Jetzendorf

Zwischen Bayern und Bacalar

Die aus Jetzendorf und Vieth stammende Band Kraut & Ruhm trifft mit ihrer Musik den Nerv der Zeit

28.03.2017 | Stand 02.12.2020, 18:24 Uhr

Foto: Severin Strasser

Jetzendorf (PK) Die Münchener Band Kraut & Ruhm mit Wurzeln in Jetzendorf und Vieth mischt die Szene auf. Das Erfolgsrezept: eingängige Melodien, eine Mischung aus bairischem, spanischem und englischem Gesang, gesellschaftskritische Texte und jede Menge Energie, Heimatverbundenheit und Idealismus.

Bacalar - weißer Sand, warme Sonne auf der Haut, die Füße baumeln im angenehm kühlen Wasser, ein majestätischer Felsen mit einem kleinen Wasserfall ragt auf einer Seite empor und wildes Grün umwuchert das Becken. Vogelgezwitscher und ein süß-sommerlicher Duft erfüllen die laue Luft. So oder so ähnlich sieht es aus, das Bild, das im Kopf entsteht, wenn man Kraut & Ruhm zuhört, wie sie über Bacalar singen, dieses mysteriöse Paradies, eine Lagune irgendwo in Mexiko. "Bacalar war so schee, mia wuitn goar nimma geh!" Ein Sehnsuchtsort.

Doch was Kraut & Ruhm den willigen Ohren anbietet, ist keine kitschige Gute-Laune-Musik. "Ja dann is' des jetzt gwe'n, wieder z'ruck ins System!" Die Musik der Band zeichnet Bilder - idyllische Bilder davon, wie die Welt sein kann, aber auch triste von der Realität, von Ungerechtigkeit und Leistungswahn - davon, wie die Welt eben auch sein kann und oft genug ist. "A jeda buckelt und rert, damit eam irgendwos g'hert".

Seit den ersten großen Auftritten im letzten Jahr am Puch Open Air und am Humulus Lupulus Festival hat sich einiges getan. Dabei schlossen sich Dominik Oberhauser (Gesang, Saxophon, Gitarre), Miriam Bettaieb (Gesang), Simon Seufert (Gitarre), Dominik Gürtner (Bass) und die Brüder Max (Schlagzeug) und Felix Schneider (Gitarre, Gesang) erst Anfang 2016 nach etlichen Jamsessions in ihrer Münchener Wohngemeinschaft fest zusammen, um ernst zu machen mit der Musik. Doch man hört, dass sich der Grundstock der Band schon von frühester Jugend an aus der Heimat in Jetzendorf und Vieth kennt.

Das musikalische Mastermind in der Konstellation ist Max Schneider, der in der Band zwar Schlagzeug, ansonsten aber eigentlich alles spielt. Er macht seinen Doktor in Neurowissenschaften und nebenbei einen Master in Psychologie. Wenn er nicht gerade fremder Menschen Gehirne untersucht, schreibt er die Musik für Kraut & Ruhm. Die Texte liefern Miriam Bettaieb, die ebenfalls studiert und bereits Mutter ist, und Dominik Oberhauser, dessen markante, raue Stimme wohl am stärksten in den Gehörgängen hängen bleibt. Kraut & Ruhm singen nicht nur auf Englisch und Spanisch, sondern vor allem im Dialekt. Damit reiht sich die Combo mit ihrer Mischung aus Reggae, Hip Hop und Soul in eine Reihe von Bands ein wie Kofelgschroa oder LaBrassBanda, die mit ihrer "Mund Art" einen Hörnerv der Zeit zu treffen scheinen und das Bairische momentan auch jenseits der Grenzen des Freistaates salonfähig machen. Ein ähnlicher Erfolg ist Kraut & Ruhm durchaus zuzutrauen. Die Lieder ihres in Eigenregie produzierten Debüts "Glump und Zeig" sind simpel, knackig, mit Ohrwurmpotenzial, und vor allem sind sie eines: authentisch. Ihre Musik lebt von Kreativität und Vielfalt - Kraut und Rüben eben.

Warum junge Leute heute eine solche Musik anzieht, die zwischen Bayern und der weiten Welt schwankt? "Vielleicht weil die Heimatverbundenheit nicht mehr so verrufen ist wie früher, als man mit Heimat eigentlich nur CSU und Stammtischparolen verbunden hat, sondern man heute eher wieder ein Heimatgefühl im eigentlichen Sinne sucht", spekuliert Bassist Dominik Gürtner. Kraut & Ruhm scheinen es auf jeden Fall gefunden zu haben, dieses Gefühl - ganz gleich, ob in Jetzendorf, München oder der Lagune von Bacalar.

Kraut & Ruhm live gibt es beim Münchener Bandcontest "muc-king" am Freitag, 31. März, im Aquarium, Alois-Wunder-Straße 1, Pasing, Einlass 19.30 Uhr, Eintritt 4 Euro.