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Ingolstädter Künstler gestalteten amüsanten Abend der Malerei und der Literatur im Kap 94

Von den Bildern zur Beulenpest

Ingolstadt
erstellt am 11.12.2016 um 20:16 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 20:07 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Der Mann mit der Melone glänzt als Alleinunterhalter von breitem feuilletonistischem Format: Michael von Benkel füllt die Bühne des Kap 94 mit seiner geballten Schaffenskraft: Er spielt gekonnt Gitarre, moderiert, preist als Auktionator fachkundig die Bilder Ingolstädter Künstler an, darunter ein eigenes, denn malen kann er auch, und liest Geschichten aus seinen Büchern vor.
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Ingolstadt: Von den Bildern zur Beulenpest
Universalkünstler auf der Bühne: Michael von Benkel moderierte am Samstagabend im Kap 94, spielte Gitarre, las aus seinen Büchern und versteigerte Bilder Ingolstädter Künstler zugunsten des Kulturkanals sowie des Vereins Schanzer Kindl. Hier bietet er gerade ein eigenes Werk an: "Gitarre". - Foto: Hammer
Ingolstadt

Das Ganze für einen guten Zweck: Zugunsten des Vereins Schanzer Kindl, der Kinder in prekären Situationen unterstützt, und des Kulturkanals, der mit einer Zuschusskürzung zurechtkommen muss.

Es ist ein gemütlicher Abend in trauter Runde. Zwar sitzen im Kap 94 (einst Batterie 94) - eine Hochburg der Kultur - fast mehr Künstler, deren Bilder zur Versteigerung angeboten werden, als potenzielle Bieter, aber ein paar Werke bringt von Benkel (bürgerlich: Michael Fein) doch los. Horst Werschetzkis "Künettegraben" avanciert zum Topseller. "Einen Werschetzki sollte man unbedingt zu Hause haben!", lobt der Auktionator.

Auch die anderen Bilder sind sehenswert. Etwa das "Georgianum" des Paolo Lumpi (bürgerlich Christian Paulus): Eine Ansicht des Hohe-Schul-Platzes, die so detailgetreu wirkt, als habe der Künstler ein Foto überarbeitet. Hat er aber nicht. "Das ist alles gemalt!", sagt von Benkel. Auch Chabé, Conny Plonner, Andy Gudera, Matthias Schlüter und Franz Duna haben Bilder gestiftet.

Bekannte Ingolstädter Autoren wechseln sich auf der Bühne mit kurzen Lesungen ab. Alle mit hinreißendem Witz. Jens Rohrer, ein begeisterter Hypochonder, hat letzthin bei einem Arztbesuch beschlossen, seine Geschichte "Krankheit als Weg" vorzutragen. Wie einfach sei es doch in der heutigen Zeit, "sich gemütlich mit Google selber zu diagnostizieren und dem Arzt ein fertiges Krankheitsbild zu präsentieren". Schwierig werde es nur, wenn der einen widerlege. "Vor zwei Wochen hatte ich zum Beispiel Beulenpest." Die Symptome stimmten mit denen im Internet klar überein. Aber dann war es doch nur eine Grippe. Der Rohrersche Ich-Erzähler bekennt: "Jetzt werde ich als Drama-Queen verspottet, nur weil ich mein baldiges Ableben im Netz prognostiziert habe." Seine nächste Wunschkrankheit: Schläfenlappenepilepsie. Allein schon der Name!

Susanne Feiner hält eine an Lamento reiche Klagerede der personifizierten Farbe Rot: "Ich bin eine Fachkraft, voll qualifiziert, ich bin Rot!" Nicht so eine "Hilfskraft wie Braun oder Beige". Und das Schlimmste sei: "Neuerdings werde ich mit Pink kombiniert. Mit Pink!" Wenn es wenigstens "ein ausgewaschenes Blau wäre". Es ist also nicht immer eine Freude, Rot zu sein.

Dominik Neumayr thematisiert seine sportlichen Ambitionen. Der perfekte Trimm-dich-Tag sieht für ihn so aus: Er steht vom Sofa auf, isst erst mal ein Steak und beobachtet dann auf dem Balkon rauchend den Eingang eines Fitnessstudios in seiner Straße. Irgendwann beschließt der Erzähler, dort mal ein Probetraining zu absolvieren. Er reist die 300 Meter mit dem Auto an, durchbricht "eine Wand aus Testosteron und Schweiß" und sportelt hart - bis ihm das Fitnessstudio später eine Genesungskarte ins Krankenhaus schickt.

Michael von Benkels "Weihnachten in den Bergen" handelt von Kindheitserlebnissen, die sehr traurig enden. Danach spielt er wieder Gitarre.

Von Christian Silvester
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