Mittwoch, 21. November 2018
Lade Login-Box.

Ohne Bedingungen

erstellt am 16.01.2009 um 22:23 Uhr
aktualisiert am 01.02.2017 um 14:39 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Die wandgroße Lichtinstallation François Morellets war sinnfälliger Hintergrund für den Vertragsabschluss: Vor dem Werk des Künstlers, seit Jahren als Dauerleihgabe von Maximilian und Agathe Weishaupt im Museum für Konkrete Kunst zu sehen, besiegelten gestern das Münchner Sammlerehepaar und Oberbürgermeister Alfred Lehmann per Unterschrift einen außergewöhnlichen Kooperationsvertrag. Zunächst für zehn Jahre, mit Verlängerungen um jeweils fünf, wird das Museum uneingeschränkt Zugriff haben auf die 400 Werke starke Sammlung, um die Arbeiten von hochkarätigen Künstlern wie Max Bill, Josef Albers oder Günter Fruhtrunk in seinen Ausstellungen zu präsentieren – am liebsten natürlich, so Museumsleiter Tobias Hoffmann und Maximilian Weishaupt unisono, am neuen Standort des Museums.
Textgröße
Drucken
Der Vertrag ganz zum Wohl das Ingolstädter Hauses ist in der Tat bemerkenswert – knüpft doch das Sammlerehepaar, beide im Berufsleben Architekten, keinerlei Bedingung an die Präsentation ihrer privaten Schätze, die nach wie vor in ihren eigenen Depots verbleiben werden. "Für uns ist es einfach wunderbar, unsere Bilder so in immer neuen Kontexten sehen zu können", so Maximilian Weishaupt als Begründung. Ließ sein Bruder Siegfried für seine eigene "Sammlung Weishaupt" in Ulm eine komplette Kunsthalle bauen, so wollen er und seine Frau mit ihrem künstlerischen Besitz schlicht mitarbeiten an der Weiterkonzeption des hiesigen Museums. Ganz gezielt richten sie deshalb ihre Neukäufe auch an den Bedürfnissen des Hauses aus. Dass Rupprecht Geigers grandioser roter Farbraum gerade vorort zu sehen war und im neuen Haus als Dauerinstallation geplant ist, ist bereits Ergebnis solcher Zusammenarbeit, die über die Münchner Galerie Wassermann zustande kam.

Die ersten Vertrags-Leihgaben der Sammlung werden ab kommender Woche in der Dauerausstellung des Museums präsentiert, aber gerade momentan ist ein besonderer Schatz daraus zu Gast. Die am Sonntag endende Ausstellung "Bauhausstil oder Konstruktivismus" zeigt ein in mehrfacher Hinsicht bedeutsames Bild: Ein kleines Gemälde von Kandinsky, das nicht nur kunsthistorisch wertvoll ist, sondern auch den Grundstein für die Sammlungstätigkeit der Weishaupts legte. Weishaupts 1982 verstorbener Vater, der mit Max Bill in enger Verbindung stand und von den Künstlern der Hochschule für Gestaltung Ulm auch Produkte für sein Unternehmen fertigen ließ – teilweise heute Bestand des Museums of Modern Art in New York –, hatte das Werk als eines der ersten seiner eigenen Sammlung gekauft. Und damit in der gesamten Familie eine wahre Sammelleidenschaft ausgelöst, die nun teilweise dem Museum für Konkrete Kunst zugute kommen wird.

Von Karin Derstroff
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!