Narren kennen kein schlechtes Wetter

Tausende bejubeln den Gaudiwurm des OCV von Reichertshausen nach Steinkirchen

11.02.2024 | Stand 11.02.2024, 19:00 Uhr |

Mit Schirm und Regencape im Discofieber waren diese junge Frauen. Auch den Zuschauern machte das üble Wetter keine schlechte Laune. Fotos: Kellerer

Es war kalt, es war windig, es hat geregnet – und es war „mega“, wie es ein verkleideter Besucher am Rande ausdrückte. Am Sonntag hat sich der Gaudiwurm des OCV traditionsgemäß trotz Schmuddelwetters von Reichertshausen nach Steinkirchen ganz traditionsgemäß in Bewegung gesetzt – heuer bereits zum 55. Mal. Nur regnete es heuer eben leider nicht nur „Guatl“ von den zehn Faschingswagen und aus den Reihen der knapp 40 Fußgruppen, die die rund sechs Kilometer lange Strecke auf sich nahmen.

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Auch die bestimmt mehr als 1000 Besucher an den Straßenrändern jubelten den nach vielen Mottos bunt maskierten 980 Teilnehmern des Faschingsumzugs begeistert zu. Aufs Korn genommen wurde hier die Bundes-, aber auch die Lokalpolitik. So rief ein Wagen dazu auf: „Spenden Sie für unverschuldet in Not geratene Bürgermeister“. Ein anderes Gefährt, gezogen von einem Sattelschlepper, zog eine riesige Arche Noah hinter sich her. Darauf viele junge Menschen in Tierkostümen, die konstatierten: „Deutschland versinkt – rette sich, wer kann“.

Angesichts der riesigen Schlepper, die die Bühnen mit dem feiernden Partyvolk aus Landjugend und Vereinen hinter sich herzogen, hieß es auch treffenderweise: „Ohne Landwirte keine Faschingsumzüge“. Ein riesiger Kampfjet, gezogen von einem Achtzylinder, zog bewundernde Blicke auf sich. Er wurde in Anspielung auf die marode Bundeswehr abgeschleppt. Der Burschenverein Freinhausen hatte die Idee.

Scheichs und der Pumuckl



„De Gmoakass is laar, an Ölscheich finna is schwaar“, verkündeten verkleidete Scheichs und Haremsdamen von einem Wagen herunter, während sich eine andere Faschingsgruppe ganz unpolitisch einfach freute, dass der Pumuckl wieder da ist – gemeint war wohl die neue Verfilmung des Klassikers.

Discogirls und -boys im Glitzerlook mit Regencape, fröhliche Schönwetterwölkchen, lustige Schwammerl, eine ganze Schar antiker Griechen und Römer samt trojanischem Pferd, gefüllt mit Hochprozentigem und Süßem, und die Ilmtaler Musikanten als Papageien rundete mit vielen anderen phantasievollen Kostümen das bunte Bild ab. Inkognito ging auch heuer einmal mehr Andrea Dick, ihres Zeichens Präsidentin des OCV: Wer einer imposant gekleideten Krähe begegnete, die zudem noch Geld zur Finanzierung des bunten Spektakels sammelte, der könnte ihr begegnet sein.

Schöner als in Nürnberg



Auch das Publikum am Rande des Umzugs, der von den Feuerwehren der Gemeinde Reichertshausen und Sicherheitskräften abgesichert und begleitet wurde, harrte geduldig am Straßenrand aus, Haunstettener Böllerschützen traditionsgemäß den Startschuss am Versammlungsort, dem Bauhof gaben. Freilich waren für die Kinder die großzügig geworfenen Bonbons das Wichtigste, während sich die Erwachsenen am Spektakel freuten.

Kerstin Bachmann aus Nürnberg, die mit ihrer Familie zu Besuch in Reichertshausen war, meinte sogar, der OCV-Gaudiwurm sei besser als der in der Frankenmetropole. Als Faschingsprofi outete sich als Beobachter am Straßenrand der 96-jährige Karl Pfleger. Seit 50 Jahren ist der Laushamer mit Begeisterung dabei.

PK