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Aresinger Verbandsräte in der Zwickmühle: Sollen Millionen Euro in eine Mittelschule investiert werden, die es vielleicht bald gar nicht mehr gibt?

Ohne Bestandsgarantie weder Sanierung noch Neubau

Aresing
erstellt am 04.12.2018 um 15:56 Uhr
aktualisiert am 08.12.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Aresing (SZ) Egal, ob Neubau oder Sanierung: Die geschätzten Kosten gehen in den zweistelligen Millionenbereich. Soll man so viel Geld in eine Schule investieren, die es in einigen Jahren - zumindest im Mittelschulbereich - vielleicht gar nicht mehr gibt? Die Aresinger Schulverbandsräte wollen das derzeit nicht entscheiden.
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Von weit oben sieht man die Schäden nicht, aber das Aresinger Schulgelände ist dringend sanierungsbedürftig.
Von weit oben sieht man die Schäden nicht, aber das Aresinger Schulgelände ist dringend sanierungsbedürftig.
Haßfurter
Aresing
Das Gebäude und das umliegende Gelände sollen nun notdürftig hergerichtet werden. Und möglichst bald wollen die Bürgermeister Klaus Angermeier (Aresing, CSU) und Alfred Lengler (Gachenbach, CSU) beim neuen bayerischen Kultusminister Michael Piazolo (FW) vorsprechen - und möglichst mit einer Bestandsgarantie für die Mittelschule wieder heimfahren.

"Wir wissen um die Notwendigkeit, an dieser Schule etwas zu machen", sagte Angermeier am Montagabend in der Sitzung des Schulverbands, dessen Vorsitzender er ist, "aber wir wissen auch um die Verantwortung für die Gemeinden." Investitionen im Bereich von mehreren Millionen Euro seien für Aresing und Gachenbach nur schwer zu finanzieren. Auf keinen Fall wolle man sich aus der Verantwortung ziehen, ergänzte Angermeiers Vize Alfred Lengler, aber eine Entscheidung über so viele Millionen Euro müsse gut durchdacht sein: "Wir sind verpflichtet, alle Varianten, die da sind, zu prüfen - bis hin zur Auflösung des Schulverbands."

Das Ende der Mittelschule Aresing - darüber mag eigentlich keiner nachdenken, doch die Gefahr, dass es bevorsteht, kann nicht so einfach wegdiskutiert werden. Denn derzeit sind hier nur noch 94 Schüler gemeldet. "Ich will nicht eine Schule neu bauen, wo dann fünf Klassenzimmer leer stehen", verdeutlichte Angermeier die Zwickmühle, in der sich der Schulverband befindet - "ich brauche Planungssicherheit". Diese Planungssicherheit könnte Michael Piazolo geben. Hoffen zumindest Angermeier und Lengler, die den Kultusminister so bald wie möglich besuchen wollen, um mit ihm über die Mittelschule Aresing zu reden.

Für Klaus Angermeier ist es auch kein Tabu, über einen Zusammenschluss mit dem Schulverband Schrobenhausen zu reden, mit dem jetzt schon ein Schulverbund besteht. Der Unterschied: In einem Schulverbund tauschen eigenständige Schulen untereinander Schüler aus, um mehr Zweige anbieten zu können, ein Schulverband ist dagegen ein echter Zusammenschluss. Aresing wäre dann eine Außenstelle von Schrobenhausen oder würde als Mittelschulstandort ganz aufgelöst. In einem Schulverband müssen alle beteiligten Kommunen bei Baumaßnahmen mitzahlen - und gerade deswegen glaubt Alfred Lengler nicht, dass von Schrobenhausener Seite aus Interesse bestünde: "Die haben schon mal einen Neubau bezahlt. Die haben schon jetzt eine hohe Investitionsumlage."

Wie auch immer es mit der Mittelschule weitergeht: Zumindest für die derzeit 104 Mädchen und Buben der Grundschule muss in die Zukunft gedacht werden. Sie kommen fast ausschließlich aus Aresing, während an der Mittelschule auch die Gemeinde Gachenbach beteiligt ist. Die trägt deshalb auch per Umlage einen Teil - 17 Prozent - der Kosten. Anders sieht das bei Gastschülern oder auch Schülern aus dem Schulverband Schrobenhausen, die im Rahmen des Schulverbunds in Aresing sind, aus: Die werden nicht in die Berechnung der Umlage mit einbezogen.

Nach einer aktuellen Machbarkeitsstudie von Architekt Wolfgang Obel würde eine Sanierung und Erweiterung der Aresinger Schule 13,2 Millionen Euro kosten, ein Neubau an selber Stelle inklusive Abbruch und vorübergehender Unterbringung der Schüler in Containern 16 Millionen. Einen Teil davon bezahlt der Staat, die Gemeinden müssten unterm Strich für 8,9 Millionen Euro (Neubau) beziehungsweise 7,1 Millionen Euro (Sanierung) aufkommen. Wird die Schule an einem anderen Standort gebaut, könnte man sich die Container sparen, die Neubauvariante würde um rund eine Million Euro günstiger. Obel empfiehlt - angesichts des nur geringen Kostenunterschieds - einen Neubau.

Für die Finanzierung müsste ein Darlehen aufgenommen werden. In einer Beispielrechnung ergibt das eine jährliche Belastung von fast einer halben Million Euro - und das 20 Jahre lang. Die Investitionsumlage betrüge 3000 Euro pro Schüler. Auf Aresing entfallen gut 400000 Euro, auf Gachenbach 83000 Euro. "Das ist eine erhebliche Belastung für die Gemeinden", sagte Angermeier. Die Schulverbandsversammlung beschloss einstimmig, die Entscheidung über Sanierung oder Neubau für zwei Jahre zu vertagen, falls zuvor kein deutliches Signal aus München kommt. Die gravierendsten Mängel am Gebäude sollen nun mehr oder weniger provisorisch behoben werden.
Bernd Hofmann
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