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Seit der Autobauer auf zwei Räder setzt, rennt die Kundschaft Mario Ioannoni den Motorradladen ein

Vom Audianer zum Ducatista

erstellt am 01.06.2012 um 20:02 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 20:09 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Direkt aus Albanien. Da kommt der Mann mit seiner Maschine gerade her. „130 000 Kilometer. Und bisher kein Problem“, sagt Mario Ioannoni. Sein Kunde nickt. Den Katzensprung bis heim nach Ansbach hätte er lockermachen können. Doch auf dem Weg nach Norden oder in den Süden ist für den Mittelfranken ein Stopp in Ingolstadt Pflicht. Sei es, um Teile zu holen, oder nur auf einen Plausch unter Fanatikern, unter Ducatisti.
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Mit diesem Ansturm hatten Giuseppe Ioannoni (links) und sein Sohn Mario nicht gerechnet: Seit der Ducati-Übernahme durch Audi rennen die Audianer den Motorradhändlern die Bude ein. - Foto: Strisch
In halb Europa ist die kleine Werkstatt von Mario Ioannoni an der Schillerstraße bekannt. „So, wie du das machst, ist es schön!“ Das sagen die Stammkunden, die Ioannoni auf dem gesamten Kontinent die Treue halten. Sie dürfen bei dem 46-Jährigen mit in die Werkstatt und staunen darüber, wie liebevoll er mit ihren Lieblingen umgeht. „Die sehen und merken einfach, dass an den Maschinen was gemacht wird“, sagt Ioannoni. „Ducati, das ist mein Baby!“

Diese Leidenschaft hat er von seinem Papa Giuseppe geerbt. Mit seinen 73 Jahren steht der Senior ebenfalls noch mit im Laden und werkelt herum. Man darf beide, Sohn und Vater, längst als legendäre Schrauber bezeichnen. Sie sind für die italienische Motorradschmiede mit Kultcharakter so lange wie kaum jemand im Geschäft.

1975 eröffnete Papa Giuseppe eine freie Werkstatt hier an der Schillerstraße. Wenig später wurde er einer der ersten Ducati-Vertragshändler, wobei sich für ihn der Kreis schloss. Schon seine erste Maschine war natürlich eine Ducati. Damals mit 13 Jahren, kurz nach dem Krieg, eine 65 TS, als das Massenfortbewegungsmittel eben nur zwei statt vier Räder hatte.

Inzwischen ist der Motorradmarkt dagegen ein ganz spezieller Raum. „Früher haben sich die Jugendlichen bei uns die Nasen an den Scheiben platt gedrückt“, sagt der Senior und zeigt hinaus auf die Schillerstraße. „Das gibt es ja heute nicht mehr.“ Das Durchschnittsalter der Biker liegt zwischen 40 und 50. Nachwuchs gibt es kaum. Weil es eben ein teures und nicht ungefährliches Hobby ist. „Und heute hat doch jeder gleich ein Auto in der Garage stehen, sobald er den Führerschein hat“, sagt Mario Ioannoni.

Doch er erlebt zumindest in Ingolstadt gerade die mehr als sanften Wallungen einer Trendumkehr. „Die rennen mir die Bude ein“, sagt er. Seit Audi seine italienische Liebe aufgekauft hat, stehen die Audianer fast Schlange bei ihm. „Wir sind Ducati, wir gehören jetzt zusammen!“ Das hört er nun immer wieder. Gerade von den jüngeren Beschäftigten des Autobauers. Gefolgt aber schon von der Frage, respektive der Forderung, ob sie denn nun die 20 Prozent Mitarbeiterrabatt bei ihm bekämen.

Ioannoni hat die Euphorie bereits im Werk mitbekommen, als er eine seiner Maschinen kürzlich bei der Betriebsversammlung zeigen durfte und dann durch die Abteilungen schob. „Da haben alle nur noch Augen dafür gehabt.“

Doch so recht weiß der Motorradhändler, der noch lieber ein Schrauber ist, allerdings nicht, was er von der eine Milliarde Euro schweren Übernahme durch den Ingolstädter Autobauer halten soll. „Keine Ahnung, was Audi vorhat. Die haben Ducati ja nicht umsonst gekauft. Natürlich geht es ums Prestige.“ Aber bestimmt irgendwann auch um Gewinne. „Keine Ahnung, wie es in Ingolstadt weitergeht“, sorgt sich Ioannoni sogar. Wird er mit seiner mit großer Leidenschaft betriebenen Werkstatt vielleicht den durchgestylten Verkaufsstrategien der neuen bajuwaro-italo Allianz zum Opfer fallen? Das mag sich kein Ducati-Freund vorstellen. Von Albanien bis Ansbach. Und weit darüber hinaus.

 

Von Christian Rehberger
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