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Zweite Kundgebung von Heidi Strobl gestern Abend vor rund 250 Zuhörern am Herzogsteg

"Die Täter" im Visier

Eichstätt
erstellt am 23.08.2016 um 21:53 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 17:39 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) Vorigen Dienstag ist es Heidi Strobl um Frauen als Opfer von männlicher Gewalt gegangen, gestern Abend thematisierte sie am Herzogsteg "die Täter". Hintergrund ihrer Kundgebung war eine Vergewaltigung am Altmühlweg. Gut 250 Menschen waren gekommen.
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Eichstätt: "Die Täter" im Visier
Heidi Strobl thematisierte bei ihrer zweiten Kundgebung gestern Abend am Herzogsteg pauschal "die Täter", die Frauen Gewalt antun, und erntete dafür von den 250 Zuhörerinnen und Zuhörern ebenso Applaus wie Widerspruch.
Chloupek
Eichstätt

Heidi Strobl nimmt die Vergewaltigung einer 60-jährigen Spaziergängerin am Altmühlsteg, die dem Polizeibericht zufolge am 11. August von einem noch unbekannten Täter verübt worden ist, zum Anlass, um sich zu Wort zu melden; als Privatperson, als Frauenrechtlerin und aus Solidarität mit dem Opfer, hatte sie bei ihrer ersten Kundgebung vorigen Dienstagabend betont, zu der etwa 100 Leute gekommen waren.

Gestern Abend nun sollte es um "die Täter" gehen, hatte sie angekündigt und eine entsprechende Kundgebung auch am Landratsamt angemeldet. Und es war keine Überraschung, dass das eine Zuhörerschaft verschiedenster Couleur auf den Plan gerufen hat. Vom rechts-braunen Rassisten samt Ku-Klux-Klan-Jacke bis hin zu links-grünen Menschenrechtsaktivisten war ein breites Spektrum an Zuhörern vertreten. Denn der besagte Vergewaltiger soll der Personenbeschreibung zufolge mit ausländischem Akzent gesprochen haben - da stehen schnell pauschale Verdächtigungen von Ausländern und speziell von Flüchtlingen, die sich wie Einheimische auch gerne am Herzogsteg aufhalten, im Raum.
 
Heidi Strobl sprach knapp zwölf Minuten frei, ohne Skript, dafür mit großer Emotion und gelegentlich von Beifall des Publikums unterbrochen. Sie sprach über ihre Familiengeschichte als Kriegsflüchtlinge aus dem Osten, von Flucht und Vergewaltigung, die Mutter und Großmutter stark traumatisiert hätten, von arabischen Ländern, in denen "Frauen keine Rechte" hätten und männlicher Willkür und Gewalt schutzlos ausgeliefert seien. Sie sprach davon, dass vor allem die Frauen und Kindern, die davor aus diesen Ländern flüchten, hier unbedingt Schutz benötigen würden, dass es sie ihr "in der Seele weh" tue, wenn nach bestimmten Gewalttaten alle Ausländer in einen Topf geworfen würden. Strobl machte einen ausdrücklichen Unterschied zwischen hier etablierten Ausländern, mit denen es "keine Probleme" gebe, und Flüchtlingen aus arabischen Ländern und redete sich pauschal gegen arabische Männer allgemein in Rage im Sinne von "wir müssen aufpassen, dass unsere Rechte, unsere Frauenrechte, von solchen Salafisten nicht mit Füßen getreten werden." Sie verweist auf ihre langjährige Arbeit bei Amnesty International und hatte von dort auch die Idee zu ihrem Aufruf an die Zuhörerschaft: "Schreiben Sie Briefe an den Oberbürgermeister, an den Bischof. . .\" Gegenüber unserer Zeitung erklärte Strobl auch, sie plane eine Petition, die die Polizei mit mehr Rechten ausstatte, und es erlaube, Verdächtige auch ohne richterlichen Beschluss besser observieren zu können.

Am Rande der Veranstaltung hörte Gabi Casper die Worte mit zunehmender Skepsis: Sie ist die Sprecherin der Eichstätter ai-Gruppe und betonte auf Anfrage unserer Zeitung: Strobl habe sich hier lediglich als Privatperson und nicht für Amnesty geäußert. Durch eine Pauschalierung, die alle arabischstämmigen jungen Männer in ein schlechtes Licht rücke, werde die Angst vor Flüchtlingen vertieft: "Das ist nicht im Sinne von Amnesty." Im Gegenteil: Die Menschenrechtsorganisation setze sich ausdrücklich für alle Flüchtlinge ein - egal welcher Glaubensrichtung. Gabi Casper hatte auch das aktuelle Amnesty Journal dabei, das den Titel trägt "Angesteckt - wie der Rassismus in Deutschland um sich greift". Darin findet sich eine Petition mit dem Ziel, Menschen vor rassistischer Gewalt in Deutschland zu schützen.
 

Von Eva Chloupek
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