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In der Nacht zum Dienstag ist einer der Hauptäste abgebrochen

Sorge um die Gollingkreuter Eiche

erstellt am 20.09.2016 um 15:26 Uhr
aktualisiert am 01.02.2017 um 08:26 Uhr | x gelesen
Gollingkreut (SZ) Sie ist mit einem Stammumfang von 9,07 Metern der viertdickste Baum Bayerns und die Nummer 22 in Deutschland: die 1000-jährige Eiche von Gollingkreut. In der Nacht zum Dienstag ist einer der Hauptäste abgebrochen. Der Schaden ist immens.
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In gut zwei bis drei Metern Höhe ist einer der Hauptäste in der Nacht zum Dienstag abgebrochen.
Schalk
„Das ist ein unheimlicher Verlust“, sagt Erwin Pommer, der im Landratsamt in Neuburg als Kreisfachberater für die Naturdenkmäler zuständig ist. Trotzdem atmet er zunächst einmal durch. Denn der Ast ist nicht auf die Straße gekracht, und damit genau das nicht passieren kann, hatte man schon vor Jahren massive Sicherungsmaßnahmen ergriffen. Nach einer schalltomographischen Untersuchung wurden 2013 zwei zusätzliche Sicherungsseile angebracht, die den Ast im Falle eines Bruchs von der Straße weglenken sollten. Hat funktioniert. „Es wäre ein Alptraum, wenn so ein Ast abbricht und auf der Straße landet!“, sagt Pommer.

Dass es eines Tages zu dem kommen würde, was jetzt passiert ist, wusste man schon lang. „Der Ast hatte von oben eine Kerbe, er war schon lange ausgeschlitzt und ausgebrochen.“ Aber die Eiche stand unter ständiger Beobachtung. Vergangenes Jahr gab es eine große Untersuchung, vor 14 Tagen erst war er wieder draußen – nichts zu sehen.

Die Gollingkreuter Eiche ist nicht die einzige, die in diesem Sommer Schaden nahm. „Vieles spricht dafür, dass die heftigen Regenfälle nach der langen Phase der Trockenheit damit zu tun haben“, sagt Pommer. In Niederarnbach sei gerade erst Ähnliches passiert.

Als er gestern vom Unglück erfuhr, saß er auch schon im Auto, um sich die Bescherung anzusehen. „Mir war mir klar, dass es nur der eine Starkast sein konnte, der über die Straße ragt.“ Und wie geplant zogen die Sicherungsseile aus Stahl und Kunststoff den Ast zur Seite – er donnerte einen halben Meter neben der Straße auf den Boden. „Das ist ein Mordsgewicht, jedes der Seile trägt vier Tonnen – beide sind gerissen.“ Nachdem sie ihre Funktion erfolgreich erfüllt hatten.

Jetzt gilt es, den Rest des wertvollen Baumes zu sichern. „Statisch ist das natürlich eine enorme Herausforderung“, sagt Pommer. Jeder der Starkäste war sozusagen der Gegenspieler für den anderen. Gestern noch hat Pommer einen Baumexperten eingeschaltet, der die alte Eiche nun untersuchen wird.

Erst nach einer eingehenden Untersuchung wird man wissen, wie es weitergeht, ob der Baum gesichert werden kann. Das Schlimmste, was passieren könnte, tippt Pommer, wäre ein sogenannter Kronensicherungsschnitt. Der würde zwar die Verkehrssicherheit gewährleisten, aber womöglich auch die Hälfte der Krone kosten.

Die Geschichte des Baums geht so und so weiter. „Die Eiche hat sich ja längst versamt, zum Beispiel gegenüber der Straße“, wie Pommer berichtet. Tatsächlich steht dort prächtiger Eichennachwuchs. Und trotz des Bruchs bleibt der Baum die Nummer vier in der Liste – weil einen Meter über dem Boden gemessen wird. Der Schaden ist deutlich weiter oben.

Nur eines wird man erst erfahren, wenn der Baum, der sich übrigens im Eigentum der Stadt Schrobenhausen befindet, eines Tages tatsächlich gefällt worden ist. Ums Jahr 1400 dürfte die Gollingkreuter Eiche schon gestanden sein, als nebenan in Schrobenhausen noch niemand an den Bau der Stadtpfarrkirche dachte. Ob sie noch älter ist, darüber können nur die Jahresringe Auskunft geben.

Von Mathias Petry
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