Dreiklang des Erfolgs

Brixen Classics will sich als neues Musikfestival etablieren – mit Stars, Wein und grandioser Landschaft

21.05.2022 | Stand 23.05.2022, 11:42 Uhr |

Stars und schöne Konzertorte: Bei Brixen Classis gastieren Daniel Hope und Bryn Terfel (rechts). Fotos: Ifkovits, Waldhecker, Tauber

Von Jesko Schulze-Reimpell

Brixen – Erfolgreiche Klassik-Musikfestivals haben eigentlich immer wieder ähnliche Zutaten, die wie bei einem guten Gericht gut kombiniert werden müssen. Dazu zählen grandiose Musiker genauso wie eine traumschöne Landschaft, Freizeitaktivitäten, die über das Besuchen von Konzerten hinausgeht und natürlich vorzügliche Hotels und eine herausragende Gastronomie. Das im vergangenen Jahr neu gegründete Festival Brixen Classics verfügt über all diese Bestandteile fast schon im Übermaß. Aber es gehört noch mehr für den Erfolg: ein Gespür für ungewöhnliche Konzertformate, die sonst nicht so leicht zugänglich sind. Ein Hauch von Einzigartigkeit, etwas, was sonst niemand bietet.

In der 200000-Einwohner-Stadt Brixen geht der Veranstalter BrixenCultur daher neue Wege. So findet bereits am zweiten Festivaltag, am 12. Juni, ein außergewöhnlicher Nachmittag statt unter dem Titel „Sounding Vineyards“ – eine Art kulinarisch-künstlerisches Gesamtkunstwerk. Zwischen verschiedenen Weingütern wird das Publikum zu drei verschiedenen Weingütern wandern und bei jedem Halt mit einem Konzert belohnt werden – von Klassik bis zu Brass und Dixie.

Ein weiteres ungewöhnliches Konzertprogramm findet am 15. Juni statt – ausgerechnet in einem Club. Solisten des Festivals werden geschickt verschiedene klassische Werke neu miteinander kombinieren zu einem einzigen großen Orchesterstück. Dazwischen wird Poetry Slam rezitiert und Lichteffekte an die Wände geworfen. Am Ende übernehmen Beats und Elektrorhythmen mehr und mehr das Geschehen, zu dem dann auch getanzt werden kann. „Wir wollen damit durchaus auch einen ernsten und nicht nur unterhaltsamen Inhalt vermitteln“, sagt der musikalische Leiter des Festivals, der Dirigent und Cellist Daniel Geiss. Für ihn ist gerade dieses Konzertformat, „das ich ohnehin schon immer einmal machen wollte“, ein Experiment, das gerade auch jungen Leuten einen neuen Zugang zur klassischen Musik ebnen soll. Die Stückauswahl ist dabei ungewöhnlich, es erklingen Werke von Dmitri Schostakowitsch genauso wie von Max Richter, Béla Bartók und Erich Satie.

Ungewöhnliche Wege geht das Festival auch beim Festivalorchester – ein Klanglabor, in dem Stimmführern aus europäischen und amerikanischen Spitzenorchestern zusammen mit handverlesenen Nachwuchstalenten zusammen musizieren. Beteiligt sind Musiker etwa der BR-Symphoniker oder der Deutschen Oper Berlin. Etwa 50 Musikstudenten wurden zudem ausgewählt beim BrixenClassics Festival Orchestra mitzuspielen. Dirigent Daniel Geiss ist besonders begeistert von dem Elan und dem Engagement, mit dem dieses ungewöhnliche Orchester zusammenspielt.

Eine noch wichtigere Stütze für den Erfolg des Festivals sind allerdings die zahlreichen Stars, die der künstlerische Leiter Tim Decker eingeladen hat. Am bekanntesten ist vielleicht der Geiger Daniel Hope, der das Violinkonzert von Max Bruch spielen wird. Eröffnet wird das Festival am 11. Juni mit einem Arienarbend mit Bryn Terfel und Camilla Nylund. Michael Volle und seine Frau Gabriela Scherer treten in einer konzertanten Version von Carl Maria von Webers „Freischütz“ auf. Beide Sänger gestalten auch unter dem Titel „Favourite Songs“ den unterhaltsamen Abschluss des Festivals am 18. Juni. Natürlich spielt dabei auch der regionale Eisacktaler Wein eine Rolle.

Die kleine Stadt Brixen ist reich an ungewöhnlichen Konzertorten: So finden die Konzerte mal in einer der schönsten historischen Bibliotheken statt oder in der Rokokokirche des Klosters Neustift oder im Innenhof der Hofburg Brixen. Dabei kommt der Stadt zupass, dass sie jahrhundertelang Bischofssitz war mit den entsprechenden kunsthistorisch reizvollen Räumlichkeiten.

DK