Freitag, 16. November 2018
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Das Digitale Gründerzentrum soll größer werden weil die Hochschule Platzbedarf angemeldet hat

THI breitet sich aus

Ingolstadt
erstellt am 07.02.2018 um 21:31 Uhr
aktualisiert am 11.02.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Hinter dem kryptisch anmutenden Tagesordnungspunkt "Bericht Digitales Gründerzentrum" der heutigen Stadtratssitzung verbirgt sich eine große Veränderung der Pläne für das brigk genannte Zentrum auf dem Gießereigelände. Der Anbau soll deutlich größer werden als geplant, die THI zieht mit ein.
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Ingolstadt: THI breitet sich aus
In einer Studie in einem ganz frühen Stadium fiel der Anbau ans Kavalier Dallwigk noch deutlich kleiner aus. ‹ŒGrafik: Zoom-Architekten
Ingolstadt

Genau genommen geht es um rund 2000 Quadratmeter Nutzungsfläche, um die der Anbau an das Kavalier Dallwigk mit dessen charakteristischen Wasserturm wachsen soll. Ursprünglich waren insgesamt etwa 4500 Quadratmeter Fläche für das Gründerzentrum vorgesehen. Der zusätzliche Raum hat nichts mit einem sprunghaft angestiegenen Interesse von Gründern zu tun, die Technische Hochschule Ingolstadt (THI), deren Campus ja an das Gelände angrenzt, hat Bedarf angemeldet. Die Hochschule will sich in der zusätzlichen Fläche einmieten. In einer gemeinsamen (nicht-öffentlichen) Sitzung der Aufsichtsräte der städtischen INKo Bau GmbH und des Digitalen Gründerzentrums hatte Oberbürgermeister Christian Lösel die neuen Pläne vorgestellt, heute soll Nicolai Alexander Fall, der Geschäftsführer der mit dem Bau beauftragten INKo Bau GmbH, darüber im Stadtrat berichten.

Es handele sich dabei um einen "ganz frühen Sachstand", sagte Lösel gestern auf DK-Anfrage. Erst Anfang März werde der Gestaltungsbeirat sich der Pläne annehmen.

Wie genau die aussehen, wird man wohl heute sehen können. Klar ist, dass der Anbau ans Kavalier Dallwigk viel größer ausfallen wird als ursprünglich geplant - sowohl in der Höhe als auch in der Ausbreitung. Das Gebäude, das sich von der Donau aus gesehen rechts vom historischen Dallwigk befinden soll, dürfte fast in Höhenregionen des Wasserturms vorstoßen. Im Anbau sollen unter anderem Büros und Räume für Vorlesungen und Seminare der THI untergebracht werden - sowie ein Restaurant und auf der Dachterrasse ein Café. Damit nimmt man auch Abstand von Plänen, ein Café im Wasserturm unterzubringen. "Da müsste man wegen des Denkmalschutzes so viel verändern", sagt Lösel. Stattdessen hätten die Cafébesucher aber einen perfekten Blick auf den Wasserturm und könnten sich auf den Dächern des historischen Gebäudes und des Anbaus bewegen.

Normalerweise würde man ein solches Projekt erst danach im Stadtrat vorstellen, doch Aufsichtsratsmitglied und Grünen-Stadträtin Petra Kleine habe um die jetzige Information gebeten, und dem komme die Verwaltung nach, erklärt Lösel. "Jetzt sind wir mal mutig." Allerdings habe niemand im luftleeren Raum geplant, Mitglieder des Gestaltungsbeirates hätten bereits über die Pläne geschaut. Denn die Zeit drängt laut Lösel. Im Juli müsse das Vorhaben vom Stadtrat abgesegnet werden, um die Förderrichtlinien des bayerischen Wirtschaftsministeriums zu erfüllen.

Dass sich die THI einmietet, ist für Lösel kein Problem. Auch in den anderen Gründerzentren gebe es eine enge Verzahnung mit den Hochschulen, erklärt er. Für THI-Präsident Walter Schober ist die weitere Ausbreitung geradezu überlebenswichtig, um die eigene Strategie, bis 2035 die Studentenzahlen auf 10.000 zu verdoppeln, umzusetzen. Dass manche die fortschreitende Ausbreitung der THI auf dem ehemaligen Gießereigelände kritisieren, lässt den Präsidenten kalt. "Es gibt auch viele Menschen, die sagen: Eigentlich hätte man das ganze Gelände für die THI reservieren sollen", sagt er. Er dagegen finde gerade die Mischung aus gesellschaftlichen, kulturellen und wissenschaftlichen Angeboten gut. "Es wird auch nicht alles zugebaut, was zugebaut werden kann", versichert Schober.

Das brigk ist eines von zwölf bayerischen Digitalen Gründerzentren, die vom Wirtschaftsministerium gefördert werden. Darin sollen sich vor allem Start-up-Unternehmen der Digitalwirtschaft entwickeln und sich vernetzen. Gesellschafter sind die Stadt, die drei umliegenden Landkreise, die THI sowie mehrere Unternehmen, darunter Audi und Media-Saturn, auch der DONAUKURIER gehört dazu. Momentan ist das brigk provisorisch im Haus Am Stein 9 untergebracht. Eine Wandtapete mit einem Foto von der Backsteinmauer des Dallwigk weist darauf hin, dass man irgendwann, voraussichtlich Anfang 2021, dort hinziehen wird.
 

Kommentar von Thorsten Stark

Wir dürfen gespannt sein, ?wie sich noch so ein großes Gebäude in das Ensemble auf dem ehemaligen Gießereigelände einfügen wird. Spöttisch könnte man sagen: bestimmt wundervoll – angesichts der anderen wenig einladenden Bauten von Audi-Akademie, Technischer Hochschule und der Carissma-Forschungshalle. Vergessen wir obendrein nicht Kongresshotel und -zentrum, die irgendwann auch einmal stehen werden. Ob das Kavalier Dallwigk da noch eine Chance hat, architektonisch zu wirken, ist alles andere als ?sicher. Aber womöglich belehrt uns der Entwurf für das Digitale Gründerzentrum auch eines Besseren. Es ist jedenfalls wichtig, dass die Pläne heute im Stadtrat öffentlich gemacht werden. So kann sich jeder selbst ein Bild davon machen – und nicht nur die Aufsichtsräte hinter verschlossenen Türen.

Von Thorsten Stark
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