Riedenburg

Bei Volksmusik den Alltag vergessen

45 Amateurmusiker proben in dieser Woche in Riedenburg – Neue technische Kniffe lernen

04.08.2022 | Stand 04.08.2022, 14:40 Uhr

Die Harfenistinnen Paula Streicher und Anna Eberl üben unter Anleitung von Ragnhild Kopp, der Organisatorin der Riedenburger Volksmusikwoche. Foto: Erl

Von Lorenz Erl

Riedenburg – Vor wenigen Tagen ist die Mittelschule in Riedenburg noch erfüllt gewesen vom quirligen Treiben der Schüler. Wer jetzt an dem Gebäude vorbeigeht, hört zarte Volksmusikklänge aus den geöffneten Fenstern. Kenner wissen: Jetzt ist wieder die Zeit der Volksmusikwoche, die schon seit 55 Jahren immer in der ersten Ferienwoche in der Dreiburgenstadt eine Heimat gefunden hat.

„Riedenburg ist ideal für uns, es liegt zentral in Bayern, ist als Tourismusort noch nicht überlaufen und die Gemeinde kommt uns mit der Nutzung der Räumlichkeiten und der Seebühne sehr entgegen“, betont Ragnhild Kopp, die Organisatorin und Leiterin dieser Volksmusikwoche. Etwa 45 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind diesmal mit dabei, um als Amateurmusiker noch etwas dazuzulernen und in der Gemeinschaft zu musizieren.

Vor der Corona-Pandemie waren es deutlich mehr. „Es ist schon schwer, nach Corona wieder anzufangen. Aber die Musiker sind gesellige Menschen und man möchte ja nicht nur für sich spielen“, formuliert Kopp ihre Hoffnung auf einen Anschluss an alte Zeiten.

Die Teilnehmer haben teilweise lange Anfahrtswege hinter sich. Die weiteste Reise hatten Hobbymusiker aus Paderborn und Baden-Württemberg. Zumeist aber kommen sie aus der Region zwischen München, Landshut, Regensburg und Nürnberg.

Aber auch ein paar Leute aus der Region haben den Weg zur Mittelschule gefunden. Eine von ihnen ist die 22-jährige Anna Eberl aus Tettenwang, sie spielt seit 14 Jahren Harfe. „Auf diesem Instrument spiele ich alles von Klassik bis Volksmusik. Ich bin zum ersten Mal hier dabei und möchte in der Gruppe musizieren und andere Leute kennenlernen, die auch Musik machen. Dafür habe ich extra Urlaub genommen“, sagt die Beamtin.

Wohl eine der Jüngsten ist Paula Streicher (15) aus Antdorf bei Penzberg. „Ich kann hier intensiv üben, Tag für Tag“, sagt die Teenagerin, die bereits seit zehn Jahren ihre Harfe zupft. Volksmusik mag sie gerne, sie möchte sich aber ebenso im klassischen Bereich weiterentwickeln.

Auch heuer hat Ragnhild Kopp für die Teilnehmer ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm für die Freizeit organisiert. Von der musikalischen Gestaltung der Abendmesse in der Pfarrkirche am Montagabend über ein gemeinsames Musizieren im Gasthof Krone in Prunn und einer botanischen Wanderung durch Riedenburg am Mittwoch mit Zielpunkt Fasslwirtschaft samt gemeinsamem Musizieren haben sich die Musiker immer auch den Menschen in der Region geöffnet. Am Donnerstag spielten sie sogar zusammen mit Mitgliedern der Riedenburger Stadtkapelle ein Konzert auf der Seebühne.

Dass ihr Blickwinkel auf die Volksmusik dabei keine klare Trennlinie zwischen den Musikrichtungen zieht, zeigt schon ein Blick auf die Referententruppe. Da sitzt ein weißhaariger Posaunist mit Trachtenhut und Lederhose ganz entspannt mit einem jungen Ziach-Spieler in Baseballkappe und T-Shirt samt einer jungen Trompetenspielerin im Sommerkleid am Tisch. Sie proben für den unterhaltsamen Abend in der Fasslwirtschaft. Die sechs spielen ihre Musik nicht nur gemeinsam, sondern auch überaus harmonisch zusammen.

Claudia Schachner (61) aus Neuses bei Augsburg spielt selber die Steyrische und hört aufmerksam zu. „I komm immer wieder gerne, weil es so ein schönes Ländle isch mit so nette Leut“, sagt die Schwäbin. Sie möchte ebenso wie alle anderen mit ihrer Musik nicht alleine sein, sondern mit gleichgesinnten Leuten musizieren und in dieser Woche in Riedenburg ein paar technische Kniffe lernen. „Volksmusik spricht uns alle direkt an. Man vergisst hier den Alltag und nur die Musik spielt eine Rolle – und man darf Dialekt schwätze“, sagt sie und lacht.

Die Referenten Josef Pertl (29) aus Ainring bei Freilassing und seine Freundin Magdalena Kufer (23) sind deutlich jünger als die meisten Seminarteilnehmer. Weder die beiden noch ihre Schüler sehen darin ein Problem. „Mit den älteren Leuten ist es nicht anders als bei Kindern. Jeder möchte was dazulernen, das Generationenübergreifende ist ja gerade das Schöne hier“, bestätigen beide.

DK