Donnerstag, 15. November 2018
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Anton Klott von Edeka Südbayern hat schon 2015 einen Abbiege-Assistenten entwickelt

"Jeder Tote ist vermeidbar durch so ein System"

Gaimersheim
erstellt am 10.07.2018 um 20:09 Uhr
aktualisiert am 31.10.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Gaimersheim (DK) Wer hat's erfunden? Anton Klott, technischer Leiter bei Edeka Südbayern in Gaimersheim (Landkreis Eichstätt). Bereits 2015 hat der heute 60-Jährige eine innovative Lösung für die firmeneigenen Lkw entwickelt: Durch eine in der Zugmaschine installierte Kamera kann der tote Winkel eines Lkw voll eingesehen werden. Ein Bildschirm im Fahrerhaus ist mit der Kamera verbunden und zeigt den entsprechenden Bereich an. Dafür erhielten Klott und Edeka Südbayern 2015 den Dekra-Award im Bereich "Sicherheit im Verkehr".
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Erfinder Anton Klott zeigt, dass auf dem Monitor zu erkennen ist, wenn sich jemand im toten Winkel befindet.
Erfinder Anton Klott zeigt, dass auf dem Monitor zu erkennen ist, wenn sich jemand im toten Winkel befindet.
Eberl/DK-Archiv
Gaimersheim
Auch alle anderen deutschen Edeka-Großhändler haben beschlossen, jedes Neufahrzeug mit einem Abbiege-Assistenten auszustatten. Hier kommen sowohl die Klott-Lösung als auch ein System von Daimler zum Einsatz. Aktuell sind bereits mehr als 600 Lkw mit einem Abbiege-Assistenten ausgestattet, am Jahresende sollen es über 900 sein. Edeka und Netto haben bereits mit dem Verkehrsministerium eine Sicherheitspartnerschaft vereinbart. Aus diesem Anlass sprachen wir mit Anton Klott über seine Erfindung.

Gegen den Toten Winkel

 


Herr Klott, was war die Initialzündung für Sie?

Anton Klott: Im Jahr 2015 hat der DONAUKURIER über verschiedene tödliche Verkehrsunfälle berichtet. Ich habe das gelesen und mir gedacht: Dass wir einmal in so eine Situation kommen, kann ich unseren Fahrern nicht zumuten. Die Geschäftsleitung gab mir dann die Freigabe, in die Entwicklung einzusteigen. Zu der Zeit gab es kein System auf dem Markt - also musste ich es selber erfinden. Mir war sofort klar, dass es einen Bildschirm geben muss, so dass der Fahrer den toten Winkel beim Abbiegen einsehen kann. Das System durfte auch nicht ausschaltbar sein. Es gibt zudem einen Warnton, wenn sich im Bereich der Beifahrerseite ein Radfahrer oder Fußgänger befindet. Nach kurzer Zeit schon hatten wir den Serienstart und unseren ersten Lkw damit ausgerüstet.


Das klingt jetzt so, als sei die Entwicklung nicht sehr kompliziert gewesen.

Klott: Nein, ich habe ungefähr drei Monate gebraucht. Das Schlimmste war: Ich wollte von den Fahrzeugherstellern eine Schnittstelle haben, damit das System scharf wird, selbst wenn der Fahrer zu blinken vergisst. Dafür konnte man mir aber keine Lösung anbieten. Also habe ich selbst einen Lenkwinkelsensor entwickelt. Ich kann somit den Abbiege-Assistenten in jedes Fahrzeug einbauen: Egal, welcher Hersteller, welche Gattung, welches Baujahr - wir können nachrüsten. Damit haben wir meines Wissens bis heute ein Alleinstellungsmerkmal.

Sie bieten das System ja auch anderen Firmen oder Kommunen an. Wie ist die Nachfrage?

Klott: Edeka ist ja ein Lebensmittelhandel und hat daher keine Gewinnerzielungsabsicht. Ein Lkw-Aufbauer vertreibt das System jetzt komplett. Bisher wurden an Dritte über tausend Stück verkauft. Unseren Fuhrpark mit 300 Lkw haben wir vollständig umgestellt: Wenn Sie in der Umgebung ein Edeka-Fahrzeug sehen, dann hat das einen Abbiege-Assistenten an Bord.

Was kostet das Nachrüsten?

Klott: Mit dem neuen Monitor im Fahrerhaus knapp über 600 Euro plus Montage.

Sie verbessern das System ständig. Was ist neu?

Klott: Die Seitenleuchten sind jetzt dauerhaft mit LED belichtet, und wenn der Fahrtrichtungsanzeiger aktiv ist, dann fangen sie über die ganze Länge zu blinken an. Wenn ein Radfahrer von der Seite kommt, dann sieht er über die ganze seitliche Fläche, dass der Lkw abbiegen will. Und unser neuester Monitor verfügt über eine Entfernungsanzeige, so dass der Fahrer sieht, wie weit das Kind oder der Radfahrer weg sind.

Für die Fahrer ist es ja ein Segen, wenn sie keine Angst vor dem toten Winkel haben müssen.

Klott: Unsere Fahrer sind begeistert von dem System. Laut Berufsgenossenschaft Verkehr sind 80 Prozent der in einen tödlichen Abbiegeunfall verwickelten Lkw-Fahrer auf Dauer berufsunfähig. Aber man muss dabei auch an alle Beteiligten wie Polizei, Rettungskräfte und Feuerwehren denken.

Sollten Abbiege-Assistenten Pflicht werden?

Klott: Ich hoffe, dass durch die Initiative von Verkehrsminister Scheuer die Abbiege-Assistenten zum Standard werden. Ich versuche gleichzeitig, Unterstützung zu bekommen - etwa über Versicherungen. Wenn die Prämien für so ausgestattete Lkw günstiger sind, wird das auch wirtschaftlich sinnvoll. Der Konkurrenzkampf für die Spediteure ist hart, die können Kosten nicht an die Kunden weitergeben. Eigentlich müsste es eine gesetzliche Verpflichtung geben. Ich wäre absolut dafür, denn jeder Tote ist vermeidbar durch so ein Abbiege-System.

Haben Sie von Edeka eine Prämie bekommen für Ihre Erfindung?

Klott: Ich habe natürlich meine Position gefestigt. Ich bin schon fast 39 Jahre bei der Edeka - mit Leib und Seele. Ich tue das ja auch den Menschen zuliebe. Mit so geringem finanziellen Einsatz kann man die Straßen sicherer machen.

Das Gespräch führte

Suzanne Schattenhofer
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