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Schredder als Hauptquelle für Schadstoffe

erstellt am 08.07.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 21:14 Uhr | x gelesen
Baar-Ebenhausen (PK) Geht von der Schredderanlage eine größere Gefahr für die Gesundheit aus als von der Sondermüllverbrennungsanlage der GSB? Die von Thyssen Dück betriebene Anlage wurde beim Biomonitoring, der Untersuchung von Weidegras, als Hauptquelle für die gemessenen Schadstoffe ausgemacht.
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Der Schredder (links) und die GSB aus der Vogelperspektive betrachtet: Die Ergebnisse des Biomonitorings machen den Schredder als Hauptquelle für die gemessenen Schadstoffe aus.? Arch - foto: Schalles
Zu diesem Ergebnis kommen im Grundsatz sowohl die Untersuchungen von 2008 der Firma Ökometric als auch die statistische Auswertung des Biomonitorings von 2002 bis 2007 durch Günther Dehoust vom Ökoinstitut Darmstadt. Die meisten Werte seien unkritisch und weit unter dem Hintergrundwert, der den bayerischen Durchschnitt wiedergibt. Die höchsten Schadstoffe – insbesondere bei Blei und Kadmium – wurden an den Messpunkten in unmittelbarer Nähe des Schredders gemessen.

Maßnahmen ergriffen

Der Niederlassungsleiter der Schredderanlage von Thyssen Dück, Martin Eberherr, räumte jetzt in der Sitzung des GSB-Umweltbeirates im Baarer Sportheim "Grobstaubprobleme" ein. Man habe bereits einige Maßnahmen ergriffen und erhoffe sich durch eine anstehende Umbaumaßnahme, für die gegenwärtig das Genehmigungsverfahren läuft, deutliche Verbesserungen.

Horst Rottler von der mit dem Biomonitoring beauftragten Firma Ökometric erklärte zunächst das Prozedere der Untersuchung, an deren Finanzierung auch die Firma Thyssen Dück beteiligt ist. An neun Messpunkten im Umfeld der Sondermüllverbrennungsanlage – vier mehr als in den Jahren zuvor – wurde über einen regelmäßigen Zeitraum die Belastung mit Schwermetallen und anorganischen Stoffen im Weidegras ausgewertet. Die höchste Immissionswirkung wurde am Schredderzaun und direkt am Schredder gemessen. Bei Arsen, Kobalt, Mangan, Nickel und Dioxinen beispielsweise seien die Werte hier eindeutig höher als an den anderen Standorten, jedoch immer noch unter dem Orientierungswert des Landesamtes für Umweltschutz (LfU). Als "kritisch hoch" bezeichnete Rottler die Werte von Blei und Kadmium. Hier ist der Futtermittelgrenzwert für Schafe überschritten. Ökometric empfiehlt Kontrolluntersuchungen für Landwirtschaftsprodukte. Die Windrichtung wurde bei der Auswertung mit einbezogen. Hier wird deutlich: "Der Schredder beeinflusst auch weitere Messpunkte." Besonders sichtbar ist dies bei PCB (polychlorierte Biphenyle), wo der Wert am Schredder drei Mal so hoch ist wie im Siedlungsbereich.

Wolfgang Thomas von der Gesellschaft für Umwelt-System-Analyse stellte ein von Thyssen Dück in Auftrag gegebenes Messprogramm vor, das in der Zeit von 2004 bis 2007 durchgeführt worden ist. In diesen drei Jahren wurden über 200 000 Daten gesammelt. In erster Linie seien schrottplatztypische Schadstoffe gemessen worden, aber auch Elemente, die auf andere Quellen hinwiesen. Bei zusätzlichen Bodenproben sei bei Blei der Prüfwert der Bundesschutzverordnung für Wohngebiete überschritten worden, nicht jedoch der für Industriegebiete geltende Wert. GSB-Betriebsratsvorsitzender Gerhard Distl sah angesichts der Immissionsbelastung durch den Nachbarn eine Gefahr für die GSB-Mitarbeiter. Er sprach von Staubschichten auf den auf dem Mitarbeiterparkplatz abgestellten Autos. Der Baar-Ebenhausener Bürgermeister Ludwig Wayand erinnerte an das laufende Genehmigungsverfahren für die Erweiterung von Thyssen Dück und bat das Landratsamt, die Anträge "sensibel" zu prüfen. Anton Westner als derzeit amtierender Landrat sagte dies zu. "Was rechtlich möglich ist, werden wir machen." Auch der Manchinger Bürgermeister Herbert Nerb äußerte sich hinsichtlich der Schredderanlage kritisch. Der mit dem Umbau der Anlage beauftragte Projektleiter Michael Rutschmann stellte die geplante Baumaßnahme vor. Danach sollen unter anderem für Schienen eine mobile Schrottschere anstelle eines Brennschneiders verwendet und Lagerboxen geschaffen werden. Die Staubbelastung soll dadurch reduziert werden. Die Durchsatzleistung der Schrottschere soll auf jährlich 30 000 Tonnen festgelegt werden, die Gesamtmenge der geschredderten Teile auf 150 000 Tonnen. Die Anlieferung soll von Montag bis Samstag von 6 bis 22 Uhr möglich sein, die eigentliche Betriebszeit auf 7 bis 20 Uhr festgelegt werden. In der Sitzung wurden ferner die Pläne der Firma Remondis vorgestellt. Sie bereitet Elektroschrott und Kühlgeräte auf und will offene und geschlossene Hallen errichten.

Stellvertreter gewählt

"Es war ein langer, anstrengender, interessanter Abend", fasste Hermut Stabhuber, der Vorsitzende der Bürgerinitiative die über vier Stunden dauernde Sitzung zusammen. Satzungsgemäß steht der gewählte Pfaffenhofener Landrat dem GSB-Umweltbeirat vor. Weil Josef Schäch vorübergehend vom Dienst suspendiert ist, leitete Stabhuber als stellvertretender Vorsitzender die Sitzung – unterstützt vom 2008 zum Geschäftsführer gewählten Altlandrat Rudi Engelhard.

Nach dem Tod des Baar-Ebenhausener Bürgermeisters Michael Kolisnek musste auch ein neuer Vertreter der Gemeinde im Umweltbeirat gewählt werden. Es ist dies der neue Bürgermeister Ludwig Wayand. Sein Stellvertreter – auch im Umweltbeirat – ist Kurt Mirlach. Wayand wurde auch zum stellvertretenden Umweltbeiratsvorsitzendem gewählt. Das Gremium hat laut Satzung zwei gleichberechtigte Stellvertreter: den BI-Vorsitzenden und den Bürgermeister von Baar-Ebenhausen.

Von Ruth Stückle
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