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Die aktuelle Bilderserie von Dorina Csiszár ist eine Hommage an die alte Ingolstädter Bürstenmanufaktur

Die Kunstfabrik

Ingolstadt
erstellt am 02.03.2017 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 06.03.2017 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Die Ingolstädter Künstlerin Dorina Csiszár hat sich für ihr aktuelles Projekt in die leerstehende Bürstenfabrik Bruckmayer begeben. Am Sonntag eröffnet sie ihre Ausstellung "Vergangene Epochen - Hommage an die Bürstenfabrik" in der Galerie das Mo.
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Ingolstadt: Die Kunstfabrik
Dorina Csiszár mit einem ihrer Werke in der ehemaligen Bürstenfabrik Bruckmayer am Kreuztor. Sie hat sich von den historischen Maschinen und Gerätschaften inspirieren lassen. Ihre Bilder sind ab Sonntag in einer Ausstellung in der Neuen Galerie das Mo zu sehen. - Foto: Hauser
Ingolstadt

Zahnräder haben es Dorina Csiszár angetan, Schrauben, Rohre, rostige Mechaniken, trockengelegte Wasserhähne. Mit Tusche und Kohle bannt die Künstlerin Maschinen aufs Papier, setzt Details zu neuen Mechanismen zusammen. In der leerstehenden Bürstenfabrik Bruckmayer hat sie sich in den vergangenen Monaten auf Motivsuche begeben. Die Idee dazu kam ihr schon vor rund zweieinhalb Jahren. Damals stellte sie im Kreuztor aus und blickte während ihrer Aufsichtszeiten immer wieder auf die Fabrik hinunter, in der seit Jahrzehnten die Maschinen ruhen. Aber sie sind noch da. Die perfekten Motive für die 31-jährige gebürtige Ungarin.

Die Familie Bruckmayer gewährte der Künstlerin Einlass in den historischen Ziegelbau. Die Geschichte der Fabrik geht bis in das 18. Jahrhundert zurück. Ab 1900 durfte sich der Ingolstädter Familienbetrieb "Königlich bayerischer Hoflieferant" nennen.

Csiszár berichtet fast ehrfürchtig von ihren Eindrücken aus dem geschichtsträchtigen Gebäude. Maschinen aus mehreren Zeitaltern stehen hier. Sie wirken, als müsste man sie nur anschalten und die Produktion könnte wieder anlaufen. An den Wänden hängen säuberlich aufgereiht Werkzeuge, Glasflaschen mit bunten Flüssigkeiten stehen in einem Regal. Eine Zeitungsseite aus dem September 1963 dient als Unterlage für einen Stapel hölzerner Bürstenkörper. "Man spürt die Menschen hier noch. Als wären sie gerade erst gegangen", sagt die Künstlerin.

Viermal streifte Csiszár mit Zeichenblock und Kamera durch die alte Fabrik, skizzierte hier ein Metallgewinde, das sie an ein Gesicht erinnert, dort ein seltsam verschraubtes Metallgebilde, in dem sie eine Gruppe Soldaten erkennt. "Ich weiß bei den meisten Maschinen gar nicht, wie sie funktionieren oder was sie machen", sagt sie. "Aber es ist eigentlich gut, dadurch ist es leichter, sich eigene Gedanken zu machen und Details neu zusammenzusetzen." Besonders pittoreske Mechaniken verarbeitete sie auch in Gänze. Das Titelbild ihrer Ausstellung ist eine eigenwillige Konstruktion mit Kurbel, Zahnrädern, Drahtzügen und einem Gegengewicht.

Rund 20 Bilder hat Csiszár bisher mit Inspirationen aus der Bürstenfabrik gefertigt. Ein Teil davon wird ab Sonntag in der Neuen Galerie das Mo zu sehen sein. Csiszár denkt aber schon weiter. "Vergangene Epochen - Hommage an die Bürstenfabrik" hat sie ihre Schau genannt und möchte diese Serie als einen ersten Teil von weiteren Projekten verstanden wissen. Sie ist bereits auf der Suche nach interessanten Motiven, aufgelassenen Industrieanlagen und Fabriken.

"Vergangene Epochen - Hommage an die Bürstenfabrik", Vernissage am Sonntag, 5. März ab 11 Uhr, in der Neuen Galerie das Mo (Bergbräustraße 7). Die Ausstellung ist bis 3. Mai täglich ab 10.30 Uhr geöffnet.

Von Johannes Hauser
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