Mittwoch, 19. Dezember 2018
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Ausstellung des verstorbenen Malers Gustl Haller zeigte typische Ansichten des Gailach- und Altmühltals

"Ein Meister des Weglassens"

Mörnsheim
erstellt am 02.05.2018 um 18:24 Uhr
aktualisiert am 06.05.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Mörnsheim (eme) Ein weiterer Höhepunkt im Programm der 1100-Jahrfeier in Mörnsheim war die Bilderausstellung des Mülheimer Malers August Haller.
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Hatten viel Freude an der Ausstellung: Richard Mittl, Ernst Haller, Alfred Haller, Rupert Fieger.
Hatten viel Freude an der Ausstellung: Richard Mittl, Ernst Haller, Alfred Haller, Rupert Fieger.
Foto: Meier
Mörnsheim
Ein besonderer Dank von Bürgermeister Richard Mittl bei der Vernissage galt den beiden Söhnen Ernst und Alfred Haller für die spontane Zusage und die Bereitstellung der Exponate, die aus ihrem privaten Besitz stammen.

Ernst Haller erzählte gerne die Lebensgeschichte seines vor 20 Jahren verstorbenen Vaters:
August Haller wurde am 20. Mai 1923 in Oberursel im Taunus geboren. Er erlernte den Beruf eines Werkzeugmachers. Im Krieg wurde er dreimal verwundet, verlor 1945 bei Danzig seinen rechten Arm. Im Lazarett in Possenhofen lernte er Walburga Henle aus Mühlheim kennen, die dort als Hausmädchen in Stellung war. Es war Liebe auf den ersten Blick, im August 1947 heiratete erseine "Walli" in Mühlheim und gründete eine Familie.

Als Kriegsrentner brachte er sich autodidaktisch das Malen bei. Auf eine höhere Ebene brachte ihn die Begegnung mit Professor Gollwitzer von der Kunst Akademie in Stuttgart, der in Mühlheim ansässig wurde. Er war Ehrenmitglied im Künstlerring Eichstätt und zusammen führten sie viele Ausstellungen durch. August Haller fand seine Lieblingsmotive in unmittelbarer Nähe seiner Heimat, quasi vor der Haustüre. Das Gailach- und das Altmühltal, die teils verlassenen Steinbrüche, alte Jurahäuser, Wacholderhänge, verfallenes und achtlos Liegengelassenes: Das Unscheinbare faszinierte ihn, das wollte er den Menschen nahe bringen. Als Gemeinderat in Mülheim, seiner Zeit weit voraus, prangerte Haller bereits vor fast 50 Jahren Kunstdünger, Unkrautvernichtung, den Ausbau der Gailach und die damalige Gebietsreform lautstark an. "Ein Exzentriker, seine Meinung offen, klare und ehrliche Worte und zu diesen auch stehen, für manche auch unbequem, das zeichnete ihn als Menschen aus", sagte Ernst Haller über seinen Vater.

Den Abriss des alten Mülheimer Feuerwehrhauses samt dem hölzernen Schlauchturm konnte er aufgrund seiner guten Beziehungen nach Eichstätt noch verhindern. Die Mosaike der Feldkapellen sowie die großartige Krippenlandschaft in der Mülheimer Kirche stammen aus seiner künstlerischen linken Hand. Auch Rupert Fieger erinnerte sich des Verstorbenen und seiner Freundschaft zu ihm: "Wir haben miteinander debattiert und gerungen und sind uns dabei näher gekommen. Heute ist es mir eine Ehre und Erfüllung hier dabei sein zu dürfen. " In seinen Zeichnungen sei Haller ein Meister des Weglassens gewesen, mit wenigen federhieben parallelen Strichen, ein verzogener Maschendrahtzaun, ein lückenhafter Lattenzaun oder eine zerfallene Hütte am Steinbruch wurden zu seinen Motiven. "Und gerade diese nicht beachteten Objekte verleihen seinen Bildern eine anmutende, ja fast poetische Aussagekraft. "

Wenn man den Menschen Gustl Haller mit einer Pflanze vergleichen wollte, so Rupert Fieger, dann wäre er sicher keine empfindliche Rose, keine eitle Orchidee, keine schöne Lilie, auch keine mächtige Eiche oder eine biegsame Birke. Am ehesten wäre er wohl eine Silberdistel, ein bisschen stachelig, unnahbar und spröde, sehr bodenständig und Kalkbodenliebend, aber wie ein kostbarer und schützenswerter Edelstein.
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