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Kapellweiher und Kneippbecken bieten lauschige Plätzchen und Abkühlung Kinderspielplatz nebenan

Kaltes Wasser aus den Karstquellen

Eichstätt
erstellt am 02.09.2016 um 18:43 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 17:40 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) Wer in den letzten warmen Hochsommertagen noch Abkühlung sucht, der ist am städtischen Kneippbecken richtig. Das kalte Nass kommt direkt aus dem Berg. Für Kinder ist das Wassertreten nur bedingt geeignet, sie sind am nahen Spielplatz gut aufgehoben.
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Eichstätt: Kaltes Wasser aus den Karstquellen
Foto: Natalie Hobelsberger
Eichstätt

Wie ein Storch hebt Edeltraud Meier behutsam erst ihr rechtes, dann ihr linkes Unterbein aus dem acht Grad kalten Wasser der Kneippanlage. Ihr scheint die Kälte nichts auszumachen. Die Kneipp-Gesundheitstrainerin ist Wasseranwendungen gewohnt und sie schwört drauf: "Ich kenne keine Erkältung". Gerade an heißen Tagen ist die Anlage am Ritter-von-Hofer-Weg gut besucht.

Heute ist es noch früh, aber schon warm. Ein älterer Mann kommt, gestützt auf seinen Rollator, auf dessen Ablage eine grüne Gießkanne steht. Beim Befüllen hilft ihm ein anderer Mann. Steinstufen führen ins Wasser, das Geländer gibt Halt. Blätter schwimmen auf der Oberfläche zur Altmühl, auf dem Grund schimmern die Kieselsteine. Das Tretbecken ist durch Steinklötze abgetrennt vom vorbei fließendem Bach, Rinnsale befüllen es mit Frischwasser.

"Man soll sich zu nichts überwinden. Jede Anwendung ist eine Zuwendung", rät Edeltraud Meier. Beim Kneippen gibt es Regeln, die sie erklärt: Nur wer warme Füße hat, sollte ins Wasser gehen. Deshalb ist Kneippen auch im Sommer ideal. Mit dem rechten Fuß zuerst hineinsteigen und wie ein Storch durchs Wasser stelzen. Ein thermischer Wechselreiz entsteht. Warm, kalt, warm, kalt. Sobald ein schneidendes Kältegefühl eintritt, ist es Zeit zum Rausgehen, und nicht zum Überwinden. Mit den Händen das Wasser abstreifen, die Zehenzwischenräume abtrocknen und bewegen.

Wilhelm Dersch setzt sich nach seinem Kneippgang erst einmal auf eine Holzbank. Aus gesundheitlichen Gründen kommt der 67-Jährige aus Marienstein oft an die Kneippanlage an der Altmühl: "Das kalte Wasser tut mir gut." Am liebsten kneippt er vormittags, weil es da am ruhigsten ist, und er macht stets drei Durchgänge à zwei bis drei Runden, je nach Kältegefühl.

Von nebenan sind Kinderstimmen zu hören, der Spielplatz ist gut besucht, bevor die Mittagshitze einsetzt. Mütter sitzen auf der Holzeinfassung des Sandkastens, in dem ihre Kinder spielen. Ein Junge schubst einen kleineren auf dem Drehkarussell an und die fast zweijährige Mareike ist auf Erkundungstour. Erst möchte sie schaukeln, dann auf dem Pferdchen reiten, schon rennt sie weiter zum bunten Haus, ihre Tante immer hinterher.

Vor dem Spielplatz haben sie kurz ihre Füße in die Kneippanlage gehalten. "Aber es war uns beiden zu kalt", sagt Cäcilia Naporra. Allgemein rät Edeltraud Meier: "Je kälter das Wasser, umso kürzer sollte die Anwendung sein", das gelte insbesondere für Kleinkinder. Das Wasser in der städtischen Kneippanlage sei schon sehr kalt. Gerade bei Kindern unter sechs Jahren sei Vorsicht geboten. "Der kleine Körper verliert sehr schnell und sehr viel an Körperwärme", steht am Hinweisschild vor der Anlage. Dort wird von einer Anwendung bei unter Sechsjährigen abgeraten. Problematisch ist laut Edeltraud Meier für Kleinkinder auch die Tiefe: Je mehr Hautfläche im Wasser, umso größer der Reiz.

Die kleine Mareike sitzt mittlerweile mit ihrer Tante auf der Brücke bei der Kneippanlage und wirft den Enten Brot aus einem hellen Stoffbeutel zu. Am anderen Geländer klettern zwei Buben empor und schauen auf das Wasser des Bachs. Etwa 350 Meter oberhalb der Kneippanlage am Kapellbuck sitzen zwei junge Frauen unter der Schatten spendenden Birke und essen Eis. Nur wenige Forellen schwimmen im Wasser, ein Gartenzwerg wacht am Rande und Wasser plätschert aus einer Rohröffnung im Stein, die moosumrandet ist.

Am Kapellbuck entspringt nach Informationen der Stadt Eichstätt der Kapellenbach. So vereinigen sich zunächst zwei Karstquellen in einem Weiher, aus dem der Kapellenbach zur Altmühl abfließt. Etwa 50 Meter vor der Mündung, vom Ritter-von-Hofer-Weg einsehbar, so heißt es auf der Homepage der Stadt weiter, vereinigt sich der Kapellenbach mit dem Bett des Edelbachs, wobei dieser "meist nur bei der Schneeschmelze oder bei lang dauernden Regenperioden im Hof des Klosters St. Walburg in einem acht Meter hohen Wasserfall aus einem Felsen" stürzt.

Eine Münchnerin spaziert am Weiher entlang. Sie genießt das "italienische Flair", wenn sie zu Besuch ist, und könnte sich auch sehr gut vorstellen, hier zu wohnen. Auch Carolina Hudde kommt gerne her, am liebsten mit einer Freundin zum Eis essen so wie an diesem Tag. "Es ist mein Lieblingsort", sagt die 22-Jährige. Er zeige, dass Eichstätt zu den schönsten Orten überhaupt zähle, und im Gegensatz zum häufigen Trubel am Kneippbecken sei es am Kapellbuck meist ruhig.

Von Natalie Hobelsberger
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