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Der Neue Pfaffenhofener Kunstverein zeigt "Ladder to Heaven" Werke von mehr als 40 zeitgenössischen Künstlern aus fünf Nationen

Hinein ins Grafik-Paradies

Pfaffenhofen
erstellt am 29.05.2017 um 20:39 Uhr
aktualisiert am 30.09.2017 um 03:33 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (DK) Ein ziemlich keckes Maiglöckchen blüht derzeit in der Pfaffenhofener Kulturhalle am Ambergerweg. Weil Mai ist und Kleine Landesgartenschau dazu, hat der Kunstverein seine in deren Kulturweg eingebundene Ausstellung so genannt: "Ladder to Heaven". Das ist der englische Name für die Blume, aber wer das beim Besuch der Schau nicht weiß und stattdessen "Himmelsleiter" übersetzt, liegt auch nicht völlig falsch. Steigt man doch am Maiglöckchen entlang steil hinauf ins kleine Grafikparadies.
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Pfaffenhofen: Hinein ins Grafik-Paradies
Foto: DK
Pfaffenhofen

Obwohl, klein: 261 Arbeiten von über 40 Künstlerinnen und Künstlern präsentiert die Ausstellung - es ist die umfangreichste, die der ambitionierte Neue Pfaffenhofener Kunstverein unter Leitung des renommierten Schriftstellers ("Risiko") und Pfaffenhofener Lokalpolitikers Steffen Kopetzky je realisierte. Das freilich mit tatkräftiger Hilfe: Der Leipziger Galerist Ulrich Thaler, auf originale, zeitgenössische Druckgrafik spezialisiert, und der ebenfalls in Leipzig ansässige Lubok-Verlag, mit dem der Künstler Christoph Ruckhäberle (gebürtiger Pfaffenhofener, Kunstvereins-Mitbegründer, Star der Neuen Leipziger Schule) und der Drucker Thomas Siemon originalgrafische Künstlerbücher publizieren, konzipierten die Schau. Wieder einmal also darf die Stadt von den Ideen und Verbindungen der beiden kulturellen Schwergewichte (und alten Schulfreunde) Kopetzky und Ruckhäberle profitieren.

Und der Gast von einer Ausstellung, die nicht nur einen schönen Überblick über zeitgenössische Grafik mit ihren Techniken und Themen bietet, sondern auch Verkaufsschau ist - im zwei- bis niedrigem vierstelligen Bereich bewegen sich die Preise für originale Kunst. Erschwinglichkeit, verbunden mit der Qual der Wahl. Denn es gibt, figürlich, abstrakt, konkret, narrativ, collagiert gearbeitet, Hoch-, Tief- und Flachdruck, Linol- und Holzschnitte, jede Art Radierungen, Kartoffel- und Gemüsedrucke, Lithografien - und einen Scherenschnitt noch dazu. Von der in Leipzig lehrenden Annette Schröter stammt das große, prominent gehängte Werk: Dazugenommen, weil sich das schwarze Oval mit seinen grellgrünen Schnitten sehr augentäuschend als Grafik präsentiert. Und weil viele einstige Studierende der Professorin ebenfalls dabei sind in der Schau. Aus Leipzig stammen die meisten der Ausstellenden, auch wenn insgesamt fünf Nationen vertreten sind.

Natürlich sind große Namen zu finden - Neo Rauch, seine Frau Rosa Loy, Matthias Weischer, Tal R., David Schnell und natürlich Christoph Ruckhäberle - aber das tut letztendlich nichts zur Sache. Denn unendlich viel gibt es auch darüber hinaus zu entdecken an Qualität und Originalität. Christine Ebersbachs große, strenge Holzschnitte etwa von Meer- und Berglandschaft, Stefan Stößels hinreißende Gemüsearbeiten (leichtfüßige Pattern, gedruckt mit allem, was im Garten wächst), Jirka Pfahls grafisches Diagramm einer konkreten Faltung aus Papier oder auch Gudrun Peterdorffs (Alte Leipziger Schule!) bezaubernde Aquatinta-Radierungen zu Platz und Landschaft. Benjamin Badock verblüfft mit starkfarbigen Bildern von popartigen Bikinimädchen und Frauenleibern, die er mit einem geometrischen Formenbausatz stempelt, Katharina Immekus mit unfassbar detailreichen Linoldrucken in Schwarzweiß von sehr abstrakten Sträuchern. Dazu gibt es feine, pointierte Radierungen etwa zu berittenen Gürteltieren (Fabian Leh-nert), 15 Farblithos zur Elbe von der Quelle bis zur Mündung (Yvette Kießling), rosa Farbkringel-Zeitverläufe (Maribel Mas) und riesige dämmrige Linocuts (grandios im gegenständlichen Schneidefleiß: Sebastian Speckmann). Und auch dieses eine wunderbare Bild mit sechs zittrigen kreisförmigen Linien: Thomas Siemon, der Meister-Drucker vieler der hier gezeigten Werke, hat seine tägliche Hundespaziergangsrunde dokumentiert.

Das ist so komisch, wie anderes ernst ist, so abstrakt wie anderes gegenständlich, so pastellig wie anderes knallbunt oder schwarz-weiß. 40 Stengel, 261 Blüten: Was für ein Maiglöckchen!

Bis 20. August, täglich 11 bis 18 Uhr.

Von Karin Derstroff
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