Sommernacht der Museen
Großer Andrang herrschte am Samstag in den Ingolstädter Museen

10.09.2023 | Stand 12.09.2023, 15:34 Uhr |

An der Stirnlampenführung durch den Arzneipflanzengarten hinter der Alten Anatomie wollten deutlich mehr Menschen teilnehmen als Lampen zur Verfügung standen. Handyleuchten brachten Quitten, Mönchspfeffer und die anderen Pflanzen, die Apothekerin Sigrid Billig beschrieb, aber auch gut zur Geltung. Fotos: Hauser

Als perfektes „Museumswetter“ gelten gemeinhin eher ungemütliche Bedingungen. Dass sich auch ein warmer Spätsommerabend gut für Ausstellungsbesuche eignet, hat die Nacht der Museen am Samstag in Ingolstadt bewiesen.



Es war gerade 22 Uhr geworden, als am Eingang zum Deutschen Medizinhistorischen Museum der Gästezähler auf 1900 sprang. „Im vergangenen Jahr hatten wir insgesamt rund 1800 Gäste“, freute sich Museumsdirektorin Marion Ruisinger. Und die Nacht war ja noch lange nicht zu Ende.

Nur Robert Hensel hatte zu diesem Zeitpunkt schon seit einer halben Stunde Feierabend. Seinen Crêpe-Stand hinter dem Museum für Konkrete Kunst hatte er bereits geschlossen. Er hatte keinen Teig mehr. „Ich hatte so kalkuliert, dass es bis Mitternacht hätte reichen sollen.“ An der großen Nachfrage merke man, dass „viele Familien mit Kindern“ unterwegs waren. Bei denen finden seine Leckereien erfahrungsgemäß besonders viel Anklang.

Menschentrauben vor der Tür



Die Zahlen im Medizinhistorischen Museum – am Ende waren es exakt 2383 Besucherinnen und Besucher – sind ein guter Gradmesser für den Zuspruch der Nacht im ganzen. Viele Gäste nutzen die kostenlose Parkmöglichkeit an der Jahnstraße und steuern zuerst das nur wenige Meter entfernte Museum an und besorgen sich das Zulassungsbändchen für alle Museen. Schon vor der Öffnung hatten sich Menschentrauben vor der Tür gebildet, berichtete Ruisinger.

Im Stadtmuseum sind die Erfahrungen ähnlich. Wie „losgelassen“ seien die Menschen gekommen, freut sich Leiterin Beatrix Schönewald. Schon die ersten Führungen seien sehr gut besucht gewesen. Drei davon hat Christina Nickl geleitet. „Das Interesse war wirklich enorm“, sagt sie. „Ich bin meist mit 15 Leuten gestartet und am Ende waren es 40.“ Stadtarchäologe Gerd Riedel, der im Museum an einer Informationsstation im Einsatz war, kann sich an Zeiten erinnern, in denen er bei der Nacht der Museen zwischendurch am Laptop gearbeitet hat. Die Zeiten sind – glücklicherweise – vorbei. Für Schönewald ist die Nacht der Museen stets ein besonderer Höhepunkt im Jahr. Sie schätzt vor allem das Gefühl der Verbundenheit mit den anderen Häusern.

Fahrendes Kunstwerk präsentiert



Viel los war auch im Neuen Schloss. Das Team des Bayerischen Armeemuseums hatte etlichen Führungen und Live-Speaker im Angebot und auch den Korso historischer Einsatzfahrzeuge organisiert, der vor allem bei der Zwischenstation auf dem Rathausplatz die Blicke auf sich zog. Im Museum mobile spielte sich die Brass-Band Men in Blech durch die Etagen. Im Heimatmuseum Niemes und Prachatitz demonstrierten Helmut Kindl, Andrea Kopetz und Elke Trübswetter historisches Handwerk. Klöppeln, Stricken und die Fertigung der aufwendigen Goldhauben weckten das Interessen vor allem bei Kindern, berichteten sie.

Das Programm des Museums für Konkrete Kunst spielte sich nicht nur in den Ausstellungsräumen der ehemaligen Donaukaserne ab. Jede halbe Stunde gab es einen kleinen Eindruck vom Programm der Tanztage – dabei wurde auch im Skulpturengarten getanzt. Am Theaterplatz hatte das Museum außerdem ein begehbares Exponat geparkt: den neu designten Bus, der künftig als fahrendes Kunstwerk für die INVG im Einsatz sein wird. Museumsleiterin Theres Rohde und der Künstler Lars Breuer, der den Bus gestaltet hat, luden zum Gespräch in das Gefährt. Manch eine Besucherin und Besucher hielt das Fahrzeug allerdings für einen Teil der historischen Busflotte, die auch in diesem Jahr die einzelnen Museen verband. Einige nutzen ihren Irrtum zum besten und blieben im Bus sitzen, um Rohde und Breuer zuzuhören.

Zweifellos ein Highlight waren die Konzerte von Leonie Hell (Oboe) und Quirin Witty (Cello), die im Lechner Museum Duos von Joseph Fiala und Ludwig van Beethoven spielten. Außerdem eine Suite von Johann Sebastian Bach – da wurde es im Trubel der durchweg gelungenen Nacht der Museen 2023 zeitweise ganz still.