Festnahme nach Schockanruf
Ingolstädter stellen Telefonbetrüger eine Falle – Landshuterin verliert 100.000 Euro

20.01.2023 | Stand 17.09.2023, 5:02 Uhr
Horst Richter

−Symbolbild: dpa

Die Nerven bewahren und überlegt handeln – nach diesem Rezept haben eine 54-jährige Ingolstädterin und ihr Ehemann einem Telefonbetrüger das Handwerk gelegt. Sie stellten ihm zusammen mit der Polizei eine Falle, der Tatverdächtige wurde festgenommen, sitzt in Untersuchungshaft.



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Der Unbekannte hatte sich am Donnerstag zur Mittagszeit telefonisch bei der Frau gemeldet. Er gab sich als Polizist aus und behauptete, der Bruder der Ingolstädterin habe einen schweren Unfall verursacht. Sie solle nun 40000 Euro Kaution zahlen, damit er nicht hinter Gitter müsse. Die Angerufene fiel aber auf diese Masche auch dann nicht herein, als das Gespräch an einen angeblichen Staatsanwalt übergeben wurde. Zum Schein ging sie auf die Forderungen ein, während ihr Mann gleichzeitig die echte Polizei alarmierte.

Dann stellte sie dem Anrufer in Kooperation mit der Polizei eine Falle, ihr Mann hielt im Hintergrund über ein anderes Telefon die Verbindung zu den Ermittlern. Die 54-Jährige gab gegenüber dem Anrufer vor, mit Goldschmuck und einer wertvollen Uhr an ihrer Wohnadresse zu warten. Als dann tatsächlich ein junger Mann bei dem Ehepaar erschien, um die Wertgegenstände abzuholen, klickten die Handschellen. Die Polizei nahm ihn fest, am Freitag erging Haftbefehl gegen den aus Wiesbaden stammenden 32-Jährigen.

Polizeipräsidium feiert „einen schönen Erfolg“



„Das war ein schöner Erfolg für uns und sicher auch Ergebnis unserer Aufklärungsarbeit“, sagte Michael Graf vom Polizeipräsidium Oberbayern-Nord in Ingolstadt. Die 54-Jährige und ihr Mann hätten richtig gehandelt, weil sie nicht auf die Forderungen eingegangen sind und auch nicht auf eigene Faust, sondern zusammen mit der Polizei gehandelt hatten. Graf warnte ausdrücklich vor Alleingängen: „Man weiß nie, was passiert, wenn einer dieser Abholer auf der Bildfläche erscheint. Oft ist er nicht allein, und andere warten im Hintergrund.“ Da könne die Situation ganz schnell eskalieren.

In diesem Ingolstädter Fall war es jedoch mustergültig gelaufen. Ob mit dem 32-Jährigen ein „dicker Fisch“ ins Netz gegangen ist, erscheint jedoch fragwürdig. „Die Abholer sind meistens nur kleine Lichter“, sagte Graf. Die Ermittlungen zu möglichen Hintermännern des mutmaßlichen Betrügers dauern noch an.

Fall in Landshut endet weniger glimpflich



Weniger glimpflich war es am Mittwoch für eine 60-Jährige in Landshut abgelaufen. Sie hatte ebenfalls einen Schockanruf bekommen, angeblich hatte ihre Tochter einen tödlichen Unfall verursacht, sagte eine falsche Polizistin. Wieder kam die Forderung nach einer Kaution, am Ende übergab die Frau Geld und Schmuck im Gesamtwert von mehr 100000 Euro. Davon dürfte sie wohl nichts wiedersehen.

Anrufe durch falsche Polizisten bleiben ein aktuelles Thema. Erst vergangene Woche hatte die Polizei von einer ganzen Welle solcher Betrugsversuche im Raum Ingolstadt berichtet. Im Fall eines 70 Jahre alten Rentners war die Masche einmal mehr erfolgreich gewesen. Eine Frau hatte sich am Telefon als seine Tochter ausgegeben und behauptet, in einen Unfall verwickelt gewesen zu sein. Um nicht ins Gefängnis zu müssen, sei nun ein größerer Geldbetrag fällig. Der Mann war so geschockt, dass er der Aufforderung nachkam. Er übergab im Ingolstädter Süden eine fünfstellige Summe an einen ihm unbekannten Mann. Wieder daheim, traf das Opfer seine Tochter an, der Betrug flog auf.

Polizei warnt für betrügerischen Anrufen



Die Polizei warnt davor, sich von solchen Anrufen beeindrucken zu lassen. „Seien Sie bei derartigen Anrufen misstrauisch“, rät sie. „Beenden Sie im Zweifelsfall das Gespräch schnellstmöglich, ohne persönliche Daten oder Informationen über Wertgegenstände oder Bargeld preiszugeben. Gehen Sie nicht auf Forderungen zur Überweisung oder Übergabe von Geldbeträgen ein“, heißt es weiter, denn: „Die echte Polizei fordert niemals Bargeld, Überweisungen oder Wertgegenstände von Ihnen, um Ermittlungen durchzuführen.“

Im Zweifelsfall sollten Angerufene bei der örtlichen Polizei nachfragen – im Raum Ingolstadt über die 0841-9343-0, es geht auch der Notruf 110.