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Radiojournalist Gerald Huber sprach beim Historischen Verein über seine Sprache

"Bayerisch ist, wer bayerisch redet"

Schrobenhausen
erstellt am 20.04.2012 um 18:52 Uhr
aktualisiert am 01.02.2017 um 07:52 Uhr | x gelesen
Schrobenhausen (mbs) Die bayerische Sprache hat Zukunft, nicht zuletzt deshalb, weil sie eine große Vergangenheit hat. Das wurde beim Vortrag des Rundfunkjournalisten Gerald Huber deutlich, den der Historische Verein Schrobenhausen für eine Lesung über das Bayerische eingeladen hat und zu dem sich im Pfarrsaal St.
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Schrobenhausen: "Bayerisch ist, wer bayerisch redet"
Als Experte für bairischen Dialekt gilt Gerald Huber, Redakteur des zweiten Hörfunkprogramms im Bayerischen Rundfunk. Der Vortrag „Lecker derbleckt“ aus seiner bairischen Wortkunde wurde beim Historischen Verein in Schrobenhausen begeistert aufgenommen. - Foto: mbs
Schrobenhausen
Jakob an die 50 – am Ende begeisterte – Besucher einfanden.

Für den Historischen Verein stellte Franz Josef Mayer den Referenten vor und merkte den Wert der Dialekte für den Reichtum der deutschen Sprache an. So sehr man stolz sein könne auf das Bayerische, das immer wieder als beliebtester deutscher Dialekt genannt wird, so wenig verdiene beispielsweise das Sächsische einen oftmals überheblich geäußerten Spott. Es sei eine der größten Katastrophen aus den Entwicklungen des letzten Krieges, dass große Dialekte wie das Schlesische, das Ostpreußische und das Böhmische untergegangen seien. Zerstörte Dome konnte man wieder aufbauen, vergessene Sprachen sind ein für alle Mal verloren.

„Die Sprache ist das wichtigste Kulturgut“, erklärte Gerald Huber zum Einstieg und zeigte dann, wie es möglich ist, Wissenschaftliches mit Witz und Humor zu vermitteln. Für zahlreiche Beispiele der bairischen Sprache erläuterte er die etymologischen Wurzeln und griff dabei auf sein eigenes Büchlein „Lecker derbleckt – eine kleine Bairische Wortkunde“ zurück, eine Sammlung, die auch in seine Arbeit beim zweiten Hörfunkprogramm des Bayerischen Rundfunks Eingang gefunden hat.

Wer weiß schon, dass die Worte Semmel und Brezen – und noch weitere Begriffe aus Küche und Landwirtschaft – auf lateinische Ursprünge zurückgehen, auch ein Indiz dafür, wie sehr die römische Kultur im Süden Deutschlands wirksam war. Vom Süden gingen die Lautverschiebungen aus, die zuletzt im Norden nicht mehr mitgemacht wurden. Huber erklärte, was man warum Hochdeutsch nennt und streifte die Bedeutung Luthers für eine gesamtdeutsche Sprache, an deren weiterer Entwicklung auch künstlich herumgewerkt wurde. An einer ganzen Reihe geläufiger Worte und Begriffe zeigte er die Unterschiede zwischen der baierischen – also oberdeutschen – Version und setzte die niederdeutsche dagegen, ob’s um Stiegen und Treppen ging, um daheim und zu Hause oder auch um die Frage, warum es in Bayern – ganz richtig – der Butter heißt und nicht die Butter. Oder auch: Der Einser und nicht die Eins.

Erklärt wurde auch, was laut Sprachwissenschaft das „Entrunden“ vieler Wörter bedeutet und warum es in Bayern nicht Krämer heißt, sondern Kramer oder bucken und nicht bücken. In der Konsequenz heißt originaler Sprachgebrauch laut Huber: „Bayerisch ist, wer bayerisch redet.“ Da durften auch ein paar – nicht sehr böse – Spitzen gegen die Preußen nicht fehlen.

Als „Zugabe“ las Gerald Huber einige Abschnitte aus einer Darstellung der Holledau vor, die in den 90er Jahren für ein amerikanisches Publikum übersetzt worden ist. Ein paar Kostproben machten deutlich, wo sich die Grenzen des Übersetzens zeigen. Es muss nicht sein, die Geschichte vom „Holledauer Schimmi“ ins amerikanische Englisch hinüberzuquälen.

 

Von Franz-Josef Mayer
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