Montag, 25. Juni 2018
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Kindermusical "Und er rennt . . ." mit biblischem Inhalt lässt Besucher in Thalmässing jubeln

Ein peinlicher Chef mit gutem Herz

Thalmässing
erstellt am 11.03.2018 um 11:31 Uhr
aktualisiert am 15.03.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Thalmässing (HK) Die Thalmäs-Singkids haben sich wieder ins Zeug gelegt und ein Musical einstudiert. Am vergangenen Wochenende glänzten sie gleich zweimal damit - Premiere war am Samstag.
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Das biblische Gleichnis vom verlorenen Sohn setzen die Darsteller im Musical gekonnt in Szene. Zunächst verprasst der Sohn bei Saufgelagen seinen Erbteil, den ihm der Vater ausgezahlt hat.
Leykamm, Jürgen, Weimersheim
Thalmässing

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn gehört zu den großen Klassikern biblischer Überlieferung. Von seinem Charme hat es bis heute nichts verloren. Das gilt vor allem dann, wenn es in so erfrischendem Gewand wie nun in Thalmässing daherkommt. Bei zwei Auftritten wissen die Thalmäs-Singkids die Besucher der jeweils vollen Kirche St. Michael beim Kinder-Mini-Musical mit dem Titel "Und er rennt . . ." zu begeistern.

Bei der Premiere am Samstag ist die Aufregung natürlich groß, aber auch die Spiel- und Sangesfreude. In orientalischen Gewändern kommentiert der Chor inmitten des Altarraums lautstark das Geschehen. Links und rechts ein Bühnenbild, das je nach Bedarf zum Gasthaus, Bauernhof und mehr variiert. Eben auch zum Anwesen des Vaters (gespielt von Elena Schiller), der schweren Herzens seinen Sohn (Sophia Erdmannsdörfer) ziehen lassen muss. Und das auch noch mit vollen Taschen.

Bei den Angestellten (Lara Dollinger, Kirsten Erdmannsdörfer und Melanie Hemmeter) ruft das zwiespältige Reaktionen hervor. Der eine trauert mit dem Chef: "Sein Junge ist weg!" Ein anderer Bediensteter ist sauer: "Sein Verräter!" Man hätte ihn man wegjagen sollen. Sein Verhalten "sollte Konsequenzen für immer haben".

Den Filius kümmert dies alles nicht, er verprasst sein Erbteil im Gasthaus, wo er erst ausgenommen und schließlich hinausgeworfen wird. "Das viele Geld ist ruckzug weg, das weiß doch jedes Kind", singt der Chor dazu. Und dann können die falschen Freunde richtig böse werden. Mit einem gewaltigen Schubser landet der Sohn krachend auf dem Kirchenboden, den er gerade noch mit Goldstücken beworfen hat. Eindrücklich gespielt, für einige Sekunden ist sich der Besucher nicht sicher, ob sich Sophia dabei nicht wirklich verletzt hat. Glücklicherweise ist das nicht der Fall, bald sitzt sie als Sohn im Schweinestall eines Bauernpaars (Hannah Steiger und Christian Zimmer), das ihm einschärft, den Tieren ja nicht das Kraftfutter wegzuessen. "Jedem Arbeiter zuhause geht es besser", sinniert der Belehrte - und will wieder zurück, um selbst am Hof des Vaters zu arbeiten.

Doch am Ende rennen Vater und Sohn glücklich durch die Reihen in der Kirche.
Leykamm, Jürgen, Weimersheim
Thalmässing

Die Worte, die er hören soll, singt der Chor laut und voller Inbrunst: "Vergib mir, wenn das möglich ist!" Der Zuhörer spürt, dass dies nicht nur so dahin gesungen ist. Das Thema Vergebung treibt die Buben und Mädchen richtig um, auch vor dem Hintergrund so manchen Geschehens auf dem Schulhof.

So bestätigt es auch Chorleiterin Doris Polinski im Gespräch mit unserer Zeitung: "Wie es gehen kann, von anderen eine zweite Chance zu bekommen oder selbst anderen eine solche zu geben - das beschäftigt die Kinder sehr stark."

Die völlig unverhoffte Reaktion des Vaters indes hat das Potenzial, umso stärker anzurühren: Beim Anblick des Sohnes von weitem lässt er alles stehen und liegen. "Und er rennt" ihm freudig entgegen, wie der Titel des Musicals ja schon verheißt.

Der soziale Abstieg führt den jungen Mann bis zu den Schweinen, die es besser haben als er.
Leykamm, Jürgen, Weimersheim
Thalmässing

Musikalisch gleitet das Stück hier fast in den Slapstick ab. Mehrere Male rennt Elena durch die Kirchenreihen. Der Vater, den sie spielt, vergisst alle Etikette, pfeift auf seinen Status - sein Sohn ist zurück! Die Reaktion der Dienerschaft ist prompt: "Ein rennender Chef - das ist doch irgendwie peinlich!" Doch es wird noch "schlimmer": Bald rennen Vater und Sohn gemeinsam durchs Gotteshaus, bevor sich beide in den Armen liegen und im Duett die Liebe und das Geliebtsein besingen. "Der Himmel feiert ein Fest, wenn ein Mensch umkehrt und sich finden lässt", so erklingt der Chor dazu.

Die Botschaft des Stückes bringt Polinski dann nach großem Schlussapplaus noch einmal auf den Punkt: "Egal wie du dich fühlst - du bist geliebt!"

Zum Beweis darf jeder ein kleines Schatzkästchen aus einer großen Schatzkiste mit nach Hause nehmen. "Das habt Ihr echt klasse gemacht", lobt Bürgermeister Georg Küttinger nach der Premiere am Samstag bei der Übergabe eines Kuverts raschelnden Inhalts. Am gestrigen Sonntag fand das Stück im Rahmen des Familiengottesdiensts ein zweites Mal großen Anklang. Beide Male tun es die Besucher dem Rathauschef gleich und lassen am Ausgang Scheine in die Körbchen flattern. Das Geld kommt dem Kinderchorprojekt der evangelischen Kirchengemeinden zugute.

Jürgen Leykamm
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