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Martin Heidingsfelder gründete vor einem Jahr die Internetseite VroniPlag Wiki

Der Plagiatsjäger

Herr
erstellt am 27.03.2012 um 22:03 Uhr
aktualisiert am 20.04.2017 um 10:35 Uhr | x gelesen
Herr Heidingsfelder, Sie waren mal deutscher Nationalspieler im American Football. Haben Sie da das Überrumpeln von Menschen gelernt
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Martin Heidingsfelder: Es stimmt, dass man Eigenschaften wie Durchsetzungsvermögen und Führungsqualität gut in einer Mannschaftssportart lernen kann. Als einzelner geht in einer Footballmannschaft genauso wenig wie in einem Internet-Wiki. Nur im Team können Sie erfolgreich sein.

Aber noch mal zum Überrumpelungsfaktor. Sie und die anderen Plagiatsjäger im Internet haben die Karrieren von mehreren Politikern zerstört oder ins Stocken gebracht.

Heidingsfelder: Das Problem ist doch eher, dass das halbe Dutzend an Politikern, die bisher ihren Doktortitel auch wegen uns verloren haben, weitermachen, als wäre nichts passiert. Außer Karl-Theodor zu Guttenberg behalten sie ihre Mandate und Mandatsbezüge. Silvana Koch-Mehrin ist vielleicht nicht mehr so gefragt. Andere sind durch ihre Plagiate erst bekannt geworden.

Heißt das, Sie als Plagiatsjäger haben Ihr Ziel verfehlt?

Heidingsfelder: Nein. Die prominenten Fälle haben einen großen Effekt, weil viele das mitkriegen. Wir haben mit VroniPlag dafür gesorgt, dass weniger Plagiate eingereicht werden und sorgfältiger gearbeitet wird. Das war in meinen Augen ein großer Einschnitt in der deutschen Wissenschaftsgeschichte.

Geht es Ihnen nur um die Verteidigung der Wissenschaft?

Heidingsfelder: Das ist bei jedem anders. Als ich angefangen habe, ging es mir tatsächlich vor allem um saubere Wissenschaft. Wissenschaftler bilden mit ihrer Arbeit ein Fundament, auf dem weitere Untersuchungen stehen. Wenn am Fundament herumgepfuscht wird, bricht alles zusammen.

Wer ist VroniPlag überhaupt?

Heidingsfelder: VroniPlagWiki ist ein Wiki, an dem jeder teilnehmen und mit recherchieren kann. Den harten Kern bilden vielleicht noch ein halbes Dutzend Leute. Das sind Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen. Zudem gibt es VroniPlag auch als mein Unternehmen mit einer Hand voll Wissenschaftlern als freie Mitarbeiter, die gewerblich nach Plagiaten und Urheberrechtsverletzungen suchen.

Wie gerät man ins Visier von VroniPlag?

Heidingsfelder: Es gibt einen Anfangsverdacht, der meist von außen gemeldet wird. Das wird von Mitarbeitern des Wiki überprüft. Wenn es stimmt, geht es los. Für die eigene Suche nach Plagiaten fehlen die personellen Ressourcen. Das gleicht der Suche einer Nadel im Heuhaufen. Die Mehrheit der Dissertationen ist ja in Ordnung.

Kritiker werfen Plagiatsjägern Denunziantentum vor. Es heißt, Sie träten als Hilfssheriffs auf.

Heidingsfelder: Das hat mit Denunziantentum nichts zu tun. Die meisten Fälle fallen auf, weil jemand anders forscht. Diese Leute schauen sich alte Arbeiten an und dann entdecken sie Fehler. Irgendwann wenden sie sich an VroniPlag anstelle der offiziell Zuständigen, weil die Erfahrung hier besteht, dass tatsächlich untersucht wird.

Warum haben Sie fast ausschließlich Politiker von FDP und CDU/CSU überführt? Als SPD-Mitglied wurde Ihnen schon eine Kampagne vorgeworfen.

Heidingsfelder: Das ist völliger Quatsch. Es hat Zeiten gegeben, da haben wir zusammengelegt und 500 Euro Preisgeld ausgeschrieben, wenn jemand endlich mal einen Sozi findet. So sehr haben uns die Vorwürfe genervt.

Das Interview führte Til Huber.

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