Hauch von spanischer Wärme

Herbstkonzert des Ingolstädter Kammerorchesters im Festsaal

07.11.2022 | Stand 01.12.2022, 9:02 Uhr

Meisterhaftes Herbstkonzert: Das IKO trat gemeinsam mit der Sopranistin Claudia Bauer im Festsaal in Ingolstadt auf. Foto: Luff

Von Robert Luff

Ingolstadt – „Besame mucho“ – „Küss mich ganz fest!“ Unter diesem Motto stand das diesjährige Herbstkonzert des Ingolstädter Kammerorchesters, das erstmals seit 2019 wieder in voller sinfonischer Besetzung stattfinden konnte. Als Solistin trat die vielumjubelte Sopranistin Claudia Bauer vom Landestheater Niederbayern auf. Unter dem gewohnt professionell agierenden Dirigenten Klaus Hoffmann entfachten die Musiker ein wahres Feuerwerk aus Flamenco, Sangria, Amor und Stierkampf und zauberten so spanische Sonne in die Ingolstädter Novembertristesse.

Bereits die weltbekannte Ouvertüre von Georges Bizets Oper „Carmen“ riss das Publikum sofort mit und entführte es nach Sevilla, wobei die behutsam einsetzenden Streichtöne des Nebenthemas den anschließenden glanzvollen Torerokampf im Hauptthema umso wirkungsvoller vorbereiteten. Danach erklang erstmals Claudia Bauers raumfüllender Sopran in der berühmten „Habanera“, jener Arie der feurigen Zigeunerin Carmen, mit der sie den Liebesbeteuerungen ihrer vielen Verehrer gleichgültig und schnippisch begegnet: „L’amour est un oiseau rebelle que nul ne peut apprivoiser“ – „Die Liebe ist ein rebellischer Vogel, den niemand zähmen kann“, ertönte die glasklare und sich leichtfüßig in die höchsten Töne aufschwingende Stimme der Sopranistin. Das Orchester hielt sich souverän in der Begleitung zurück, akzentuierte jedoch an Schlüsselstellen die Wirkung der wunderbaren Sopranstimme.

Das „Intermezzo“ aus Bizets „Carmen“ rundete den Vortrag der ersten drei Stücke dann mit zarten Harfenklängen und einer intimen Flötenlinie ab, die von der Klarinette übernommen wurde und der Hoffnung auf ein Happy End in dieser unglücklichen Eifersuchtsgeschichte Ausdruck verlieh.

Wer dies bereits als absoluten Hörgenuss empfunden hatte, erfreute sich im Folgenden an weiteren akustischen Glanzstücken. Zunächst gab Spanien seine Stippvisite über den italienischen Umweg der beiden Mozart-Opern „Le Nozze di Figaro“ und „Don Giovanni“. Quirlig und spritzig flog die Ouvertüre zur „Hochzeit des Figaro“ nach der behutsamen Eröffnung im Pianissimo durch alle Höhen und Tiefen und explodierte förmlich im glanzvollen Fortissimo. Es folgten der Walzer „España“ des spätromantischen französischen Komponisten Emile Waldteufel, der in ein Pariser Tanzcafé des 19. Jahrhunderts entführte, Tschaikowskys „Spanischer Tanz“ aus dem Ballett „Schwanensee“, in dem die Kastagnetten für einen scharf akzentuierten Rhythmus und pathetische Momente sorgten, und zwei bekannte Arien aus italienischen Opern Rossinis und Puccinis, in denen Claudia Bauer erneut brillieren konnte.

Im zweiten Konzertteil stand die leichte Muße im Mittelpunkt, zunächst in Form zweier Lieder des spanischen Klaviervirtuosen Isaac Albéniz. Beide Werke wurden nur von den Streichern ausgeführt. In „Asturias“ konnten diese in einem freien Intermezzo ihre unterschiedlichen Facetten zeigen, während der „Tango in D“ als der geschmeidigste der heute gespielten spanischen Tangos gilt. In großer Besetzung wurde das restliche Konzert fortgesetzt. Zunächst mit dem fetzigen brasilianischen Choro „Tico Tico no fubá“ von Zequinha de Abreu, es folgte Consuelo Velázquez‘ jazzig angehauchtes Liebeslied „Besame mucho“, für das Klaus Hoffmann den Taktstock gegen den Kontrabass eintauschte.

Schließlich erklangen zwei Tangos von Astor Piazzolla, wobei Cvetomir Velov ein virtuoses Solo an der Oboe bot und der „Libertango“ tatsächlich hörbar den Hauch der Freiheit atmete. Das feurige und mitreißende Werk „Conga del Fuego Nuevo“ des zeitgenössischen Komponisten Arturo Márquez schloss dann ein Konzert der Superlative ab. Dirigent Klaus Hoffmann brachte es auf den Punkt, als er bekannte: „Wir sind zwei Jahre lang durch ein Tal der Tränen gegangen. Ein Musiker braucht einfach sein Livepublikum.“

DK