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Verschwundene Eheringe und auferstandene Comedian Harmonists bei "Magic goes Neuburg"

Alles nur Illusion?

Neuburg
erstellt am 19.11.2014 um 19:01 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 18:15 Uhr | x gelesen
Neuburg (DK) Das Publikum zaubert mit. Was einst eher Kindern vorbehalten war, bleibt bei „Magic goes Neuburg“ auch Erwachsenen nicht erspart. Ganz nah dran waren fünf Zauberer, die für wahrlich magische Momente im Stadttheater Neuburg verantwortlich waren.
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Neuburg: Alles nur Illusion?
Bauchredner Andreas Römer und seine aus dem Publikum rekrutierten Mitspieler Matthias, Ernst und Christoph (v.l.) begeisterten als Comedian Harmonists – wobei den drei jungen Männern lediglich die Gestik blieb, Mund und Stimme bediente Römer - Foto: Hammerl
Neuburg

Wenn die Ingolstädter Zaubertage, organisiert von Sven Catello, in Neuburg gastieren, dann ist größte Vielfalt geboten. Fünf ganz unterschiedliche Künstler geben Kostproben ihres Könnens. Da ist Bauchredner Andreas Römer, der für die große Show taugt, während Sebastian Nicolas eher als Mann der leisen Töne durchgeht, dabei aber nicht weniger fasziniert. Jens Keidel ist der Mann, der auch Gegenständen eine Seele zuschreibt und sie sichtbar macht, indem er eine Spielkarte verbrennt und „transformiert“, wie er es nennt. So erscheint ein graues Herz samt grauer Ziffer 3 dort auf seinem Arm, wo er die Asche der verbrannten Karte verrieben hat. Ob er die Karte kannte? Gesehen hat er sie schon, nicht aber ausgewählt, sondern den Part Zuschauerin Gerti überlassen.

Der Spanier Paco de la Luz unterhält als Moderator, und ebenso als Zauberer mit klassischen Tuch- und Seiltricks. Sven Catello behauptet, alles sei Illusion und versucht sein Publikum davon zu überzeugen, dass es nur denke, dass die DONAUKURIER-Ausgabe, die er vor den Augen seiner Zuschauer in viele Teile sicht, hör- und fühlbar, zerrissen hat, nun kaputt sei. Tatsächlich – plötzlich faltet er sie auseinander und sie ist wieder heil. Alles nur Illusion oder doch Fingerfertigkeit? Noch frappierender sein an Hellseherei grenzender Auftritt, für den er vier Gegenstände durchs Publikum wandern lässt, die zufällig angehalten und von den temporären Besitzern noch einmal weitergegeben werden, so dass jeder Verdacht, es könnte sich um eingeweihte Mitspieler handeln, von vornherein ausgeschlossen ist. Dennoch scheint Catello vorauszuahnen, für welches beliebige Datum, welche beliebige deutsche Stadt und zwei dreistellige Zahlen sich Dieter, Heiner, Marlies und Angela entscheiden werden, denn entsprechende Bezüge finden sich in den vier Gegenständen, so die letzten drei Ziffern eines Geldscheins, ein Zeitungsausschnitt mit Datum 29. Februar oder Lübecker Marzipan. Einfach verblüffend!

Die Frage, wie er es schafft, stellt sich bei Andreas Römer weniger. Er ist Bauchredner, klar. Doch was für einer. Ihm gelingt – scheinbar mühelos – das Kunststück, zusammen mit drei jungen Männern aus dem Publikum die Comedian Harmonists auferstehen zu lassen. Zwar nur zu viert, aber immerhin. Dazu gibt es für jeden Mitspieler eine Maske über den Mund, die Römer via Fernbedienung öffnet und schließt. Natürlich kommt auch der Gesang von ihm, und das Publikum klatscht hingebungsvoll den „Kleinen grünen Kaktus“ und „Ein Freund, ein guter Freund“ mit. Fast schon Standard für Bauchredner ist dagegen der Auftritt mit dem kleinen grünen Alligator, der sein Personenschützer sein will und so herzig schauen kann. Sebastian Nicolas beherrscht sowohl die Kunst, Eheringe verschwinden und an fremden Fingern wieder auftauchen zu lassen als auch verblüffende Taschenspielertricks – mit Karten und Tischtennisbällen, die er kunstfertig und blitzschnell verdoppelt, vervierfacht, zwischen seinen Fingern verschwinden oder auftauchen lässt.

Zwei zauberhafte Theaterstunden, die Vorfreude auf die nächsten Ingolstädter Theatertage schüren.

Von Andrea Hammerl
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