Trinkwasser im Fokus
„Lebensgrundlagen verteidigen“: Bündnis zeigt in Harrlach Flagge gegen ICE-Werk

21.11.2022 | Stand 19.09.2023, 3:57 Uhr |

Mit dem neuen Banner verweist die Bürgerinitiative „Kein ICE-Werk in Harrlach“ auch auf ihr breites Unterstützerfeld. Foto: Masopust

Harrlach – Wasser ist das dominierende Thema bei der Enthüllung eines großen Banners am Freitag in Harrlach gewesen. Beziehen doch rund 200.000 Menschen ihr Wasser aus genau dem Gebiet, in dem die Bahn plant, ein Werk zur Reinigung und Wartung von Zügen zu errichten. Man müsse die „Lebensgrundlagen verteidigen“, heißt es auch aus der Politik.



Die Bürgerinitiative „Kein ICE-Werk in Harrlach“ hatte zahlreiche Unterstützer aus Politik und von Verbänden eingeladen, um gemeinsam ein großes Banner zu enthüllen, das auf genau diese Gefahr hinweist. Sprecherin Petra Seitz betonte, dass man im Mai vergangenen Jahres bei Null gestartet sei und die 145 Harrlacher ganz auf sich allein gestellt waren. „Aber durch geduldige Überzeugungsarbeit und Informationsaustausch hat sich jetzt eine breite Unterstützerfront gebildet, die mit der Bürgerinitiative gegen ein ICE-Werk bei Harrlach kämpft.“

Das gallische Dorf namens Harrlach



Den Anfang der Politikerriege machte Dietmar Helm (CSU), dritter Bürgermeister der Stadt Fürth, die die Hälfte ihres Wassers aus der Harrlacher Gegend bezieht: „Wasser ist schon jetzt nicht mehr selbstverständlich und in Zukunft ein enormer sozialer Sprengstoff.“ Gleiche Bedenken äußerte die Fürther Grünen-Abgeordnete Barbara Fuchs, die betonte, dass Umwelt und der Umgang mit Ressourcen uns alle etwas angingen. „Wir müssen unsere Lebensgrundlagen verteidigen.“

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Roths Bürgermeister Andreas Buckreus (SPD) appellierte, das Interesse an diesem Thema in der Öffentlichkeit nicht einschlafen zu lassen. Schwanstettens Bürgermeister Robert Pfann (SPD) griff den Vergleich der Harrlacher mit einem gallischen Dorf auf, das gegen die Übermacht der Bahn kämpft. Bei immer heißeren Sommern wachse die Bedeutung ausreichenden Trinkwassers, der kürzlich gefundene, streng geschützte Steinkrebs sei hier wie ein Sechser im Lotto.

Auch Landrat Herbert Eckstein (SPD) betonte erneut seine Unterstützung: „Die Sachlichkeit, Informationstiefe und fundierte Argumentation der Bürgerinitiative haben mich überzeugt.“ Dieses faire und ausdauernde Engagement habe die volle Unterstützung durch den Kreistag, der geschlossen Position gegen dieses Projekt beziehe. Er habe selten ein so breites Bündnis aus Politik und Verbänden erlebt.

Verbandsvertreter bezogen eindeutig Stellung



Eindeutig Stellung bezogen auch die Vertreter der Verbände. Der frisch gekürte Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, Günther Felßner, betonte „dass auch für eine nachhaltige Mobilitätswende Planungen ressourcenschonend erfolgen müssen“. Gerade bei Harrlach sei der Schaden an der Natur erheblich, auch landwirtschaftliche Flächen spielten angesichts des Klimawandels eine zunehmende Rolle und stünden nicht als billige Ausgleichsfläche zur Verfügung. Norbert Schäffer, Vorsitzender des Landesbundes für Natur- und Vogelschutz, betonte, dass viele Einzelentscheidungen letztlich für die Klimaentwicklung verantwortlich sind. „Wir werden dran bleiben, den Wald geben wir nicht auf“, versicherte er.

Den Abschluss der Rednerliste bildete der Nürnberger BN-Kreisvorsitzende Klaus-Peter Murawski. Laut Umweltministerium werde Nürnberg die trockenste und heißeste Stadt Bayerns werden, da zähle jeder Quadratmeter Wald, so Murawski. Der BN habe deshalb das Bündnis „Rettet den Reichswald“ gegründet, das viele Bürgerinitiativen umfasst und gegen mehrere Projekte im Reichswald aktiv ist. Bei dem ICE-Werk habe zudem die Politik eine entscheidende Rolle gespielt. Laut Murawski präferierte die Bahn ursprünglich den Standort Mannheim mit bahneigenem Gelände, „und nur auf Betreiben von Eisenbahn-Gewerkschafter Martin Burkert hat man sich für den Großraum Nürnberg entschieden. Der BN wird daher den Rechtsweg voll ausschöpfen, notfalls bis zum Bundesverwaltungsgericht in Leipzig.“