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Podiumsdiskussion in Ingolstadt: Das autonome Auto und die Ethik

Podiumsdiskussion in Ingolstadt mit dem Ethiker Julian Nida-Rümelin

01.07.2022 | Stand 01.07.2022, 20:39 Uhr

Fragen der Ethik beim autonomen Fahren diskutierten am Freitag Frank Loydl (Mitte) und Julian Nida-Rümelin (rechts). Foto: Schwarz

Bei einer Podiumsdiskussion am Freitag in Ingolstadt ging es um das Thema autonomes Auto und Ethik. Mit dabei: der Ethiker Julian NIda-Rümelin.



Eigentlich, gestand Frank Loydl, hätte er gerne Philosophie studiert. Dann entschied er sich aber doch für technische Informatik. Die Wahl erwies sich als nicht verkehrt, inzwischen zeichnet Frank Loydl bei der Ingolstädter Audi als Chief Information Officer (CIO) verantwortlich für die Unternehmens-IT und für Prozesse, bei denen Künstliche Intelligenz (KI) bei Auto-Konstruktion und Auto-Bau eingesetzt wird.

Aufgrund dieser Stellenbeschreibung war Loydl zu Gast beim großen Ingolstädter Wissenschaftskongress „WIKOIN“ unter der Überschrift „Künstliche Intelligenz – Innovationen für die Stadt von morgen“. Viele namhafte Wissenschaftler und Experten tauschten sich dabei zu diesem Thema und den damit verbundenen Problematiken aus.

Debatte über „hochkomplexe“ Thematik

Einer der Höhepunkte des Programms war sicher die Podiumsdiskussion von Loydl mit Julian Nida-Rümelin, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Ethikrates, ehemaliger Bundesminister und ehemaliger Lehrstuhlinhaber an der Ludwig-Maximilians-Universität München am Freitag auf dem Gelände der Technischen Hochschule Ingolstadt (THI). Es ging um autonomes Fahren, um dessen Grenzen und Möglichkeiten. Obwohl sich die beiden Diskutanten auf dem Podium in vielen Punkten einig waren, entwickelte sich eine spannende und oft erhellende Debatte. Dass die Thematik „hochkomplex“ ist, wie es Loydl auf den Punkt brachte, steht außer Frage. Völlig offen ist dagegen, wie es in der Realität aussehen soll, wenn Autos selbstständig ihre Insassen ans Ziel bringen. Das Problem dabei ist nicht die technische Seite, wie Loydl erläuterte: „Es wird in Zukunft viele Technologien geben, die im Alltag Funktionen wahrnehmen, die wir heute noch selbst wahrnehmen müssen.“

Dass Künstliche Intelligenz auf verschiedenste menschliche Zeichen, Gesten und Andeutungen richtig reagiere, sei keine unüberwindbare Herausforderung. Die große Aufgabe sei vielmehr die ethische Dimension, die Frage nach Verantwortung und natürlich auch Haftung, wie Nida-Rümelin immer wieder betonte. Da gebe es viele Grenzfälle, die nicht über mathematische Gleichungen und eindeutige Vorgaben zu lösen seien. Er nannte das Beispiel eines jungen Menschen, der schwer verletzt in eine Klinik kommt. Würde man die Sachlage streng mathematisch angehen, könnte man folgende Rechnung eröffnen: Wenn man den Menschen sterben lässt und seine gesunden Organe transplantiert, würde man in der Summe mehr menschliche Lebensjahre retten als bei erfolgreichen Operationen des verletzten jungen Menschen. Dennoch käme man zumindest in unserem kulturellen Umfeld niemals auf eine solche Idee, so Nida-Rümelin.

„Was haben wir davon?“

Im Übrigen, so der Ethiker weiter, stelle sich bei autonomem Fahren ganz praktisch die Frage: „Was haben wir davon?“ Bei dem im Augenblick als Idealbild gesehenen gemischten Straßenverkehr mit Auto- und Radfahrern, Fußgängern und weiteren Verkehrsteilnehmern wäre ein Durchkommen für ein autonom fahrendes Auto schwierig. Sinnvoller wäre es, mit der Autonomisierung bei in der Verkehrsführung relativ einfachen Systemen wie Luft- oder Schifffahrt anzufangen. Doch auch dafür gilt letztlich ein Satz Loydls: „Das Risiko beim autonomen Fahren immer weiter minimieren, aber nie völlig ausschließen.“

DK