Landkreis Roth

Der Rehkitzretter: So bewahrt Frank Weber junge Tiere vor dem Tod

14.06.2022 | Stand 14.06.2022, 17:27 Uhr

Und wieder ein Reh im hohen Gras aufgespürt: Frank Weber mit Helferin Andrea Bauer und dem Georgensgmünder Bürgermeister Ben Schwarz (von links). Foto: Schmitt

Von Robert Schmitt

In Georgensgmünd hat sich eine Initiative formiert, die Rehkitze vor dem Tod bewahrt. Mit seiner Drohne hat Frank Weber innerhalb von kurzer Zeit schon 20 Jungtiere gerettet.



Bislang ist die Rettung frisch geborener Rehkitze vor großen Mähmaschinen im Landkreis Roth vor allem vom Abenberger Ortsteil Bechhofen ausgegangen. Dort sitzt der Verein „Rehkitzhilfe Franken“ von Simone Schmidt. Neuerdings gibt es auch eine Initiative in Georgensgmünd. Innerhalb von zwei Wochen hat Frank Weber dort zusammen mit einer kleinen Helfermannschaft schon etwa 20 Kitze vor dem Tod bewahrt.

Ehrenamtlich fliegt er mit seiner Drohne, die mit einer Wärmebildkamera ausgestattet ist, in Absprache mit Landwirten und Jagdpächtern die Mähflächen ab. Meist zwischen vier und sieben Uhr morgens. „Das Problem ist“, sagt Weber, „dass es in Georgensgmünd vor allem kleine Flächen an Waldrändern gibt, die weit auseinander liegen.“

Zwei Minuten braucht die Drohne für einen Hektar

Die Größe der Flächen sei dagegen kein Problem, versichert der 38-jährige Techniker. „Zwei Minuten braucht die Drohne für 10 000 Quadratmeter.“ Schwierig wird es allerdings, wenn man, wie neulich, frühmorgens satte 17 Standorte abfahren muss. „Auspacken, fliegen, retten, einpacken und weiter.“ Dennoch will Weber auch in den nächsten Wochen täglich unterwegs sein.

Insgesamt rechnet er mit 50 geretteten Kitzen in dieser Saison. Denn die Rehbabys werden erst drei Wochen nach der Geburt mobil. Wissenschaftliche Erhebungen zeigen, dass etwa 96 Prozent aller Rehkitze im Mai oder Juni geboren werden. Dann ziehen die hochträchtigen „Ricken“, wie man weibliche Rehe nennt, in die ruhigen Teile der Feldflur, um dort ihre Kitze zu setzen.

Per GPS wie von Zauberhand über die jeweilige Wiese

Die Wärmebildkamera überträgt den Rehnachwuchs, der im hohen Gras versteckt liegt, auf einen Bildschirm am Boden. Deshalb ist der kühle Morgen besser als der Rest des Tages. „Die Wiesen haben sich dann noch nicht aufgeheizt. Die kleinen Wärmepunkte der Rehe sind deshalb leichter zu erkennen.“ Drei bis vier Helfer schwärmen dann in die Wiese aus. Frank Weber dirigiert sie zum angezeigten Standort.

Der Drohnenflug geht dabei praktisch automatisch. Wichtig ist der „Feldstücksidentifikator“, FID-Nummer genannt. Jedes Flurstück verfügt über eine solche. Sie kann im Internet ermittelt und in den Steuerungsrechner der Drohne eingegeben werden. Per GPS wird das Gerät dann wie von Zauberhand über die jeweilige Wiese gelenkt. 50 Meter Höhe, 30 Meter Bahnbreite und eine Geschwindigkeit von 3,5 Meter pro Sekunde lauten die Flugparameter. „Mit mehr Übung hat es immer besser funktioniert“, sagt Weber, der nebenbei auch noch einige Baby-Hasen aufgespürt hat.

Angeschafft hat sich Frank Weber die Drohne im vergangenen Jahr für gewerbliche Zwecke zugelegt. Auch für unsere Zeitung hat er schon eindrucksvolle Luftaufnahmen wie etwa von der Großbaustelle am Hilpoltsteiner Kränzleinsberg gemacht. Die Rehkitzhilfe leistet er nun auch aus familiärer Tradition. „Mein Großvater ist Jäger in Eckersmühlen, da war das mitunter ein Thema“, erzählt er.

Die Prüfung für den Drohnen-Führerschein hat Weber absolviert und er besitzt auch sonst sämtliche Bescheinigungen, die für seine Tätigkeit erforderlich sind. Denn die Bürokratie schlägt auch hier zu. Laut Drohnenverordnung ist der Flug mit bis zu zwei Kilo Gesamtgewicht weniger reglementiert. „Darüber wird es teuer“, sagt Weber.

Schwierigkeit mit dem Rezatgrund

Doch die Regelungen rund um den Drohnenflug sind nicht die einzige Schwierigkeit. Probleme macht in Georgensgmünd und Umgebung vor allem der Rezatgrund. „Er ist europäisches Naturschutzgebiet und darf ausschließlich in 100 Metern Höhe überflogen werden“, sagt Weber. Die Kooperation mit Landwirten und Jägern läuft dafür prima. „Das Angebot hat sich rumgesprochen und viele kommen auf mich zu“, beschreibt Weber die Zusammenarbeit, die eine große Bedeutung hat. Schließlich werden jährlich deutschlandweit etwa 100 000 Kitze beim Mähen getötet.

HK