Ehekirchen

Sauberes Wasser für ein Jahrhundert

Neue zentrale Kläranlage für 7,4 Millionen Euro am Samstag mit Tag der offenen Tür eingeweiht

26.09.2022 | Stand 26.09.2022, 11:00 Uhr

Einige interessierte Bürger ließen sich die Funktion des Millionen-Projekts erklären. Foto: Budke

Von Heidrun Budke

Ehekirchen – Nun ist sie offiziell in Betrieb, ihren Dienst verrichtet sie bereits seit Oktober 2021 problemlos: Die neue zentrale Kläranlage der Gemeinde Ehekirchen. Planungsbeginn war vor gut zehn Jahren, Baubeginn im Februar 2019. Mit 7,4 Millionen Euro wurden die angesetzten Baukosten um 200000 Euro überschritten. Umweltschutz und Nachhaltigkeit waren wichtige Gedanken auf dem Weg zur Umsetzung. Am Samstag konnte sich nun die breite Öffentlichkeit ein Bild vom brandneuen Bau machen.

Pünktlich um 9 Uhr begann Ehekirchens Bürgermeister Günter Gamisch (FW) mit der Begrüßung der Gäste. Zu dem Zeitpunkt waren vor allem Vertreter des Landkreises, der umliegenden Gemeinden sowie der beteiligten Firmen zur Einweihung der neuen Zentral-Kläranlage gekommen. Im Laufe des Vormittags trafen nach und nach interessierte Bürger ein, die sich ihre Kläranlage anschauen wollten. Immerhin haben sie bereits Abschläge in Form von Verbesserungsbeiträgen gezahlt.

„Das ist die unangenehme Seite“, wusste das Gemeindeoberhaupt, „die Höhe der Beiträge hat manche sehr getroffen.“ Doch er betonte, die Gemeinde habe keine andere Möglichkeit gehabt: „Wir sind gezwungen, diese einzufordern.“ 75 Prozent der Kosten sind darüber nun gedeckt, erklärte Gamisch, weitere 15 Prozent werden über die Abwassergebühren abgerechnet. Eine weitere Zahlung werden die Bürger noch leisten müssen und zwar wohl noch in diesem Jahr, denn sonst kollidiere die ausstehende Abrechnung mit dem Haushaltsplan, auch wenn die Schlussrechnung dann noch nicht vorliegt.

Einig waren sich Gamisch und Stefan Steinbacher, Geschäftsführer des gleichnamigen Planungsbüros, darin, dass es ein Glück sei, dass man nahezu im Kostenrahmen geblieben ist: „Es wurde zum richtigen Zeitpunkt die richtige Entscheidung getroffen“, so Steinbacher. Wegen der gegenwärtigen Krisen sähe das derzeit oft anders aus.

Neben den Kosten sahen alle Gratulanten den Punkt als entscheidend, dass die Gemeinde nun eine Kläranlage habe, die dem Zukunftsgedanken Rechnung trage. Sabine Schneider (SPD), stellvertretende Landrätin, sagte: „Die Investition wird sich für lange Zeit lohnen – Sie leisten einen Beitrag zu Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Dafür möchte ich Lob und Dank aussprechen.“

Stefan Steinbacher lenkte den Blick der Zuhörer auf die Bedeutung von sauberem Wasser an sich: „Nur 2,5 Prozent des Wassers auf der Erde sind Süßwasser. 2,2 Milliarden Menschen weltweit haben keinen regelmäßigen Zugang zu sauberem Wasser – ich glaube, es werden in Zukunft Kriege um sauberes Wasser geführt.“ So solle man alles dafür tun, sauberes Wasser zur Verfügung zu stellen: „Das ist ein wichtiger Beitrag, den wir als Gesellschaft leisten müssen.“

Dies habe die Gemeinde Ehekirchen mit der Entscheidung für das Konzept der neuen zentralen Kläranlage getan. Den Planungsauftrag erhielt Steinbacher Consult bereits 2011. Die Planungsphase habe viel Zeit in Anspruch genommen, damit eine Lösung gefunden wurde, die Gemeinde und Bürger mittragen. Steinbacher betonte: „So eine Kläranlage ist ein Jahrhundertbauwerk – die wesentlichen Bestandteile der Kläranlage werden auch in 100 Jahren noch ihren Dienst tun.“

Auch Gamisch hatte den Nachhaltigkeits- und Zukunftsgedanken unterstrichen, etwa am Beispiel der PV-Anlage mit einer Leistung von 60 Kilowatt Maximalleistung, die auf dem Dach des Betriebsgebäudes installiert wurde: „Wir haben ein bisschen vorausgedacht, denn das ist das nächste Thema, das die ganze Republik betrifft“, stellte Gamisch fest. Durch den Solarstrom könne „ein erheblicher Teil des Energieverbrauches der Kläranlage selbst regenerativ erzeugt“ werden.“

Nach den Grußworten übernahm Pfarrer Vinson Nirappel die Segnung der Kläranlage. Im gemeinsamen Gebet hieß es, die Anlage „möge ihre Aufgabe zum Nutzen der Menschen erfüllen und dem Wasser seine natürliche Kraft und Reinheit zurückgeben.“ Danach segnete der Pfarrer mit dem Weihwasser den Bereich vor dem Betriebsgebäude und bedachte auch das Kombibecken als Zentrum der Kläranlage mit dem kirchlichen Segen.

Anschließend konnten sich die Bürger bei einer Führung über die Kläranlage informieren. Sebastian Homeyer, der als Fachkraft für Abwassertechnik für den laufenden Betrieb verantwortlich ist, gestaltete dies sehr informativ und anschaulich. Die Teilnehmer werden nun wohl keine Hygieneartikel oder Reste vom Sonntagsmenü in der Toilette entsorgen, denn diese kommen eindeutig identifizierbar in der ersten Station der Kläranlage, dem Grobrechen an. Falls jemand auf die abwegige Idee kommen sollte, im Sommer im Wasser des Kombibeckens eine Runde zu schwimmen, dem konnte er das gleich ausreden: „Es ist nicht möglich, denn durch den Sauerstoff im Wasser hat man so viel Auftrieb, dass man nicht schwimmen kann.“

Aktuell reinigt die Anlage das Abwasser aus Schönesberg und Ehekirchen. Die übrigen Ortsteile werden – beginnend mit Seiboldsdorf, Dinkelshausen und Hollenbach – in den nächsten Jahren angeschlossen. So ist zwar das laut Gamisch wohl bisher „größte Bauprojekt der Gemeinde Ehekirchen“ fertig, das Thema Abwasserbeseitigung wird die Gemeinde jedoch weiterhin beschäftigen.

DK