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An einem ganz besonderen Ort

Eichstätt
erstellt am 29.06.2010 um 18:44 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 16:46 Uhr | x gelesen
Eichstätt (mkh) Zur dritten Lesung im Rahmen des Kunstprojekts "Zeit – Wege, Himmel – Pfade" war wiederum ein ganz besonderer Ort gewählt, der normalerweise nicht offen zugänglich ist.
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Eichstätt: An einem ganz besonderen Ort
Andreas Weiland las Lyrik in der Michaelskapelle im südlichen Domturm. - Foto: mkh
Eichstätt
In der Michaelskapelle im südlichen Domturm las der Dichter Andreas Weiland aus dem westfälischen Enger "7 gedichte" zu "höhle, himmel, haus, berg, pfad, fluß, wald". So lautet auch der Titel der handgedruckten Mappe mit eben diesen Texten, welche begleitend zum Projekt erschienen ist. Außerdem trug Weiland weitere lyrische Texte vor, die er in engem Bezug zu Ort und Thema des Kunstprojekts geschrieben hat. In filigran formulierten Gedichten umkreist Weiland die Begriffe, welche das Kunstprojekt betiteln und auf den ersten Blick teils mystisch oder irrational erscheinen, wie er selbst kritisch anmerkte, mittels eines assoziativen Verfahrens. Er überblendet Historisches mit Politischem, synthetisiert örtlich und zeitlich Gegebenes mit subjektiv Erfahrenem. Er erzählt vom "Schneckenhaus" der Kindheit, geißelt die "Kloake Hollywood" und lässt "Engel überwintern in U-Bahn-Schächten New Yorks". Weiland, der viele Jahre als Universitätsdozent für Literatur gearbeitet hat, versucht in seiner Lyrik, die Widersprüchlichkeit dieser Begriffe auszuloten, ihnen etwas entgegenzusetzen. Wobei er – bei allem persönlichen Widerstand gegen das vorgegebene Thema und dessen vorgebliche Irrationalität – auf ähnlich irrationale und emotionale Weise dagegenhält. Denn da ähnelt das Vorgehen des Dichters dem des Mystikers.

"Ich wollte polemisch dagegen halten, doch es kam anders", berichtete Weiland dann auch beim Abschlussgespräch des Projektes am folgenden Abend im Garten hinter dem Chor der Schutzengelkirche. Dort hatten sich noch einmal Beteiligte und Kunstinteressierte zusammengefunden, um in entspannter Runde Bilanz zu ziehen. Neben Gesprächsrunden, Lesungen, Ausstellungen und Filmen trafen besonders die Führungen auf reges Interesse. Rudolf Wittmann hatte hier am frühen Sonntagnachmittag fachkundig und engagiert durch den Dom geleitet, wo er so manches Detail zeigte, welches auch häufigen Dombesuchern bisher entgangen sein mag. Projektband und Gedichtmappe sind in den Eichstätter Buchhandlungen erhältlich. Die Ausstellung "Dachstuhl, Engel, Voluten" mit Fotografien von Christof Cebulla aus der Schutzengelkirche ist in der Ostenstraße 2 täglich bis zum 3. Juli geöffnet.

Von Michael Kleinherne
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