Pfaffenhofen

Wo der Hackelmo umgeht

Dritter Band: Reinhard Haiplik stellt weitere "Geheimnisvolle Plätze in der Hallertau" vor

26.11.2019 | Stand 02.12.2020, 12:32 Uhr
Zu den unheimlichsten Orten, die Reinhard Haiplik beschreibt, gehört die Jordangruft in Dötting zwischen Vohburg und Pförring. Der Leichnam von Karolina von Jordan, die 1816 im Alter von eineinhalb Jahren verstarb, gilt in der Wissenschaft weltweit als eine der best erhaltenen Kindermumien. −Foto: W. Hailer

Pfaffenhofen (PK) Eine unheimliche Gruft, in der die Mumien einer adeligen Familie ruhen, mystische Kultplätze, von denen besondere Kräfte ausgehen. Beeindruckende Landschaften, Geister, tragische Liebesgeschichten, grausame Verbrechen und schreckliche Unfälle. Davon erzählt der Pfaffenhofener Autor Reinhard Haiplik im dritten Band seiner Reihe "Geheimnisvolle Plätze in der Hallertau?, der jetzt im Galli Verlag Hohenwart erschienen ist.

Im Sommer 2009 hatte der Heimatforscher den aus einer zuvor im Pfaffenhofener Kurier abgedruckten Serie entstandenen ersten Bildband veröffentlicht, der inzwischen dreimal neu aufgelegt wurde. Auch ein zweiter, 2014 erschienener Band stieß auf großes Interesse.

In seinem neuen Buch führt der Autor den Leser auf 144 Seiten von Pfaffenhofen aus rund um die Hallertau, manchmal sogar ein Stück weit darüber hinaus. Haiplik erzählt von wilden Jagden, legendären Wirtshauschlachten, märchenhaften Schlössern, von Liebesdramen, die tödlich endeten, einem Goldschatz, einem Schloss, in dem das Libretto zur "Zauberflöte" entstand.

Zu den unheimlichsten Orten, die er beschreibt, gehört die Jordangruft im Dorf Dötting zwischen Vohburg und Pförring. In dem 1835 errichteten Gebäude auf einem Hügel über dem Dorf befindet sich die Grabkammer mit den Eichensärgen des Barons Friedrich Wilhelm von Jordan, seiner Ehefrau Violanda, sowie den Kindern Max und Karolina. In einem fünften Sarg liegen die sterblichen Überreste eines Freundes der Familie, des königlichen Generals Graf Heinrich von Reuß. Es liegt wohl an den besonderen klimatischen Bedingungen in der Gruft, dass die bis zu 200 Jahre alten Leichen nicht verwesten, sondern in mumifiziertem Zustand erhalten blieben. Pathologen, die die Toten von Dötting wissenschaftlich untersuchten, zeigten sich besonders beeindruckt vom Leichnam der kleinen Karolina, die 1816 im Alter von nicht einmal zwei Jahren während einer Italienreise der Familie gestorben war. Vermutlich ließ Baron von Jordan seine Tochter kurz nach dem Tod künstlich mumifizieren. Nach der Rückkehr aus Italien wurde sie wohl in den Eiskeller von Jordans Schloss Wackerstein gelegt. Die Gruft bei Dötting entstand erst 19 Jahre später. Nach Aussage der Pathologen soll es sich bei dem Leichnam von Karolina um eine der am besten erhaltenenen Kindermumien weltweit handeln.

Weniger gruselig aber ebenfalls außergewöhnlich ist die Begegnung, von der Haiplik aus dem zwischen Jetzendorf und Markt Indersdorf gelegenen Ainhofen berichtet. In der Dorfkirche befindet sich eine der ältesten Mariendarstellungen Süddeutschlands, die um 1130 aus Weidenholz geschnitzte Maria Lactans - eine stillende Gottesmutter, um die sich Legenden ranken. Auf seinen Exkursionen begleitet der Autor die Leser zu vielen weiteren volkskundlichen und kulturellen Schätzen, die sich hinter den Mauern kleiner Dorfkirchen und Kapellen am Wegesrand verbergen.

Haiplik erzählt die Geschichten, Sagen und Legenden, die sich um uralte Steinkreuze, Marterl und Flurdenkmale ranken. Er berichtet von tödlichen Verkehrsunfällen, die sich zwischen Hohenkammer und Reichertshausen auffällig häufen. Liegt es am Hackelmo, einem Fabelwesen halb Fisch, halb Mensch, oder dem Mann im weißen Mantel, die nachts im Glonntal bei Hohenkammer umgehen sollen, dass hier so viel Unheil geschieht?

Und es geht auch wieder um Liebe, Hass und Eifersucht. So erinnert Haiplik an eine pikante Affäre, die sich vor rund 200 Jahren im Wasserschloss Train bei Siegenburg abspielte. Während ihr Gemahl, der Fürst von Thurn und Taxis, in Regensburg residierte, vergnügte sich die Schlossherrin Elisabeth auf dem Landsitz in Train mit dem Schriftsteller Emanuel Schikaneder, der als Schöpfer des Librettos von Mozarts Zauberflöte Berühmtheit erlangte. Auch die legendäre Wirtshausschlacht des Jahres 1910 zwischen den Burschen aus Sollern bei Petershausen und den verhassten "Ilmbrunzern" aus Steinkirchen ist in dem Buch erwähnt.

Auch mit dem dritten Band der "Geheimnisvollen Plätze" möchte Haiplik die Leser nicht nur unterhalten, sondern auch das Bewusstsein schärfen für die Bewahrung der Hallertauer Landschaft und ihres kulturellen Erbes: "Die zunehmende Zersiedelung und der nicht enden wollende Flächenverbrauch haben schon viel Schlimmes angerichtet. Wenn wir dieser Entwicklung nicht entschlossen entgegentreten, droht unsere Heimat in seelenlose Öde, Monotonie und hässliche Gewerbegebiet-Tristesse zu versinken. So verliert sie nach und nach ihren ganz besonderen Charakter".

Die einzelnen Geschichten in seinem Buch hat der Autor in den 43 Kapiteln so verknüpft, dass der Leser die geheimnisvollen Plätze nicht nur einzeln erkunden, sondern auch mehrere Stationen bei Tagesausflügen gut miteinander verbinden kann. Auf einer Übersichtskarte sind die interessantesten Orte markiert.

Wie schon bei den ersten zwei Bänden wirkte der Pfaffenhofener Journalist Willy Hailer wieder als Fotograf an der Gestaltung des Buches mit. Der frühere Redaktionsleiter des Pfaffenhofener Kurier hat auf rund 150 Fotos die Schönheit der Hallertauer Landschaft, Baudenkmäler, Kunstschätze und die Faszination der geheimnisvollen Plätze eingefangen. Das Buch ist zum Preis von 19,80 Euro ab sofort im Buchhandel (ISBN 978-3-936990-76-8) und beim Galliverlag Hohenwart erhältlich.

DER AUTOR

Reinhard Haiplik, 1954 in Pfaffenhofen geboren, beschäftigt sich seit Jahrzehnten intensiv mit der Geschichte seiner Heimat. Der mittlerweile pensionierte Studiendirektor am Schyren-Gymnasium Pfaffenhofen veröffentlichte zahlreiche historische Beiträge in Zeitungen, Büchern und anderen Publikationen, darunter des Buch „Pfaffenhofen unterm Hakenkreuz“, in dem er erstmals die nationalsozialistische Vergangenheit der Stadt und des Landkreises ausführlich aufarbeitete. 
2009 und 2014 erschienen im Galli Verlag die ersten beiden Bände der Reihe „Geheimnisvolle Plätze in der Hallertau“. Haiplik ist auch Autor einer Biografie über den Pfaffenhofener Dichter und Ehrenbürger Joseph Maria Lutz sowie mehrerer historischer Theaterstücke, darunter das 2006 in Manching mit großem Erfolg aufgeführte Freilicht-Drama „Gump und Gänswürger“. 

Beim Theaterspielkreis Pfaffenhofen stand er in zahlreichen Inszenierungen auf der Bühne. Kommunalpolitisch ist Reinhard Haiplik im Pfaffenhofener Stadtrat und im Kreistag engagiert.