Ingolstadt

Hilfe für Helfer: Wie Einsatzkräfte und Betroffene mit Traumata umgehen

25.01.2023 | Stand 25.01.2023, 11:24 Uhr

Einsatzkräfte werden oft mit einschneidenden Szenarien konfrontiert. Doch für die Helfer gibt es Hilfe. Und die kommt oftmals aus den eigenen Reihen. Foto: IMAGO/localpic

Einsatzkräfte werden im Laufe ihrer Tätigkeit immer wieder mit schweren Schicksalen, aber auch Extremsituationen konfrontiert. Als Mitte Januar ein Mann unvermittelt auf die Münchener Straße tritt, wird er von einem Bus erfasst. Er stirbt noch an der Unfallstelle.

Für Passanten, Fahrgäste und den Busfahrer ein traumatisches Ereignis. Von den Angehörigen natürlich ganz zu schweigen. Für Polizisten, Feuerwehrleute und Sanitäter wiederum eine immer wiederkehrende Tragödie, mit denen sie im Berufsalltag umgehen müssen. Doch wie ein solches Bild verarbeiten?

Zwar sei die Berufsfeuerwehr in diesem konkreten Fall „nur“ angefordert worden, um einen Sichtschutz aufzubauen. Doch Bilder eines Unfalls können sich ins Unterbewusstsein schleichen, sich wie eingebrannt im Gedächtnis immer wieder abspielen. „Bei uns geht es familiär zu“, erzählt Thomas Schimmer, Pressesprecher der Ingolstädter Wehr.

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Die Mannschaft sei sensibel, behält vor allem junge Kameradinnen und Kameraden nach entsprechenden Vorfällen im Auge. Gerade nach den Einsätzen, beim Aufräumen, komme die nachdenkliche Phase. „Da werden dann Gespräche geführt“, so Schimmer weiter.

Doch auch, wenn den Wehrleuten einzelne Schicksale nahe gehen. „Gerade, wenn Angehörige an die Unfallstelle kommen oder es handelt sich um Personen aus dem eigenen Umfeld.“ Ansonsten aber funktioniere jeder und jede einzelne an der Einsatzstelle tadellos. Schimmer: „Da ist man im Einsatzmodus.“

„Heute nimmt man das ernster.“ Thomas Schimmer, Berufsfeuerwehr Ingolstadt

Im Gegensatz zu früher aber habe sich einiges geändert. Damals hieß es noch: Stell dich nicht so an. „Heute nimmt man das ernster.“ Das zeigt sich auch daran, dass es mittlerweile bei der Berufsfeuerwehr geschulte Kameradinnen und Kameraden in psychosozialer Notfallversorgung (PSNV) gibt, an die sich die Kollegen wenden können.

Das gelte auch für die Freiwillige Feuerwehr. „Wir wollen das künftig auch noch weiter ausbauen“, sagt der Feuerwehrpressesprecher. Ebenso werde PSNV von weiteren Hilfsorganisationen angeboten. Sowohl für Einsatzkräfte als auch für Betroffene.

Diese würden beispielsweise Busfahrer nach einem Unfall bereits an der Unfallstelle betreuen, schreibt Robert Frank, INVG-Geschäftsführer, auf Nachfrage. „Der Busfahrer wird zudem noch am gleichen Tag vom Dienstplan entbunden.“ Zudem werde er dann, wenn nötig, von einem Arzt krankgeschrieben.

Weitere Betreuung oder sogar psychologische Therapie sei möglich. „Nach Rückkehr aus der Krankenzeit kann dem Betroffenen bei Bedarf eine gleitende Wiedereingliederung angeboten werden“, so Frank weiter. Beispielsweise fahre der Kollege oder die Kollegin dann zunächst mit einem leeren Bus. Auch „Schondienstpläne“, also weniger anstrengende Schichten, seien eine weitere Möglichkeit.

Unfälle wie diese im ÖPNV eher selten

Im ÖPNV seien solche Vorfälle wie der in der Münchener Straße jedoch selten. Derzeit werde von dem Unfall noch ein Gutachten erstellt, sagt Sybille Hauf von der Verkehrspolizeiinspektion Ingolstadt im Gespräch mit dem DONAUKURIER.

Was zu dem tragischen Ereignis geführt habe, sei nach wie vor unklar. „Die Ermittlungen dauern an“, sagt sie. Dass das Gutachten noch nicht vorliege, sei völlig normal. Spuren müssten ausgewertet werden, Vernehmungen stattfinden. „Das dauert mehrere Wochen“, so die Polizistin abschließend.

Wer sich mit Erlebnissen überfordert fühlt und Hilfe braucht, kann sich unter der Telefonnummer (0800) 655 30 00 an die Krisendienste Bayern wenden.