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Juravenator ist "Fossil des Jahres"

erstellt am 10.12.2008 um 22:53 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 16:40 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) Er ist ein kleiner, wendiger Urzeit-Jäger, der best- erhaltene fleischfressende Dinosaurier in Europa, bisher der einzige seiner Art und zu sehen im Jura-Museum Eichstätt: Nun wurde der "Juravenator starki" von der Paläontologischen Gesellschaft zum "Fossil des Jahres 2009" gekürt.
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Mit seiner erlegten Beute zeigt diese Rekonstruktion den Juravenator. Geschaffen hat diese Darstellung der Eichstätter Lehrer Andreas Karlstetter, zu sehen ist sie mit vielen anderen Rekonstruktionen Karlstetters noch bis 11. Januar 2009 in einer Sonderausstellung des Jura-Museums. - Foto: Karlstetter
Der offizielle Festakt für das "Fossil des Jahres" ist voraussichtlich erst am 26. Januar 2009, doch die Freude ist jetzt schon groß bei Martina Kölbl-Ebert, Leiterin des Jura-Museums auf der Eichstätter Willibaldsburg, und Ursula Göhlich, die am Naturhistorischen Museum in Wien arbeitet und sozusagen die Mutter des "Juravenators starki" ist. Zusammen mit Luis Chiappe hat sie das 1998 in Schamhaupten bei Altmannstein entdeckte, in 800 Arbeitsstunden mühsam aus einem sehr harten Material freigelegte und 2005 der Öffentlichkeit vorgestellte Fossil das erste Mal wissenschaftlich beschrieben. In Kürze erscheint von diesem Autorenpaar auch eine sehr ausführliche Monografie, in dem jedes noch so kleine Juravenator-Knöchelchen seine Würdigung findet.

Dafür, dass der Juravenator bei dem noch jungen Wettbewerb "Fossil des Jahres" der Paläontologischen Gesellschaft für den deutschsprachigen Raum die Nase vorn hatte, sehen Kölbl-Ebert und Göhlich mehrere Gründe: Er sei ein bestens erhaltener Neufund und der einzige seiner Art, er ist von überregionaler Bedeutung und – das ist Martina Kölbl-Ebert sehr wichtig – er ist "nicht in einem Depot eingemottet, sondern in unserem Museum öffentlich zugänglich".

War es 2008 noch der größte Ammonit der Welt, der die Auszeichnung "Fossil des Jahres" trugt, so misst der Juravenator von der Nasen- bis zur Schwanzspitze nur rund 65 Zentimeter. Wie groß er aber geworden wäre, steht in den Sternen: Denn der Juravenator fand als Jungtier seinen Tod, und da er der einzige bisher gefundene seiner Art ist, fehlen die Vergleichsmöglichkeiten.

Seine Jugend, wenn man bei einem rund 150 Millionen Jahre alten Fossil überhaupt davon sprechen kann, kommt dem Juravenator aber nur zu Gute, denn schon die Saurier hatten ein Kindchenschema, und der junge Juravenator deshalb "große Kulleraugen", erzählt Göhlich. Überhaupt, so die Juravenator-Expertin, sei er "ein sehr schönes Viech".

Derzeit ist die Platte mit dem Fossil des Juravenators samt einem Modell im Jura-Museum noch in einer liegenden Vitrine untergebracht, was es vor allem Gruppen schwer macht, das Tier zu sehen. Eine neue Vitrine ist aber schon fast fertig, in der der Juravenator aufrecht auf einer dunklen Kalksteinplatte angemessen präsentiert wird.

Gleich daneben wird ein "Touchscreen" installiert, auf dessen Bildschirm man via Berührung vielerlei Informationen über den Juravenator abrufen kann – darunter Details, die mit bloßem Auge für den Laien nicht erkennbar wären: seine messerscharfen Krallen oder versteinerte Meeresasseln etwa, die sich als Aasfresser am toten Juravenator gütlich taten und mit ihm versteinert wurden. Oder auch eine Schuppenreihe am Schwanz des Sauriers, was darauf hindeutet, dass der Juravenator schwimmen konnte und so gut in der urzeitlichen Lagunenlandschaft unterwegs war.

Das Informationsprogramm auf dem Touchscreen wird auch einiges über die Lebens- und vor allem Essgewohnheiten des Juravenators erzählen. Neben Echsen, Insekten und kleinen Landkrokodilen ließ sich der Juravenator auch den Urvogel Archaeopteryx schmecken. Im Jura-Museum existieren die beiden aber friedlich nebeneinander. Denn der Juravenator wird trotz seiner Auszeichnung dem weltberühmten Urvogel nicht die Show stehlen. "Die sind beide außer Konkurrenz", ist sich Martina Kölbl-Ebert sicher – und hofft darauf, dass das "Fossil des Jahres" viele Forscher und Besucher in das Museum auf der Burg ziehen wird.

Von Elisabeth Wein
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