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Kämmerer bedient sich aus Gemeindekasse

erstellt am 24.03.2009 um 21:43 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 21:36 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) Die Wolnzacher Finanzaffäre nimmt immer erschreckendere Formen an: Nach neuen erdrückenden Beweisen hat der frühere Marktkämmerer Wolfgang Zwack jetzt zugegeben, zwei Privatautos mit insgesamt rund 31 000 Euro teilweise aus der Gemeindekasse finanziert zu haben.
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Wolfgang Zwack
Wolfgang Zwack, Ex-Kämmerer von Wolnzach.
Rebl
Im Detail geht es dabei um einen BMW 320 d, für den die Marktkasse im Dezember 2007 rund 24 000 Euro an die BMW Financial Services Bank in München überwiesen hat und einen weiteren Wagen, für den im November 2005 rund 7100 Euro an die Volkswagen Bank in Braunschweig ausbezahlt wurden. Festgestellt hatten diese neuerlichen Machenschaften in der Wolnzacher Finanzverwaltung erneut die Experten des Kommunalen Prüfungsverbandes, über die genauen Ergebnisse wurden die Markgemeinderäte mittlerweile informiert.
 
Die BMW-Finanzierung war zum Erstaunen der Prüfer unter der Haushaltsstelle "Winterdienst, Streumaterial, Straßenreinigung" verbucht, als Buchungstext war das Wort "Ablösebetrag" eingetragen. Verträge oder sonstige erklärende Unterlagen wurden nicht aufgefunden. Eine telefonische Rückfrage der Verwaltung bei der BMW-Bank brachte hier Licht ins Dunkel. Die 24 000 Euro dienten offensichtlich für die Restfinanzierung eines geleasten 320 d. Das Kennzeichen und entsprechende Erkenntnisse der Verwaltung aus einer Dienstfahrtversicherung ließen nur einen Schluss zu: Es ging um den Privatwagen von Wolfgang Zwack (Foto).

Der zweite Fall wurde nahezu identisch abgewickelt: Im November 2005 wurden über die Haushaltsstelle "Fahrzeugunterhalt der Feuerwehr" rund 7100 Euro für eine "Jahresinspektion" an die Volkswagen Bank in Braunschweig überwiesen. Auch hier – so ergab eine Rückfrage bei dem Geldinstitut – ging es um eine Fahrzeugfinanzierung. Darlehensnehmer war Wolfgang Zwack.

Deutlich hervor hoben die Prüfer auch ein weiteres haushaltstechnisches "Zahlenspielchen": Die knapp 24 000 Euro für den BMW wurden in zwei Teilbeträge von 12 000 und 11 900 Euro aufgesplittet. Dadurch fiel die Genehmigung automatisch in den Zuständigkeitsbereich des damaligen Bürgermeisters Josef Schäch, der Beträge bis zu 20 000 Euro ohne Beschluss eines dafür zuständigen Gremiums freigeben konnte. Alle drei Zahlungsanordnungen (zwei für den BMW, eine für die VW Bank) wurden von Wolfgang Zwack und Josef Schäch persönlich unterschrieben. Der damalige Kämmerer bestätigte die "sachliche und rechnerische" Richtigkeit, der damalige Bürgermeister gab die Anordnungen endgültig frei.

"Ja, es stimmt – das Geld diente zur Ablösung von Restfinanzierungen für private Fahrzeuge von Wolfgang Zwack": Hans Günter Huniar, Anwalt des früheren Wolnzacher Gemeindekämmerers und jetzigen persönlichen Referenten von Landrat Josef Schäch, kam in einer Stellungnahme gegenüber dem Pfaffenhofener Kurier ohne Umschweife auf den Punkt. Sein Mandant habe die Vorwürfe in vollem Umfang bestätigt und ihn dazu ermächtigt, "die Karten auf den Tisch zu legen". Wolfgang Zwack bedauere "den großen Mist, den er gemacht hat", sehr und wolle den finanziellen Schaden so schnell wie möglich wieder gut machen, sagte Huniar. Sein Mandant habe ihm gegenüber betont, dass Josef Schäch von der ganzen Angelegenheit "nichts gewusst" habe. Wolfgang Zwack tue es leid, dass er den Landrat nun indirekt mit hineingezogen habe und er entschuldige sich auch dafür.

Nichts Neues konnte der Anwalt des ehemaligen Kämmerers zur eigentlichen Wolnzacher Haushaltsaffäre sagen, wegen der die Staatsanwaltschaft gegen den Landrat wegen des Verdachts auf Untreue und Kreditbetrug ermittelt und die Landesanwaltschaft Bayern ein Disziplinarverfahren gegen Josef Schäch eingeleitet hat. Wolfgang Zwack sei von der Landesanwaltschaft zwar bereits vernommen worden, habe aber – nachdem er sich in mehreren Punkten möglicherweise selbst belasten hätte können – weit gehend von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht.

Wolfgang Zwack war übrigens nicht der Einzige, der in den letzten Tagen von der Landesanwaltschaft vernommen wurde: Nach PK-Informationen gab es gestern in München mit den Fraktionssprechern aus den Jahren 2002 bis 2008, Bürgermeister Jens Machold und Landrat Josef Schäch ein regelrechtes Wolnzacher "Ehemaligen-Treffen", für das sogar Fahrgemeinschaften gebildet wurden.


Von Rudi Gegger
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