Kindern eine Zukunft schenken

„1000 Schulen für unsere Welt“: Ingolstädter Paar finanziert Neubauprojekt in Tansania

24.09.2022 | Stand 24.09.2022, 18:41 Uhr

Für viele Kinder in Afrika ist der Schulweg, wenn sie überhaupt Bildungsmöglichkeiten haben, eine wirkliche Strapaze – für manche beginnt der Tag schon um 4 Uhr früh, um nach vier Stunden Fußmarsch rechtzeitig im Unterricht zu sein. Der Heimweg ist noch einmal so lang. Fotos: Stefan Rößle

Man kann sein Leben genießen, als gäbe es kein Elend auf dieser Welt. Oder man wählt einen anderen, dankbareren Weg: Ein Ingolstädter Ehepaar, beide 62 Jahre alt, hatte sich schon länger Gedanken darüber gemacht, wie es etwas von seinem Wohlstand zurückgeben und zur Nachhaltigkeit beitragen kann. Es hat sich dafür entschieden, in Afrika eine Schule zu finanzieren.



Der Ingolstädter und seine Frau tragen einen in der Schanz durchaus bekannten Namen, er arbeitet in herausragender Stellung. Sie wollen mit ihrem Engagement anonym bleiben, hoffen aber, dass andere ihrem Beispiel folgen. „Uns geht es doch gut, wir sind finanziell gesichert und haben alles, was wir brauchen“, sagen sie. „Der Besitz von Luxusartikeln interessiert uns nicht.“

„Man muss auch Mädchen eine Chance geben“

Viel lieber wollen die beiden 62-Jährigen ihr Geld für sinnvolle Dinge ausgeben. Ein altes chinesisches Sprichwort bot ihnen Orientierung: „Planst du für ein Jahr, säe Reis. Planst du für ein Jahrzehnt, pflanze Bäume. Planst du fürs Leben, erziehe Menschen.“ Bildung ist der Schlüssel, um die Lage auf der Welt zu verbessern, da sind sich die Eheleute einig. „Man muss vor allem auch Mädchen und Frauen eine Chance geben“, sagt die Spenderin. Ein vergleichsweise bescheidener Betrag reicht dafür aus: 70.027 Euro sind für den Neubau veranschlagt, der natürlich mit Schulbauten hierzulande nicht vergleichbar ist. Die Mutter der Ingolstädterin sitzt mit im Boot und trägt mit einem Vorabteil des Erbes zum Gelingen bei.

Das Projekt wird in Tansania als Satellitenschule einer bereits bestehenden Unterrichtsstätte im Bezirk Malambo verwirklicht. Es ist Teil des Programms „1000 Schulen für unsere Welt“, initiiert vom Donauwörther Landrat Stefan Rößle. Der 58-Jährige war um Ostern in privater Mission genau dort und hat die Dringlichkeit mit eigenen Augen und Ohren mitbekommen. „Die bestehende Schule ist viel zu klein. In den Städten macht der Staat inzwischen was, auf dem Land sieht es dagegen noch übel aus“, berichtet er. So traf Rößle im Bezirk Malambo auf ein Mädchen, das mit seinen Eltern in Lehmhütten lebt. Es muss täglich gegen 4 Uhr früh aufstehen und vier Stunden Fußmarsch auf sich nehmen, um zur Schule zu kommen. „Und nach dem Unterricht geht es dann noch einmal so lang zurück.“

Landrat Rößle begrüßt das Engagement des Paares

Die Ausbildung von Mädchen ist im Land oft noch immer nicht gern gesehen. „Die Väter wollen lieber, dass sie daheim bleiben und arbeiten. Wenn es in der Nähe keine Schule gibt, erhalten sie meistens gar keine Bildung“, sagt Stefan Rößle. Deshalb kann er das Engagement des Ingolstädter Ehepaares nur begrüßen. „Das Geld wird genau an der richtigen Stelle investiert.“

Die Spender verbinden damit eine weitere Hoffnung: „Wenn die Menschen ausgebildet sind, lassen sie sich künftig vielleicht nicht mehr so leicht von anderen ausbeuten. Dann kann Afrika Gewinne aus Bodenschätzen selbst abschöpfen und die Länder aufbauen. Bildung ist der Schlüssel, damit die Menschen in ihrer Heimat bleiben, denn sie bietet ihnen eine Perspektive“, sagt der 62-Jährige. Der Schulbau hat bereits begonnen, im Oktober soll Einweihung sein. Geplant sind drei Klassen für etwa 200 Kinder plus Toiletten und eine Küche.

Schon 193 Unterrichtsstätten auf den Weg gebracht

Stefan Rößle gilt als Vater und Motor des deutschlandweiten Projekts „1000 Schulen für unsere Welt“. Animiert von der Arbeit der Stiftung Fly & Help von Reiner Meutsch, die weltweit spendenbasierte Unterrichtsstätten in Entwicklungsländern baut, hat der 58-Jährige seit 2017 durch ständiges Trommeln für die Sache – aktueller Stand – 193 Schulen auf den Weg gebracht. Er selbst finanzierte fünf Neubauten aus eigener Tasche. Rößle motivierte viele Kommunen, Landkreise, Firmen und Privatleute zum Mithelfen, darunter in Aichach-Friedberg, Ingolstadt, Deggendorf und Passau. Allein 56 Projekte sind es in „seinem“ Kreis Donau-Ries. In Gaimersheim (Kreis Eichstätt) griffen die Eheleute Elisabeth und Josef Brandl für ein Schulhaus in Mosambik in die Schatulle, im Kreis Neuburg-Schrobenhausen finanzierte eine Familie anonym ein Projekt in Nepal. Ein Familienvater aus dem Kreis Eichstätt verwirklichte eine Unterrichtsstätte in Ghana, und eine Frau und ein Mann aus Ingolstadt gaben jeweils anonym Geld für Bauten in Malawi und Togo.

Die Idee macht also Schule, und auch die aktuellen Spender aus Ingolstadt haben noch weitere Pläne. „Wir können uns durchaus vorstellen, ein zweites Projekt zu finanzieren“, sagt die Frau. „Man hinterlässt einen ideellen Wert und einen Fußabdruck, das ist ein schönes Gefühl. Es macht uns glücklich, Kindern eine Zukunft schenken zu können.“