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DGB-Gewerkschaftsabend setzt sich kritisch mit dem Thema Energiewende auseinander

"Ein katastrophaler Befund"

Kösching
erstellt am 25.01.2015 um 20:13 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 20:39 Uhr | x gelesen
Kösching (DK) Fast alles drehte sich am Samstagabend um das Thema Strom, als das Ortskartell Kösching des DGB zu seinem regionalen Gewerkschaftsabend eingeladen hatte. Die rund 250 Besucher bekamen dabei auch zu hören, wie sie zukünftig ihre Energieprobleme lösen können. Ohne eine neue Stromtrasse – jedoch nicht ganz ernst gemeint, versteht sich.
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Kösching: "Ein katastrophaler Befund"
 
Kösching

Im Grunde hätte der Professor aus Bochum sich seinen Vortrag zum Thema Energiewende sparen können. Denn die Erleuchtung folgte sozusagen auf dem Fuß, nachdem der Gastredner, Energiewissenschaftler Heinz-Josef Bontrup von der Ruhr-Universität, seine Rede beendet hatte und anschließend die Kleinkunst ihren Auftritt in der gut besuchten Turnhalle der Rudolf-Winterstein-Schule hatte. Unter den Gästen befanden sich unter anderem der Eichstätter Landrat Anton Knapp, Bürgermeisterin Andrea Ernhofer und die Bundestagsabgeordnete Eva Bulling-Schröter. Zwei Künstlerinnen führten der Wissenschaft schonungslos vor Augen, wie einfach es doch sein kann, auf alternative Energien umzusteigen, ohne dabei die sehenswerte bayerische Landschaft mit einer unschönen Stromtrasse (gemeint ist die geplante Hochspannungsleitung von Bad Lauchstädt in Sachsen-Anhalt nach Meitingen bei Augsburg, die nach den derzeitigen Plänen auch die Marktgemeinde Kösching tangieren soll) zu verschandeln. Die simple Botschaft lautete: „Verbrennt euren Kaffee im Ofen!“ Denn schon eine verkohlte Bohne reiche aus für 36 Monate Strom. „Die Trasse ist damit passé!“ Auf diese zugegebenermaßen nicht ganz ernst gemeinte Idee kamen Kati und Dani, zwei Mitglieder des Ensembles des Ingolstädter Improvisationstheaters G’scheiterhaufen. Sie steckten mit ihrer Stand-up-Comedy das Rahmenprogramm des diesjährigen DGB-Gewerkschaftsabends ab und sorgten mit einem Exkurs in den bolivianischen Dschungel, wo sie ihr Forscherinnen-Camp aufschlugen, um mit Kaffeebohnen zu experimentieren, für viele Lacher.

Weniger amüsante, dafür um so nachdenklichere Züge trug die Botschaft, die Bontrup zuvor in seiner Rede aussandte. Er prangerte vor allem Fehler der Politik an, die diese bei der Umsetzung der Energiewende gemacht habe und die so zu Unverständnis in der Bevölkerung geführt hätten. Sein Fazit: Die Energiewende sei ohne Probleme finanzierbar und dringend notwendig. Sie müsse aber richtig gemacht und die Bevölkerung aufgeklärt werden. Der Wissenschaftler zog vor dem Hintergrund einer aus seiner Sicht stark geschädigten Umwelt („Der CO2-Ausstoß ist immer noch zu hoch“) gegen die seit 1998 vollzogene Liberalisierung der Energiemärkte ins Feld. Diese sei der „erste große Kardinalfehler“ gewesen und habe nur kurzfristig zu niedrigeren Preisen auf dem Energiemarkt geführt, da der erwartete Wettbewerbseffekt unter den zerschlagenen Gebietsmonopolisten ausgeblieben sei. Mittlerweile teilen sich den Strommarkt wieder vier große Stromanbieter, die Energiepreise haben angezogen, und seit 1998 sei jeder vierte Arbeitsplatz in der Branche zugunsten einer höheren Produktivität verloren gegangen, so Bontrup. Fakten, die seines Erachtens dem Bürger vorenthalten wurden. Ausmachen könne er dabei nur einen Gewinner, und das seien die Eigentümer sowie deren Kapitalgeber, die Shareholder. „Ein katastrophaler Befund“, sagte er. Bontrup betonte aber auch, dass kumuliert nur 2,3 Prozent der Ausgaben der Privathaushalte für die Energie aufgewendet werden. Dies entspreche seit 1998 einer Erhöhung von gerade einmal drei Prozent. „Wer will sich da aufregen“, fragte der Professor angesichts einer in der Öffentlichkeit entfachten, für ihn jedoch nicht nachvollziehbaren Kostenhysterie.

Zu Beginn des Abends sprach Jörg Huber, der Vorsitzende des DGB-Ortskartells Kösching. Er erörterte in seiner Begrüßungsrede die wichtigsten Themen des vergangenen Jahres, forderte unter anderem eine vollständig aus Steuermitteln finanzierte Mütterrente und hob die derzeit drei Hauptforderungen des DGB nach mehr Bildung, der Rente mit 63 sowie einer Lohnerhöhung von 5,5 Prozent in der Metall- und Elektrobranche hervor.

Huber ging außerdem kurz auf das islamkritische „Pegida“-Phänomen ein. Den Zulauf, den diese Bewegung zuletzt verzeichnete, führte er auch auf die Verunsicherung der Menschen durch eine Politik des sozialen Kahlschlags zurück. Huber kritisierte zudem die geheimen Verhandlungen über das amerikanisch-europäische Freihandelsabkommen TTIP.

Von Michael Brandl
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