein Ei verkauft habe. Audi hat in den vergangenen Jahren so viel für den Verein getan wie es mir niemals möglich gewesen wäre. Deshalb ist es nur korrekt, dass Audi jetzt auch meine Anteile übernimmt.

Die Wirkung dieses Verkaufes ist vorhersehbar: Beobachter werden sich bestätigt fühlen, dass der FC Ingolstadt nun zu einem klassischen Werksklub wird?

Jackwerth: Das ist grundsätzlich falsch, weil das in Deutschland faktisch gar nicht möglich ist. Wichtig ist, dass der Verein weiterhin mit 50,1 Prozent die Stimmrechts-Mehrheit hält. Egal ob Audi 19 oder hundert Prozent der Anteile kauft, für den Klub ändert sich nichts. Die DFL-Statuten geben ja über die 50+1-Regel vor, dass die Mitgliederversammlung die Mehrheit halten muss. Ausschlaggebend bleibt also der gewählte Vorstand, der ja auch komplett im Aufsichtsrat sitzt. Dort werden die Weichen gestellt.

Im sechsköpfigen Aufsichtsrat der Fußball GmbH sitzen allerdings eine ganze Reihe Mitglieder, die dem Hauptsponsor nahe stehen.

Jackwerth: Der Aufsichtsrat ist ausgewogen besetzt. Dort dürfen laut DFL-Statuten ja auch nicht mehr als drei Vertreter aus dem Konzern sitzen. Kommt es hier zu einer Pattsituation, entscheidet automatisch die Gesellschafterversammlung – und da hat, wie gesagt, der Verein die Mehrheit. Weil der in der Gesellschafterversammlung 50 Prozent plus eine Stimme hält, kann er theoretisch auch die Aufsichtsräte absetzen.

Würden Sie eine Lockerung der 50+1-Regel befürworten?

Jackwerth: Ich finde es grundsätzlich okay, dass wir aus einem Verein kein Wirtschaftsunternehmen mit bezahlter Führung machen können. Nach aktuellem Stand ist ein gewählter Vorstand für zwei Jahre verantwortlich, weshalb ich die 50+1-Regel grundsätzlich positiv sehe.

Aus dem Verkauf Ihrer Anteile könnte man schließen, dass Sie amtsmüde werden. Ist das so?

Jackwerth: Überhaupt nicht. Ich war noch nie so agil wie jetzt und habe mit dem Verein noch einiges vor. Zunächst einmal geht es darum, wieder den Klassenerhalt zu schaffen. Langfristig möchte ich weiterhin für Ingolstadt und die Region noch einiges aufbauen.

Sie haben vor wenigen Tagen selbst wieder in den sportlichen Bereich eingegriffen und eine Ansprache an die Mannschaft gehalten. Worum ging es?

Jackwerth: Ich habe den Spielern gesagt: Wenn es Leute gibt, die nicht mit Herzblut für diesen Verein spielen, sollen sie woanders hingehen. Ich will Leidenschaft sehen und nicht nur pflichtbewusste Angestellte, die ihr Ding abarbeiten. Wir brauchen Spieler, die für diesen Verein spielen wollen, anders funktioniert es nicht.

Hatten Sie zuletzt das Gefühl, dass die Typen fehlten?

Jackwerth: Nein, hatte ich nicht. Aber ich hatte das Gefühl, dass sich Typen nicht richtig entwickeln konnten. Es muss auch mal die Möglichkeit geben, dass Spieler ihre Meinung kundtun, ohne dass sie Angst vor Sanktionen haben müssen.

Ist das ein Vorwurf an den ehemaligen Trainer Marco Kurz?

Jackwerth: Nein, das ist eher eine Geschichte aus dem letzten Jahr.

Was hätte Marco Kurz denn anders machen müssen?

Jackwerth: Wenig. Wenn man ihm überhaupt etwas vorwerfen kann, dann ist es wohl am ehesten das fehlende Glück.

Bei der Trainersuche ist unter anderem der Name Lothar Matthäus gefallen. Dennoch hat sich der Aufsichtsrat einstimmig für Ralph Hasenhüttl entschieden. Wollte man eher eine bodenständige Lösung?

Jackwerth: Zunächst einmal: Lothar Matthäus war in den Gazetten ein Thema, aber nie bei uns. Wir hatten eine ganz andere Auswahl, weil wir denken, dass wir jetzt die Ärmel hochkrempeln müssen. Ralph Hasenhüttl war in Aalen erfolgreich und hat zugleich begeistert. Er ist ein offener Typ – gegenüber den Fans, gegenüber den Medien – genau das braucht der Verein.

Hasenhüttl ist der siebte Trainer in den letzten fünfeinhalb Jahren. Muss sich der Klub Sorgen um sein Image machen?

Jackwerth: Glaube ich nicht. Es gibt so Phasen, die hat es bei anderen Klubs auch gegeben. Wichtig ist, dass der Trainer die Mannschaft erreicht. Schafft er das nicht, bleibt der Erfolg aus und der Trainer muss gehen. So ist das nun mal.