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Neue Fälle für Jonas und Sam

erstellt am 19.08.2008 um 20:30 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 14:11 Uhr | x gelesen
Bremen (DK) "Machen wir ein Ende." So klingt das Finale des "Letzten Detektivs". "Das sagt aber nicht Jonas, sondern ein Mitglied der Anti-Jonas-Koalition, die die ganze Zeit versucht hat, sich dieses lästigen Detektivs zu entledigen", erklärt Michael Koser (70), Autor von mehr als 150 Hörspielen und Schöpfer dieser Figur, die sich mit "Jonas. Nur Jonas. Besser einen guten Namen als drei miese" vorzustellen pflegt. Mitte der 80er Jahre hat Michael Koser seinen furchtlosen, melancholischen Privatermittler vom Schlage eines Philip Marlowe oder Sam Spade auf die Verbrecher Babylons losgelassen. Einer düsteren, seelenlosen Hightech-Metropole.
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Geschwätziger Computer

Jonas lebt in der Zukunft. In einer Zukunft, in der das Ökosystem längst kollabiert ist, in der Bürgernummern die Namen abgelöst haben, der Sozialstatus (der Nutzen für den Staat) die Wohnklasse regelt, Großkonzerne regieren und man sich hauptsächlich von synthetischen Nahrungsmitteln ernährt. Im Jahr 2009 tritt Jonas erstmals in Erscheinung. Nur 25 Jahre lag diese Zukunft von der Gegenwart entfernt, als Michael Koser im Orwell-Jahr 1984 seinen Detektiv über dessen ersten Fall brüten ließ. Dabei lernte Jonas Judith kennen, die bald seine ZB ("zeitweilige Beziehung") werden sollte und bei Sam regelmäßig Eifersuchtsanfälle auslöste. Sam ist ein Computer. Ein Supercomputer. Leider wurde er mit zu vielen Sprachprogrammen gefüttert, was zu einer Überkonfiguration führte, sodass seine Genialität in Sachen Datenbank-Informationsbeschaffung bisweilen mit einer gewissen Schwatzhaftigkeit einhergeht.

40 Folgen lang klärte "der letzte Detektiv" von Babylon im Bayerischen Rundfunk kniffelige Fälle, recherchierte, de-ckte auf, überschritt gesetzliche und bisweilen moralische Grenzen – bis die Serie 2001 ein abruptes Ende fand. Und Autor Michael Koser die Entwürfe für vier Fortsetzungen plus Abschlussfolge verärgert in die Schublage legte.

Kurzzeitig spielte er mit dem Gedanken, diese Notizen ins Internet zu stellen, "damit die Fans sehen, wie es hätte weitergehen können", erzählt er. Er hat es nicht gemacht. Und hatte deshalb noch Material für neue Geschichten zur Verfügung. Denn: Es gibt zwei nigelnagelneue Folgen von Jonas. Auftraggeber ist diesmal allerdings nicht eine Rundfunkanstalt, sondern eine Privatperson. Martin Bahr ist ein großer Jonas-Fan, und seine Anwaltskanzlei hat bereits zwei Hörspiele ("Das Canossa Virus" und "Ixplorer 5003") produziert. Ihm gelang es, die Originalsprecher von Jonas, Sam und Judith, nämlich Bodo Primus, Peer Augustinski und Karin Anselm wie auch Regisseur Werner Klein, der die Serie ab Folge 17 begleitet hatte, für sein Herzens-Projekt zu gewinnen. "Das war schon wichtig", sagt Michael Koser. "Ein Hörspiel mit anderen Stimmen – das hätte ich mir nicht vorstellen können."

Er sagte zu – und holte seine Mappe mit den alten Aufzeichnungen hervor. "Comeback" und "Abgesang" heißen die beiden neuen Folgen, die Ende des Monats in Hamburg aufgenommen werden – und ab Mitte Oktober im Internet kostenlos downloadbar sind.

Wovon die Fälle handeln, will Michael Koser nicht verraten. Nur so viel: "Die Jonas-Saga wird tatsächlich weitergeschrieben." Beide Folgen finden nach den zuletzt im Bayerischen Rundfunk gesendeten statt – und werden auch mit früheren Krimis verknüpft. Mittlerweile schreibt man das Jahr 2016 und Jonas ist mit zunehmendem Alter auch resignierter geworden. Michael Koser: "Es stürzt furchtbar viel auf ihn ein. Negatives, mit dem er kaum fertig wird."

Ein eigenes Universum

War es schwer, nach einer Pause von acht Jahren das Duo wieder auf Fährtensuche zu schicken? "Ich hatte tatsächlich nach der Zusage ein bisschen Sorge, ob es überhaupt gehen würde nach dieser doch verhältnismäßig langen Zeit", gesteht der Autor. "Aber es klappte erstaunlich gut und schnell. Ich hatte ein eigenes Universum gebaut für meine Helden. Dort war noch Platz. Und ich fand die Tür, durch die ich gehen musste, um diesen Platz zu besetzen."

Er freut sich, dass er nun die Möglichkeit erhält, doch noch den Schlusspunkt zu setzen, den er sich vor einem knappen Jahrzehnt für seinen "letzten Detektiv" ausgedacht hat. "Die abschließende Folge hat sich fast von selbst geschrieben."

Und es sind definitiv die letzten Jonas-Fälle? Michael Koser lacht. "Mit solchen Aussagen bin ich inzwischen vorsichtig geworden. Es ist natürlich immer noch möglich, Zwischenräume auszufüllen in der Jonas-Saga." Bei einer anderen Hörspiel-Figur, Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, "Wissenschaftler von Weltruf und nicht minder renommierter Amateur-Kriminologe", der von 1978 bis 1999 Rätsel der Vergangenheit löste, hatte Michael Koser listenreich einen Weg für weitere Geschichten auch nach dessen Tod gefunden. "Außerdem ist nicht so ganz klar, was aus Jonas nun wird." Dann unterbricht er sich: "Ich glaube, ich verrate zu viel."

Ein bisschen Spannung muss schließlich sein. Mitte Oktober geht Jonas wieder auf Ganovenjagd: Unter www.jonas-nur-jonas-und-sam.de findet man Näheres über den nostalgischen Detektiv und seinen redseligen Computer Sam. Außerdem Bilder, Musik und ein Making-of-Video der Produktion.

 

Von Anja Witzke
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